Sächsische Dichterschule Lyriker Rainer Kirsch ist tot

Er konnte "komplizierteste Dinge in leichtester, ja anmutiger Gestalt vor unseren Geist" treten lassen - so beschrieb Autor Karl Mickel den Dichter Rainer Kirsch. Jetzt ist der unbequeme DDR-Lyriker gestorben.


Zweimal wurde er aus der SED ausgeschlossen, lange konnte er in der DDR kaum veröffentlichen - und blieb seiner Heimat doch bis zum Schluss treu. Am Freitag ist der Lyriker Rainer Kirsch, ein Vertreter der "Sächsischen Dichterschule", mit 81 Jahren in Berlin gestorben. Kirsch sei am Freitagmorgen friedlich zu Hause eingeschlafen, teilte der Verlag mit.

Zu seinen Werken gehören die Gedichtbände "Gespräch mit dem Saurier" (1965), "Auszog das Fürchten zu lernen" (1978) und "Kunst in der Mark Brandenburg" (1988). Daneben arbeitete er auch als Essayist, Übersetzer, Nachdichter und Kinderbuchautor. "Es geht darum, das Gute oder wenigstens Bessere dem Schlechten als Beispiel wirksam entgegenzustellen", schrieb er einmal.

1934 im sächsischen Döbeln geboren, war Kirsch mit seiner kunstvollen, geschliffen scharfen Sprache den SED-Oberen immer wieder ein Dorn im Auge. 1957 wurde er der Universität verwiesen und erstmals aus der SED ausgeschlossen. 1965 verweigerte man ihm das Abschlussdiplom am Leipziger Literatur-Institut.

Nach einer vorübergehenden Rehabilitierung folgte 1973 ein zweiter Parteiausschluss. Auslöser war seine ironische Faust-Variation "Heinrich Schlaghands Höllenfahrt" mit Anspielungen auf den Alltag in der DDR. Einige Werke entstanden in Zusammenarbeit mit der Lyrikerin Sarah Kirsch (1935 bis 2013), mit der er acht Jahre verheiratet war.

Nach der Wiedervereinigung setzte sich Kirsch als vorübergehender Präsident des DDR-Schriftstellerverbands für eine weitere Eigenständigkeit der Institution ein - allerdings ohne dauerhaften Erfolg.

Der Eulenspiegel Verlag widmete dem unbequemen Dichter 2004 eine vierbändige Werkausgabe. Eine zweite Sammlung mit nochmals vier Bänden soll demnächst folgen.

mik/dpa



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