Auf den Punkt Rechtschreibrat legt Empfehlungen vor

Wird die Kultusministerkonferenz bei ihrer Tagung Ende der Woche ein Zeichen setzen? Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen: Der Rechtschreibrat übergab heute seine Korrekturvorschläge zur Reform der Reform.


Berlin - Die amtierende KMK-Vorsitzende, Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD), erklärte bei der Übergabe der Korrekturempfehlungen, sie hoffe, dass mit den Vorschlägen des Rates die weitere Entwicklung der Rechtschreibung "von einer allgemeinen Zustimmung in der Bevölkerung" getragen werde. Die KMK wird auf einer Sitzung am Ende der Woche darüber entscheiden, ob die Vorschläge des Gremiums zum kommenden Schuljahr verbindlich werden sollen.

Problemfeld Rechtschreibreform: Machen sie jetzt mal einen Punkt?
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Problemfeld Rechtschreibreform: Machen sie jetzt mal einen Punkt?

Die Empfehlungen seien ein "wichtiger Schritt" hin zu dem Ziel, dass das neue Regelwerk zum Schuljahresbeginn 2006/2007 für alle Schüler gelte, erklärte Erdsiek-Rave. Die Rechtschreibreform ist mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen und Bayern bereits seit August vergangenen Jahres in großen Teilen verbindlich. Lediglich für die nach Ansicht der KMK strittigen Regelungen wie die Getrennt- und Zusammenschreibung wurde die Übergangsfrist ausgeweitet. Nordrhein-Westfalen und Bayern kündigten aber bereits an, die Reform auf Grundlage der Vorschläge des Rates verbindlich einführen zu wollen.

Das 39-köpfige Expertengremium legte der KMK Vorschläge für Getrennt- und Zusammenschreibung, Groß- und Kleinschreibung, Zeichensetzung sowie Worttrennung am Zeilenende vor. Der Rat habe sich intensiv bemüht, durch "Glättung erkennbarer Unebenheiten dem Sprachgebrauch" der deutschsprachigen Bürger "möglichst gerecht zu werden", erklärte der Ratsvorsitzende und frühere bayerische Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU). Der Rat war als Konsequenz aus der anhaltenden Kritik an der bereits im August 1998 an den Schulen eingeführten Reform eingesetzt worden und hatte seine Arbeit im Dezember 2004 aufgenommen.

Die Vorschläge des Rates wurden auch von Reformgegnern weitgehend positiv aufgenommen. So begrüßte etwa der Springer-Verlag, dessen Zeitungen im Oktober 2004 zur alten Schreibung zurückgekehrt waren, die Empfehlungen des Gremiums. Es werde geprüft, ob mit diesen Vorschlägen eine "einheitliche reformkonforme Rechtschreibung" in Zeitungen und Zeitschriften sowie Onlinemedien des Verlages übernommen werden könne, kündigte die Axel Springer AG bereits vergangene Woche an. Auch der Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Frank Schirrmacher, hatte die Empfehlungen als "in großen Teilen vernünftig" bezeichnet. Die "FAZ" hatte die alten Regeln bereits im Jahr 2000 wieder eingeführt.

Der Reform-Gegner Theodor Ickler, der als Vertreter des PEN-Zentrums in dem Rat gesessen und diesen aus Protest verlassen hatte, betonte erneut, die Vorschläge zur Korrektur der Reform seien unzureichend. Von sechs großen Bereichen seien nur drei Bereiche bearbeitet worden, so Ickler heute bei einer Radiosendung des RBB. Als Blockierer sieht er Schul- und Wörterbuchverlage, die am "Durchziehen der Reform" interessiert seien, damit ihnen kein wirtschaftlicher Schaden entstehe. Verschiedene Interessenverbände und die KMK hätten einen Druck erzeugt, der eine "reine Fiktion" sei. "Wir hätten jede Menge Zeit gehabt, das sachlich Richtige zu tun", sagte Ickler.

dan/AP/dpa



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