Auto-Designer Belker Der Mann, der das Batmobil baute

Ohne Harald Belker müssten viele Film-Stars zu Fuß gehen. Der aus Deutschland stammende Designer entwirft futuristische Phantasie-Karossen für actionreiche Leinwand-Abenteuer aus Hollywood. Dass seine eigenen automobilen Träume dabei wahr werden, ist ein angenehmer Nebeneffekt.

Von Helmut Sorge


Kindheitstraum: Designer Belker mit einem seiner futuristischen Auto-Modelle
VolkerCorell

Kindheitstraum: Designer Belker mit einem seiner futuristischen Auto-Modelle

Er ist zwei Meter groß, 40 Jahre alt und immer noch ein Kind. Zumindest wenn er träumt - von raketengetriebenen Autos und Motorrädern die mit Überschall-Geschwindigkeit fahren. Harald Belker, geboren in Krefeld, ist ein Mann, der wie für Hollywood geschaffen zu sein scheint. Im Sommer haben drei seiner Filme Premiere: "Spiderman", Steven Spielbergs "Minority Report" und Rob Cohens "XXX". Er hat mit Tom Cruise gearbeitet, mit Vin Diesel, Arnold Schwarzenegger und Samuel L. Jackson. Nein, nicht vor der Kamera, sondern dahinter. Oder daneben. Ohne Belker wäre Batman Fußgänger geblieben, und Tom Cruise könnte in "Minority Report" nicht in einem roten Kracher in die Zukunft rasen - in einem von der japanischen Edelmarke Lexus finanzierten, von einem Elektromotor getriebenen Sportwagen.

Harald Belker ist Film-Designer der besonderen Art: Er baut Autos für die Zukunft, entworfen am Computer. Nach dem Dreh werden seine Geschöpfe im Auto-Museum abgestellt oder auf Autoshows bewundert. In einem Schrank im Keller seines Townhouses im kalifornischen Santa Monica hat Belker jene Modelle verstaut, die Spielzeug-Hersteller von seinen Traumwagen nachbauten. Von dem Modell, das in "Minority Report" von Cruise gesteuert wird, hat Belker gleich 30 Mini-Replicas vorbestellt. Nur zur Erinnerung. Für das Spielzeug lassen sich die Produzenten bezahlen, der Designer freilich erhält keinen Cent. Er wird schließlich fürs Design belohnt. Den Deutschen "vergrätzt das nicht". Er ist zufrieden mit seinem Job, "in dem man nie erwachsen werden muss".

Automobile Visionen: Batmobil von Belker
Belker

Automobile Visionen: Batmobil von Belker

Wenn Belker nicht am Computer hockt, hängt er oft in der Luft, unten, über den Wellen von Sea Beach am Pazifik-Strand. Unlängst hat der Designer nämlich das Kite-Surfing entdeckt, eine verschärfte Art des Wind-Surfens. Mal in den Wellen, dann wieder von einem Drachen-ähnlichen Tuch in die Luft gezerrt. Profis heben zehn Meter ab. Der Fall, weiß Neuling Belker, "kann schmerzhaft sein." An Land tobt er sich anders aus: Sonntag morgens gegen sieben Uhr steuert er seinen Porsche Boxster gerne über Bergstraßen, durch enge Kurven. Gas geben, Tempo: Erinnerungen an seine Designer-Zeit bei Porsche in Stuttgart und später bei Mercedes im kalifornischen Design-Studio. Das großzügige Interieur des Mini-Mercedes "Smart", so scheint es, ist Belker zu verdanken: Der Zwei-Meter-Mann wurde im Design-Studio häufig als menschliche Versuchsgruppe ins Klein-Auto gesetzt.

Eigentlich sah seine Karriereplanung ganz anders aus - Tennisprofi, das wär's gewesen. In der Regionalliga hat er bei Blau-Weiß Krefeld gespielt und war bald darauf gut genug für ein Tennis-Stipendium an einer kleineren Uni im US-Südstaat Georgia. Zu seinen Gegnern zählten damals spätere Profis wie der Holländer Paul Haarhuis. Nur: Belker fühlte sich zu alt, immerhin war er damals schon 21. Fünf Stunden Tennistraining täglich, die Monotonie und Anstrengung, setzten ihm zu. Hoffnung kam schließlich aus Deutschland: Ein Freund schickte ihm das Fachblatt "Auto, Motor und Sport" mit einem Artikel über die führenden Auto-Designer-Schulen der Welt. Nach der Lektüre wusste Design-Ingenieur Belker, wo er studieren wollte: am "Art Center College of Design" in Pasadena, Kalifornien. Eine Schule, "die dich quält und noch mal quält".

Erinnerungen an die Porsche-Zeit: Belker in seinem Boxster
Volker Corell

Erinnerungen an die Porsche-Zeit: Belker in seinem Boxster

Am Ende lockten Angebote: Porsche engagierte den Absolventen, der jedoch noch während seiner Probezeit in Stuttgart erkannte, "dass Rheinländer nicht unbedingt mit Schwaben klarkommen." Er kehrte an die Westküste zurück. Nach vier Jahren im kalifornischen Design-Studio von Daimler Benz dann neue Einsichten: "Das politische Gerangel, die Erwartung, dass man den Mächtigen in den Arsch kriecht", das war nichts für ihn: "Ich brauche meine Unabhängigkeit."

Belker ist Ingenieur und Autodesigner, vor allem aber Künstler. Bei Porsche hat er "tolle Leute getroffen", bei Mercedes wäre der Job für viele "eine Traumstelle", doch nach sechs Monaten Surf-Urlaub an der kalifornischen Küste war dem Designer klar: "Entertainment-Design, das könnte Dein Ding sein." Ein Freund, "totaler Zufall", wies ihm die Zukunft: "Die suchen jemanden für "Batman"." Belker zeichnete acht Fahrzeuge, darunter das schwarze, mit Flügeln besetzte Batmobil, das er bei der Spezial-Firma TFX aus Fiberglas herstellen ließ. Das Batmobil wurde mit einem Chevrolet V-8 Motor angetrieben. Die Räder rollen, das Getriebe funktioniert, das Armaturenbrett ist allerdings Phantasie. Klimaanlage? Fehlanzeige.

Futuristische Studie: Modell eines von Lexus gesponserten Zukunftsautos
Belker

Futuristische Studie: Modell eines von Lexus gesponserten Zukunftsautos

Für den Kampfsport-Thriller "XXX" hat Belker ein GTO-Modell von Pontiac aus den siebziger Jahren auf eine Art James-Bond-Vehikel umgetrimmt, mit " 10.000 Überraschungen und Erfindungen", die nun den Hauptdarsteller Vin Diesel am Leben erhalten sollen. Ein "absolutes Traumprojekt" war für den Deutschen die Arbeit an Spielbergs "Minority Report": Spielberg, Hauptdarsteller Tom Cruise und viel Geld, zwei Jahre Arbeit und Unterstützung von Lexus, die das von Belker entworfene Auto mit ihrem Logo versehen und entsprechend bezahlt haben.

"Begeistert", erinnert sich Belker, waren sowohl der Regisseur wie auch sein Hauptdarsteller Cruise, als sie das "wilde Design" erstmals auf dem Set bewunderten und Belker ihnen erklärte, dass sein Zukunftsauto, elektrisch geladen, mehr als 100 Stundenkilometer schnell sein konnte: "Die waren sichtlich beeindruckt." Bei dem Cruise-Fahrzeug hatte der Designer seine Phantasie allerdings noch nicht vollends ausgeschöpft: Er konzipierte neben zwei tatsächlich fahrenden Autos noch zwei computeranimierte Gefährte, die, so Belker, "eigentlich keine herkömmlichen Fahrzeuge" mehr sind: Der Mensch von Morgen steigt in dieser futuristischen Cyber-Vision direkt aus dem Haus ins Auto um - der Wagen wird zur Verlängerung des Wohnraumes. Während das Navigationssystem steuert, kann der Passagier - wie in einem Computerspiel - die Außenwelt durch Knopfdruck verschwinden lassen und in eine andere Welt eintauchen - in die Tiefen der Südsee vielleicht. Oder er schaukelt gemächlich auf einem Kamel durch die Wüste Arabiens, während sich der Autopilot durch den enervierenden Stadtverkehr müht.

Roter Renner für Tom Cruise: Film-Auto aus "Minority Report"
Belker

Roter Renner für Tom Cruise: Film-Auto aus "Minority Report"

Harald Belker hat über diese virtuelle Fabel-Welt, die irgendwann Wirklichkeit werden könnte, bei der Konzeption seiner Hollywood-Vehikel viel nachgedacht. Die Tatsache, dass er sich in seinen Phantasien verlieren kann und obendrein dafür honoriert wird, "ist schon ein tolles Ding". Gänzlich entkommen kann der Wirklichkeit aber selbst der Zukunfts-Designer nicht: Auch er muss sich, Boxster hin oder her, immer noch ohne Cyber-Flucht durch den Verkehr der Megalopolis Los Angeles quälen. Natürlich packt ihn dann die Erinnerung an die Vergangenheit, als er sich noch den Kopf darüber zerbrach wie die S- oder M-Klasse zu modifizieren wäre. "Es gibt kein Fahrzeug, bei dem man nicht sagen würde, dieses oder jenes hätte ich anders gemacht." Nur, räumt er ein, "ich hätt's ja nicht anders hingekriegt, eben weil nicht der Designer entscheidet, sondern der Vorstand." In Hollywood freilich sieht's zumindest oft anders aus: Belker zeichnet. Belker entscheidet. Belker fährt Überschall. Ohne Stau.



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