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08. Mai 2001, 12:03 Uhr

Ausverkauf bei Berggruen

Rekordpreis für Cézanne-Bild

Weil die Bundesrepublik und das Land Berlin nur einen Teil der Sammlung Berggruen erwerben konnten, kommen die restlichen Schätze des Kunstmäzens jetzt unter den Hammer - bis zu 38,5 Millionen Dollar wurden für ein Bild erzielt.

Heinz Berggruen 1996 in Berlin
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Heinz Berggruen 1996 in Berlin

New York - "Ein geistiges und moralisches Armutszeugnis" hatte der 87-jährige Heinz Berggruen die Teilung seiner Sammlung genannt: Mit Blick auf das Pflichterbe seiner Kinder hatte der gebürtige Berliner die Bilder Anfang des Jahres an das französische Auktionshaus Phillips, de Pury & Luxembourg verkaufen müssen. Dieser Schritt war notwendig geworden, nachdem der Bund nicht den von Berggruen geforderten Betrag von rund 600 Millionen Mark für die gesamte Kollektion aufbringen konnte. Für den Kauf der rund 200 Bilder, darunter Werke von Picasso, Matisse und Klee, hatten der Bund und Berlin 253 Millionen Mark bezahlt - ohnehin nur ein Bruchteil dessen, was die Bilder wert sind.

"Das Portal zur Moderne

Bis zuletzt hatte man auf Sponsorengelder gehofft - die jedoch blieben aus. Als "verkraftbaren" Verlust beurteilte man in Berlin daraufhin ausgerechnet jene Werke, welche den Beginn des kunsthistorischen Exkurses ins 20. Jahrhundert darstellen, den die Sammlung Berggruen so anschaulich macht - nämlich die Werke von Cézanne (sechs Gemälde, drei Aquarelle und eine Zeichnung) und von van Gogh (ein Gemälde und eine Zeichnung): Das "Portal zur Moderne" werden die Werke von Kunstkennern genannt, die den Verkauf folgerichtig als "unverantwortlich" bezeichnen.

Cézannes "La Montagne Sainte-Victoire" wurde für 38,5 Millionen Dollar verkauft
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Cézannes "La Montagne Sainte-Victoire" wurde für 38,5 Millionen Dollar verkauft

Jetzt erzielten die Werke Rekordsummen: Ein Bild des französischen Malers Paul Cézanne ist in New York zum Preis von 38,5 Millionen Dollar (84,5 Millionen Mark) versteigert worden. Bei dem Werk handelt es sich um das Landschaftsbild "La Montagne Sainte-Victoire" (1888 bis 1890).

Wie die New Yorker Niederlassung des Auktionshauses Phillips de Pury & Luxembourg mitteilte, war es der höchste Preis, der jemals für ein Landschaftsbild Cézannes erzielt wurde, und der zweithöchste für ein Werk des Künstlers überhaupt. Sein Schätzwert hatte zwischen 35 und 45 Millionen Dollar gelegen. Berggruen hatte "La Montagne Sainte-Victoire" 1982 von dem griechischen Schiffsmagnaten George Embiricos erworben.

Auch Van Goghs " Le Jardin Public" wurde in New York versteigert
AP

Auch Van Goghs " Le Jardin Public" wurde in New York versteigert

Phillips-Vorstand Simon de Pury bestätigte der "New York Times", dass sein Haus Berggruen eine feste Summe für den Verkauf der sieben Bilder zugesagt hat. "Phillips hat in der Tat die Garantie für die Berggruen-Sammlung übernommen, so verfahren andere Auktionshäuser auch", sagte de Pury. "Aber wir nennen keine Details. Kursierende Zahlen sind reine Spekulation". Experten gehen davon aus, dass Berggruen unabhängig von dem Ergebnis der Auktion wenigstens 120 Millionen Dollar (264 Millionen Mark), vielleicht aber auch mehr erhält.

Getty-Museum kaufte einen Van Gogh

Neben "La Montagne Sainte-Victoire" wurden vier weitere Cézanne- Bilder aus der Sammlung versteigert. Das Ölgemälde "Allee von Chantilly I" ("L'Allée à Chantilly I", 1888) ging für 9,35 Millionen Dollar (20,57 Millionen Mark) an einen anonymen Käufer. "Mädchen mit Puppe" ("Fillette à la poupée", 1902 bis 1904) wechselte für 16,5 Millionen Dollar (36,3 Millionen Dollar) den Besitzer.

Außerdem wurden die Bilder "Herbstgarten" und "Weizenernte vor der Stadt Arles" von Vincent van Gogh in New York zum Verkauf angeboten. Das Getty-Museum erwarb das zweite Werk, "Weizenernte vor der Stadt Arles", für 4,4 Millionen Dollar (9,68 Millionen Mark), wiederum im unteren Bereich des Schätzwertes.

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