Auschwitz-Gedenktag: Erneuter Anschlag auf "Flick Collection"

Am 60. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz haben Unbekannte einen Anschlag auf die umstrittene "Flick Collection" in Berlin verübt. Nach Polizeiangaben verschütteten die Täter im Eingangsbereich des Museums für Gegenwart Hamburger Bahnhof mehrere Liter weiße Dispersionsfarbe und legten Flugblätter aus.

Sammler Flick (vor dem Gemälde "Der junge progressive Arzt" von Martin Kippenberger): Drei Anschläge seit Herbst 2004
DPA

Sammler Flick (vor dem Gemälde "Der junge progressive Arzt" von Martin Kippenberger): Drei Anschläge seit Herbst 2004

Berlin - "1000 Frauen aus Auschwitz mussten im Flick-Konzern arbeiten, viele haben das nicht überlebt", hieß es in dem Flugblatt. Damit eskaliert der Protest gegen die 2500 zeitgenössische Kunstwerke umfassende Sammlung, die Friedrich Christian Flick dem Museum für sieben Jahre zur Verfügung gestellt hat.

Kritiker werfen dem Kunst-Mäzen vor, die Sammlung sei mit dem Erbe seines Großvaters, dem NS-Rüstungsunternehmer Friedrich Flick, finanziert worden. Friedrich Flick hatte als wirtschaftlicher Profiteur des Nazi-Regimes auch Zwangsarbeiter beschäftigt.

Auf die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Herbst 2004 eröffnete Ausstellung hatte es bereits einen Tag nach der Eröffnung im Herbst 2004 einen Anschlag gegeben. Damals beschädigte eine 35-jährige Frau zwei Installationen des amerikanischen Künstlers Gordon Matta Clark.

Ende November hatte ein 55-jähriger Kanadier versucht, eine Ampulle mit Blut auf eine Skulptur von Paul MacCarthy zu schütten. Der Mann konnte jedoch von Aufsehern daran gehindert werden, so dass das Blut nur auf eine leere Wand der Ausstellungshalle spritzte.

Gewaltfreien Protest gegen die Ausstellung übten heute zahlreiche Intellektuelle, darunter Nobelpreisträgerin Elfride Jelinek. In einer in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") veröffentlichten Anzeige riefen die 240 Unterzeichner zu einer Schließung der "Flick Collection" auf. Die Initiative wirft Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), dem Land Berlin und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vor, mit ihrer Unterstützung der Ausstellung zur "Stilllegung der Erinnerung an die Schoah" beizutragen.

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