DDR-Kopien von Gesellschaftspielen: "Dieser Witz bringt ein Jahr Planerfüllung"

"Monopoly", "Malefiz" und Co. auf Ostdeutsch: Weil westdeutsche Gesellschaftsspiele in der DDR unerwünscht waren, bastelten sich ihre Bürger heimlich Kopien. Zwei Berliner sammelten die Nachbildungen über Jahre und stellen sie nun im Deutschen Spielemuseum aus.

Kopien von Gesellschaftsspielen: DDR, ärgere dich nicht! Fotos
dapd

Hamburg/Berlin - Butterdosen als Spielfiguren, die Rückseite eines Schnellhefters als Spielbrett und Ereigniskarten wie "Dieser politische Witz bringt Ihnen ein Jahr Planerfüllung": Wer in der DDR seinen Kindern mit "Monopoly" und anderen westdeutschen Gesellschafts- und Brettspielen eine Freude machen wollte, musste kreativ sein. Die waren nämlich verpönt - und heimliches Einschleusen der Spiele vom "Klassenfeind" BRD in den Osten sehr gefährlich. So legten Bürger aus dem Osten eben selbst Hand an Schere, Leim und Knete und bastelten sich Kopien.

Die Berliner Medienschaffenden Richard Geis und Martin Thiele sammelten über Jahre hinweg die liebevoll angefertigten Spiele-Kopien aus der DDR und präsentieren ihre 60 Werke umfassende Sammlung ab dem 5. Mai 2012 im Deutschen Spielemuseum in Chemnitz. Im Herbst soll eine Ausstellung im Deutschen Spielearchiv Nürnberg folgen.

Geis und Thiele war es eine Herzensangelegenheit, die nachgemachten Spiele vor dem Verfall zu retten und der Nachwelt zugänglich zu machen. Als nach der Wende der Weg frei war für die Originale aus Westdeutschland landeten viele der Spiele-Kopien im Müll. Ein Unding, findet Richard Geis: "Die Menschen hatten und haben kein Bewusstsein dafür, dass sie etwas Besonderes besitzen."

Mit diesem Besonderen ist auch Geis selbst aufgewachsen. Seine Mutter schenkte ihm 1982 zu Weihnachten eine selbstgebastelte Kopie des Spiels "Sagaland". Abgeschaut bei Nachbarn, die das Original von Westfreunden hatten, zeichnete sie mit Wachsmalstiften auf einen Schnellhefter ein Städtchen als Startpunkt, einen Wald als Spielfläche und ein Schloss als Kartenstapel. 30 Jahre später ist es das erste Stück in der Sammlung von Geis und Thiele.

tre/dapd

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1.
andy_c 30.04.2012
Zitat von sysopWeil Gesellschaftsspiele in der DDR unerwünscht waren DDR-Kopien von Gesellschaftspielen: "Dieser Witz bringt*ein Jahr Planerfüllung" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,830628,00.html)
Diese Behauptung ist mit Verlaub gesagt einfach Blödsinn. Für genau diese angeblich unerwünschten Gesellschaftsspiele, gab es z.B. im ehemaligen Karl-Marx-Stadt einen Betrieb der diese herstellte. Gern bin ich bereit, einem Spiegeljournalisten eine Auswahl derer zu zeigen. Jeder kann über die DDR seine Meinung haben, aber trotz aller Kritiken sollte man bei wahrheitsgemäßen Aussagen bleiben!
2.
opag78 30.04.2012
Zitat von sysopMonopoly, Malefiz und Co. auf Ostdeutsch: Weil Gesellschaftsspiele in der DDR unerwünscht waren, bastelten sich ihre Bürger heimlich Kopien der westdeutschen Spieleklassiker. Zwei Berliner sammelten über Jahre die Spiele-Kopien und stellen sie nun im Deutschen Spielemuseum aus. DDR-Kopien von Gesellschaftspielen: "Dieser Witz bringt*ein Jahr Planerfüllung" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,830628,00.html)
Ich denke die abgebildeten Suralin-Figuren kommen den "realen Mitspielern" im weltweiten Monopoly erheblich näher als die traditionellen Zinn-Figuren :) Wenn sie das Produktverpackungsmemory sehen würden, würden wahrscheinlich Horden von Marketingmenschen vor Freude in die Luft springen. Kunden, die sich sogar in ihrer Freizeit mit Marken beschäftigen und diese in Erinnerung behalten wollen! So muss das Paradies für Marketer aussehen!
3.
marthaimschnee 30.04.2012
Zitat von sysopWeil Gesellschaftsspiele in der DDR unerwünscht waren ..
Irgendwie scheine ich in einer anderen DDR groß geworden zu sein. Zumindest waren dort Gesellschaftsspiele nicht grundsätzlich geächtet. Daß aber ausgerechnet Monopoly zu den unerwünschten Spielen gehört hat, darf eigentlich keinen verwundern. Dieses Spiel ist schließlich der Prototyp all dessen, was in der heutigen Gesellschaft katastrophal schief läuft: Das sich Aneignen sämtlichen Besitzes aller übrigen Mitspieler ohne jegliche Leistung, mit ein klein wenig Geschick und ansonsten ausschließlich Glück.
4.
uchawi 30.04.2012
"Memory" gab's im Osten sehr wohl, bloß nicht mit westdeutschen Produktmarken, versteht sich.
5. Gesellschaft katastrophal
NilsCA 30.04.2012
Zitat von marthaimschnee.. ausgerechnet Monopoly .. Dieses Spiel ist schließlich der Prototyp all dessen, was in der heutigen Gesellschaft katastrophal schief läuft: Das sich Aneignen sämtlichen Besitzes aller übrigen Mitspieler ohne jegliche Leistung, mit ein klein wenig Geschick und ansonsten ausschließlich Glück.
Was in der heutigen Gesellschaft schief laeuft - dafuer fehlen noch die Ereigniskarten: + Sie treten zwangsweise der Gewerkschaft bei, bitte zahlen + Sie werden ueberreguliert, geben Sie von jetzt an 20% Ihres Gewinnes fuer buerokratischen Papierkram aus + Schuldengutschein - Sie erhalten 10.000 Euro fuer lau, die Ihre Kinder abbezahlen duerfen + Gutmensch - 5000 arme Leute aus Weissnichtstan werden eingeflogen und auf Hartzlern trainiert - alle Spieler einmal wohlfuehlen und von jetzt an 10% des Gewinnes abgeben - ziehen Sie auf Feld Umschuldung vor und Felder + Sozialneid - Ihr Auto wird abgefackelt + Umschuldung - Alle Schulden werden gemischt, alle Spieler sagen einmal laut "SPAREN TUT GUT" + Fruehrente - Glueckwunsch, das Spiel ist fuer Sie beendet - die anderen Zahlen Ihre Kosten von jetzt an
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