Aufruf an die SPD Kulturschaffende warnen vor Großer Koalition

Positionierung zum Parteitag: 27 Prominente aus Kunst und Wissenschaft mahnen die SPD, nicht wieder in eine Große Koalition einzutreten. Unter den Unterzeichnern: Konstantin Wecker, Roger Willemsen, Hanna Schygulla und die Humpe-Schwestern.

Verhandler Gabriel mit Kanzlerin: Verschenkt er "Führungsanspruch"?
DPA

Verhandler Gabriel mit Kanzlerin: Verschenkt er "Führungsanspruch"?


Berlin/Hamburg - In Leipzig treffen sich die Delegierten der SPD zum Parteitag, um über die Koalitionsverhandlungen mit der Union zu debattieren. Deutlich positioniert dazu haben sich nun die 27 Erstunterzeichner eines Aufrufs "Wider die Große Koalition", dessen Initiator offenbar der Schriftsteller Ingo Schulze ist - er hat die Webseite angemeldet, auf der Interessenten den Aufruf an die SPD unterstützen können.

Es gehe um die Frage, "ob sich die SPD in einer Regierung mit CDU und CSU weiter marginalisieren und für ein 'Weiter so!' einspannen lässt, oder ob sie eine politische Alternative nicht nur behaupten, sondern für diese auch einstehen will", heißt es in der Erklärung. Die Unterzeichner befürchten, in einer Große Koalition würden "Konzepte einer vergangenen Politikepoche" bestärkt. Die SPD verschenke ihren Führungsanspruch "für eine warme Mahlzeit". Jedes Ergebnis der Koalitionsverhandlungen stehe unter Finanzierungsvorbehalt, "nur die Ministerposten sind sicher".

Vor der Bundestagswahl hatte Ingo Schulze in der Wahlbroschüre der SPD "Für eine neue Kulturpolitik" den Wunsch geäußert, die Partei möge sich "vernehmlich zum demokratischen Sozialismus" bekennen. Wenige Tage vor der Stimmabgabe empfahl er in der "Zeit" allerdings die Linkspartei zur Wahl: "Solange SPD und Grüne nicht dazu bereit sind, die Linke als politischen Verbündeten zu akzeptieren und mit ihr eine Koalition zu bilden", werde sich nichts am Gerechtigkeitsproblem in der Gesellschaft ändern.

Insofern überrascht es nicht, dass in dem nun veröffentlichten Aufruf kritisiert wird, dass die SPD "jetzt und in nächster Zukunft ein Bündnis linker und alternativer Parteien und Bewegungen" verhindere: "Wieder wird die Mehrheit links von der Mitte nicht genutzt."

Die 27 Erstunterzeichner sind:

  • Silvia Bovenschen (Autorin, hoffte in der "Zeit"-Umfrage auf einen Regierungswechsel)
  • Daniela Dahn (Schriftstellerin, wurde von der PDS 1998 als Verfassungsrichterin in Brandenburg vorgeschlagen )
  • Christian Dunker (Autorenbuchhandlung Berlin)
  • Manfred Domrös (Theologe und einstiger Mit-Initiator von "Schwerter zu Pflugscharen")
  • Dieter Hanitzsch (Karikaturist für die "Süddeutsche Zeitung", 2004 für die SPD in der Bundesversammlung)
  • Stefan Hanitzsch (Dieter Hanitzschs Sohn, der zusammen mit Dieter Hildebrandt den Internet-Fernsehkanal "Störsender" betreibt)
  • Sibylle Havemann (Lehrerin für Alexander-Technik und Tochter Robert Havemanns)
  • Annette Humpe (Musikerin, früher bei Ideal, in jüngerer Zeit bei Ich & Ich, unterstützte 2005 Gerhard Schröder vor der Wahl)
  • Inga Humpe (Musikerin bei 2raumwohnung)
  • Marc Iven (Autorenbuchhandlung Berlin)
  • Kirsten Klöckner (Künstlerin, die 2013 einen Wahlaufruf für die SPD von Klaus Staeck und Johano Strasser unterstützte)
  • Maren Kroymann (Schauspielerin, die unlängst bei einer SPD-Veranstaltung zum Weltfrauentag auftrat)
  • Juliane Lorenz (Filmemacherin und Erbin Rainer Werner Fassbinders)
  • Oskar Negt (Sozialphilosoph, der schon seit langem eine Öffnung der SPD zur Linken fordert)
  • Susan Neiman (Philosophin, die 2010 mit Olaf Scholz auf einer SPD-Veranstaltung über Poltik und Philosophie diskutierte)
  • Christian Nürnberger (Autor und Ehemann der TV-Journalistin Petra Gerster, trat bei der Bundestagswahl 2013 für die SPD im Nürnberger Land an)
  • Elisabeth Ruge (Verlegerin, leitete bis vor kurzem Hanser Berlin)
  • Michael Schneider (Schriftsteller)
  • Friedrich Schorlemmer (Theologe, DDR-Bürgerrechtler und SPD-Mitglied)
  • Daniel Schreiber (Autor)
  • Ingo Schulze (siehe oben)
  • Hanna Schygulla (vielfach preisgekrönte Schauspielerin, die vor allem in Fassbinder-Filmen berühmt wurde)
  • Christoph Sieber (Kabarettist, der schon mehrfach auf Einladung von SPD-Ortsvereinen auftrat)
  • Antje Vollmer (Autorin und als Grünen-Politikerin Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags)
  • Konstantin Wecker (Liedermacher, der im August beim Deutschlandfest zum 150. Geburtstag der SPD auftrat)
  • Hans-Eckardt Wenzel (schon in der DDR gefeierter Chansonnier)
  • Roger Willemsen (Autor, der bereits 2010 von einer "pawlowschen Dämonisierung der Linkspartei" sprach)

Die Kulturschaffenden fordern die SPD auf, wenn ihr die Courage fehle, "die Führung zu übernehmen", dann solle sie "in die Opposition gehen und sich von Grund auf erneuern".

feb



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Erda 14.11.2013
1. Die üblichen Verdächtigen
Zitat von sysopDPAPositionierung zum Parteitag: 27 Prominente aus Kunst und Wissenschaft mahnen die SPD, nicht wieder in eine Große Koalition einzutreten. Unter den Unterzeichnern: Konstantin Wecker, Roger Willemsen, Hanna Schygulla und die Humpe-Schwestern. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/aufruf-wider-die-grosse-koalition-von-ingo-schulze-konstantin-wecker-a-933496.html
Wer von Politik und Wählerwillen keine Ahnung hat, soll den Mund halten. Kulturschaffende hatten nie eine Ahnung von Politik, dass bewiesen seinerzeit die Proteste gegen den Nato-Nachrüstungsdoppelbeschluss. Konstantin Wecker der Kokser, ich lach mit tot, es sind immer dieselben Linken die hier Klamauk machen. Hanna Schygulla, welche Ahnung hat denn diese Faßbinder-Schülerin von Poliitk? Oh Gott, ich sag ja der links-grüne Mehltau in unserem Land, schrecklich!
dieter-ploetze 14.11.2013
2. warum ich nicht unterzeichne
weil bei der SPD nichts mehr von der früheren SPD da ist.an die SPD generell würde ich mich nie hoffnungsvoll wenden.die maßgeblichen sind ein unangenehmer haufen opportunisten,der ,wie auch in der CDU, auf posten,geld,karriere aus ist.da gibts keinen unterschied.diese führungsriege ist nicht reformierbar,die würde höchstens eine wende vollziehen,wenn es opportun erscheint. meine hoffnung,wenn auch eine geringe,liegt bei den verbliebenen mitgliedern,die dem spuk ein ende machen können.
LeBreton 14.11.2013
3. Alle sägen an dem dicken Ast, wo sie selbst sitzen
Kultur ist wie Konfitüre. Beides muss man sich leisten können. Leisten kann man es sich nur, wenn die Wirtschaft floriert und die Arbeitslosenzahlen niedrig sind. Wo sind die Leistungen dieser Personen zum Bruttoinlandsprodukt?? Wer gibt ihnen das Recht so gegen die Mehrheit der Bevölkerung Stimmung zu machen?? Ein aufrechter Demokrat akzeptiert Wahlen und deren Ergebnisse.
ajantis 14.11.2013
4. ok
dann bitte Neuwahlen mit absoluter Mehrheit für die CDU Wenn die Linken in DE wieder an die Macht kommen kann man wirklich nur noch auswandern. Man hat doch 40 Jahre lang gesehen wozu diese Leute in der Lage sind. Wie kann man so blind sein???
passiflore 14.11.2013
5. Letzte Tinte
Fehlt nur noch Kollege Grass mit seiner letzten Tinte in dieser Ansammlung von Altlinken, die nach der billigen Formel gestrickt sind: Intellektuell gleich Links, gleich nonkonformistisch gleich revolutionär und fortschrittlich. Meine Güte, abgesehen von ein paar altvorderen SED'lern weiß ich (aus eigener Anschauung), dass diese Heuchler und Salonlinken nach Aufträgen schnappen wie der Hund nach der Wurschd, wenn es darum geht, sich selbst die Säcke voll zu machen. Aber jetzt einen auf soziale Gerechtigkeit machen. Offensichtlich müssen sie dieses Image aufrecht erhalten, um ihre Aura als "Vordenker" zu pflegen. Übrigens, was ausgerechnet Schauspieler in der Riege der Intellektuellen zu suchen haben, erschließt sich mir nicht, auch nicht in Talk-Showas, wo Mimen ja auch gerne als moralische Instanz herangezogen werden. Als Professor Brinkmann, Gott habe ihn selig, aus der Schwarzwaldklinik vom TV-Volk als Medizin-Fachmann angesehen wurde, haben sich viele angeblich aufgeklärte Zeitgenossen lustig gemacht über diese doofen Fernseh-Glotzer. Das hier ist nichts anderes, klingt nur irgendwie gebildeter.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.