Bambi-Verleihung: Methusalem-Komplott in Düsseldorf

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Zwischen Geriatrie, Glamour und Größenwahn: Johannes Heesters und Sophia Loren bekamen bei der gestrigen Bambi-Verleihung ihre x-ten Trophäen. Und Tom Cruise hielt eine irre Kampfrede über Mut und Tapferkeit.

Damit die Party läuft, muss man als Gastgeberin gelegentlich ein bisschen rabiater sein. Nicht mal Greise dürfen in solchen Momenten auf Mitleid hoffen. Patricia Riekel, Chefredakteurin der "Bunten" und Mitausrichterin der vom Verlagshaus Burda initiierten Bambi-Gala, steuerte gestern Abend gnadenlos auf Johannes Heesters zu, drückte die renitente Stimmungskanone sanft, aber bestimmt in seinen Sessel, erhob dann im schnarrenden Befehlston einer Altenpflegerin die Stimme und belegte den 103-Jährigen mit einem schrecklichen Fluch: "Ab jetzt bekommen Sie jedes Jahr einen Bambi!"



"Respekt-Bambi" heißt das Ding, das man Heesters gewidmet hat. Es ist eine sonderbare Sondertrophäe mehr für eine Veranstaltung, bei der fast sowieso nur sonderbare Sondertrophäen vergeben werden. Vom "Ehren-Bambi" bis zum "Courage-Bambi": Man denkt sich da jedes Jahr noch was Neues aus, obwohl die Ausgezeichneten stets mehr oder weniger dieselben sind.

Grundsätzlich stehen auf der Bühne bei der Gala im Ersten Maria Furtwängler, die in ihrer Doppelfunktion als Gattin des Burda-Chefs und ARD-Allzweckwaffe eine Art Hausrecht genießt, und Veronica Ferres. Da sie nicht jedes Jahr einen Preis bekommen können, halten sie zumindest Lobreden auf Kollegen und Kolleginnen, bei der sie die absolute Einmaligkeit der Gepriesenen herausstellen. Soviel geballte absolute Einmaligkeit kann auf Dauer ziemlich ermüdend sein.

Einen guten Schnitt machen

Damit der Zuschauer bei der überlangen Gala, die sich gestern in Düsseldorf auf über drei Stunden zog, nicht wegdöst, haben die Macher sich etwas Praktisches ausgedacht: Durch Schnitte zu einzelnen Prominenten im Publikum kommentieren sie die öde Festlichkeit auf der Bühne. Was man inzwischen bei jeder Fernsehübertragung dieser Art anwendet, wurde gestern aufs Wunderbarste perfektioniert.

Als zum Beispiel Ferres, berauscht von der eigenen Rezitationskunst, dem geehrten Armin Mueller-Stahl während der Laudatio ein Gedicht vortrug, zeigte die Kamera kurz Barbara Schoeneberger, die sich unter dem poetischen Erguss schmerzlich verkrampfte. Und als Hannes Jaenicke die als beste internationale TV-Darstellerin geehrte Eva Longoria von der Bühne aus anflirtete, kichert die an ihrem Tisch nur respektlos über den von ihm ultra-amerikanisch ausgesprochen Titel "Desperate Housewives". Hey, der Mann hat schon in US-Produktionen mitgespielt und wollte das auch mal zeigen!

Die kleinen Sticheleien von Harald Schmidt, der diesmal alleine durch die Show führte und das sichtlich genoss, waren da fürs Amüsement eigentlich gar nicht mehr nötig. Sehr nett allerdings war es mit anzusehen, wie er auf der Kö, Düsseldorfs Einkaufsstraße für die Reichen, aber nicht unbedingt Schönen, in der Rolle des Gigolos alten aufgebretzelten Schachteln den Hof machte und so nebenbei seine eigene Rolle im Galabetrieb auf den Punkt brachte. Wer zahlt, wird bedient, auch wenn es mal weh tut.

So viel Geriatrie war nie

Die Bambi-Gala ist inzwischen eine geriatrische Angelegenheit geworden - und das gar nicht so sehr, weil man dort Greise wie eben Heesters feiert oder wunderschöne Großmütter wie Sophia Loren, die gestern für ihr Lebenswerk die bereits neunte Burda-Trophäe mit nach Hause nahm. Es gibt einfach keine Überraschungen oder jüngeren Gesichter im hiesigen Film- und Unterhaltungsgewerbe - jedenfalls erhalten sie keine Eintrittskarten für die Veranstaltung.

Als einziger Neuzugang im selbstbezüglichen deutschen Promi-Betrieb ist erstaunlicherweise Frank Schirrmacher zu nennen, der Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Schirrmacher hat vor nicht allzu langer Zeit den Bestseller "Das Methusalem-Komplott" veröffentlicht, dessen Titel auch ganz gut auf das graumelierte und glanztoupierte Personal der Bambi-Veranstaltung gepasst hätte.

Gestern Abend nun hielt er eine wahrlich bizarre Laudatio auf den amerikanischen Schauspieler Tom Cruise, der bekanntlich gerade für die Hollywood-Produktion "Valkyrie" Claus Schenk Graf von Stauffenberg verkörpert und dafür vom Bambi-Komitee mit dem Courage-Bambi geschmückt wurde.

Gott zum Cruise!

Schirrmacher floss vor quasi-religiöser Bewunderung für den zu Kürenden dahin: In Anspielung auf Cruise' Chef-Funktion beim unlängst erworbenen United-Artists-Studio erklärte er: "Kein Titel schien so groß wie sein Name." Es folgten zehn Minuten lang weitere sakrale Gesänge auf den Mann, der, wie Schirrmacher es nannte, "Graf Stauffenberg sein Gesicht geliehen hat." Hallelujah.

Angepeitscht von so viel Ehrerbietung hielt Tom Cruise im Anschluss eine viertelstündige Rede über Tapferkeit, Mut und Leistungsbereitschaft. Er wirkte dabei wie eine Mischung aus deutschem Offizier und irrem Motivationstrainer, also in etwa so, als habe er seine Rollen in "Valkyrie" und "Magnolia" vermischt. Leider ließ er es sich nicht nehmen, seinen muskulösen Monolog mit den Worten zu schließen, die Graf von Stauffenberg vor seiner Hinrichtung gesprochen haben soll: "Es lebe das heilige Deutschland!"

Seine Gattin Katie Holmes, die den ganzen Abend sehr müde und sehr traurig ausgesehen hatte, guckte ihn bei der Rückkehr an den Tisch erschöpft an. Vielleicht dachte sie sich einfach: Schatz, du redest Müll.

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Forum - Wie war der "Bambi" 2007?
insgesamt 67 Beiträge
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    Seite 1    
1. Erster!!!
Ulrike F 30.11.2007
Zitat von sysopWie gefiel Ihnen die diesjährige "Bambi"-Verleihung?
Gut!! Hab erst um 22.15 Uhr eingeschaltet, Zeitschaltuhr an und bin auch gleich nach 10 Minuten eingeschlafen .... es gibt kein besseres Schlafmittel!
2.
Niobe, 30.11.2007
Ich mag ja Heiner Lauterbach nun mal so gar nicht. Aber mit seiner Kritik am Kleiderständer Cruise gebe ich ihm völlig Recht. Meiner Meinung nach hat Cruise die Rolle nur gespielt, weil er sich einen Oscar erhofft. Da der Trend in Hollywood ja dahin geht, Oscars an Schauspieler zu vergeben die eine "berühmte" Person gespielt haben, könnte er wohl gute Chancen auf den Oscar haben.
3. WEITERE kATEGORIE
Johannes_Paul, 30.11.2007
Zitat von sysopWie gefiel Ihnen die diesjährige "Bambi"-Verleihung?
Es gibt mittlerweile so viele Kategorien, damit jeder irgendwie geehrt werden kann. Aber ich vermisse noch die Kategorien "Nur so", natürlich national und international.
4. Eher erschrocken darüber
harlekina 30.11.2007
wie Tom Cruise es bereits geschafft hat, sich seine Anhänger um sich zu scharen. Sollte man auch Frank Schürmacher zu den SC zählen, seine Anhänglichkeit an SC hat er bereits bewiesen in all seinen öffentlichen Statements. Desgleichen einige Regisseure und Schauspieler. Ich habe mir die "Bambi" Auszeichnung nicht angetan. Wie schon im Artikel beschrieben - alles schon mehrmals da gewesen, alle schon mehrmals das Geld bekommen - alle schon öfters gesehen. Es sind echt immer die Selben - und Tom Cruise setzt der Spitze noch die Krone auf. Nein, das alles ist nicht mein Ding. Es wird allmählich zur Farce - welche Leute haben nur das Sagen,die solche Wahl treffen, fragt man sich allmählich. Wo ist Tom Cruise schon erfolgreich in dieser Mediengesellschaft ? Da kann man nur mit den Kopf schütteln. Gott sei Dank auch ein Lichtblick - der Film über Contergan und seine Wirkungen bezüglich auf und an Menschen.
5. Burda Reklamesendung
Steffen Kahnt 30.11.2007
Alle Jahre wieder, dieser Müll auf Kosten der GEZ-Zahler ! Ich schaue keine Werbung, schon garnicht für die Blättchen des Burdaverlages.
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