Aufbau-Verlag Hand in Hand gegen den Staat

Während Aufbau-Verleger Bernd Lunkewitz nochmals kräftig gegen Bundesregierung und seine beiden Geschäftsführer austeilt, schlägt der Insolvenzverwalter des Verlags ruhige Töne an - will aber ebenfalls prüfen, ob der Staat nicht für die Misere zahlen muss.


Berlin - Die hohen Wellen um die Insolvenz des Aufbau-Verlags scheinen sich ein wenig zu glätten: Nach anfänglichem Streit wollen Insolvenzverwalter und Verleger zumindest teilweise an einem Strang ziehen. Wie der vom Insolvenzgericht eingesetzte Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus am Montag mitteilte, bestehe Einigkeit in drei Punkten: Erstens sollten weder Aufbau-Autoren noch Buchhändler unter der Insolvenz leiden, zweitens überlegten Insolvenzverwalter und Verleger Lunkewitz den Verlag gemeinsam zu verkaufen. Drittens prüfe der Insolvenzverwalter, ob er ebenso wie Aufbau-Verleger Ansprüche an die Bundesregierung stellen wird.

Aufbau-Verleger Lunkewitz: Bereit zur Zusammenarbei
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Aufbau-Verleger Lunkewitz: Bereit zur Zusammenarbei

Voigt-Salus sagte, dass Lunkewitz ihm in einem Gespräch am Sonntag mitgeteilt habe, dass es ihm "nicht ihn den Sinn komme, Autoren oder Buchhandlungen zu schädigen", da ihm sehr "an der Fortexistenz des Aufbau-Verlags" liege. In einem Gespräch mit buchmarkt.de hatte Lunkewitz zudem dazu aufgerufen, Bücher vom Aufbau-Verlag zu kaufen. Das Interesse der Autoren sei "der höchste Zweck jeden Verlegers".

Im aktuellen SPIEGEL sagte Lunkewitz, dass auch die Angestellten des Aufbau-Verlags bei einem Verkauf abgesichert seien. Seine Mitarbeiter gehörten zu "den besten der Branche". Jeder Käufer sei "verrückt", sie nicht zu übernehmen. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, werde nun ein gemeinsamer Verkauf des Verlagshauses angestrebt, wie Voigt-Salus mitteilte. Die Diskussionen zu diesem Thema würden "sehr konstruktiv" geführt.

Solch Einmütigkeit überrascht ein wenig, denn Lunkewitz warf im SPIEGEL den Geschäftsführern vor, "zusammen mit dem Insolvenzverwalter mir den Aufbau-Verlag wegzunehmen". Der wiederum will nun prüfen, ob - wie es auch Verleger Lunkewitz verlangt - "wegen der fehlerhaften Gründung des Aufbau-Verlags" die Rechtsnachfolgerin der Treuhand "in Anspruch genommen werden muss".

Lunkewitz und Insolvenzverwalter Voigt-Salus wollen nun also gemeinsam gegen den Staat vorgehen - und gegen den wetterte der Verleger heute nochmals in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung". Ihm als Verleger werde "das Eigentum an seinem Verlag vom Staat vorenthalten", schrieb er, und zog Parallelen zur Enteignung der Verleger in der DDR der fünfziger Jahre. "Die Vorgänge um den Aufbau-Verlag seit der Wende sind etwas verbrämt genau das Gleiche".

Lunkewitz wiederholte seine Kritik an Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), der wisse, dass die Treuhandanstalt im Jahr 1992 "rechtswidrig" gehandelt habe. Steinbrück hoffe jetzt Lunkewitz, "zermürben" zu können. Die Aufbau-Verlagsgruppe wäre nur zu retten, "wenn ich ihr mein privates Vermögen am Aufbau-Verlag und weitere Millionen zur Verfügung stellen würde und auf meine Ansprüche gegen den Bundesfinanzminister verzichte. Dazu war und bin ich nicht bereit."

Die Verlagsgruppe hatte auf Betreiben von Lunkewitz am 30. Mai Insolvenz angemeldet. Er zog damit die Konsequenz aus einem Urteil, mit dem ihm der Bundesgerichtshof bestätigt hatte, dass der Aufbau-Verlag in der DDR nie zum Volkseigentum gehörte. Der Richterspruch: Aufbau sei nie Eigentum der Treuhandanstalt gewesen, die ihn an eine Investorengruppe um Lunkewitz 1991 verkauft hatte. Damit könnten für den Verleger rund 50 Millionen Euro verlorengehen, deren Rückzahlung er jetzt verlangt. Zu neuen Investitionen sei die Gruppe "in Erwartung weiterer Prozesse" nicht in der Lage, hieß es damals.

Der 1945 in Berlin gegründete Verlag brachte in seiner über 60-jährigen Geschichte unter anderem Werke von Bertolt Brecht, Anna Seghers, Christa Wolf und Christoph Hein heraus. Das Herbstprogramm des Verlages soll wie geplant erscheinen.

ibl/dpa/ddp



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