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Hochwasser-Fotoserie: "Die Fluten machen mich wahnsinnig"

Überflutete Häuser: Leben im Wasser Fotos
Jashim Salam

Jashim Salam fotografiert die Bewohner überfluteter Häuser in Bangladesch. Seine Bilder zeigen, wie der Mensch den Wassermassen ausgeliefert ist - und den stummen Schrecken, den die Katastrophe auslöst.

SPIEGEL ONLINE: Herr Salam, Sie fotografieren Menschen in Bangladesch, deren Häuser regelmäßig überflutet werden - unter anderem in Chittagong City, Ihrer Heimatstadt. Was sind die Ursachen dieser Überschwemmungen?

Salam: Das fing ganz langsam an, vor fünf oder sechs Jahren. Damals überflutete das Wasser zum ersten Mal in die Häuser und blieb ein paar Tage. Das hat sich jedes Jahr von Juni bis Oktober wiederholt. Der Monsun bringt in dieser Zeit viel Regen. Hinzu kommt der Klimawandel. Das Wasser steigt Jahr für Jahr höher.

SPIEGEL ONLINE: Wie können die Bewohner sich gegen die Wassermassen schützen?

Salam: Sie versuchen, ihre Häuser notdürftig zu sichern. Aber die meisten haben kein Geld und können gar nicht viel machen. Ich wohne bei meinen Eltern, auch unser Haus wird ständig überflutet. Wir stellen die elektrischen Geräte irgendwo weiter oben ab, wo das Wasser nicht an sie herankommt.

  • Mira
    Jashim Salam wurde 1978 in Chittagong City geboren und ist ein Dokumentarfotograf aus Bangladesch. Er studierte Fotografie und arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Nachrichtenagenturen. Seine Fotografien werden unter anderem in Frankreich, China, Großbritannien und den USA ausgestellt.
SPIEGEL ONLINE: Das ist doch unglaublich gefährlich.

Salam: Ja, das ist es. Ein Kind hat einmal einen elektrischen Schlag bekommen und ist gestorben.

SPIEGEL ONLINE: Was haben die Eltern unternommen?

Salam: Die Eltern sind sehr arm, die können nicht viel machen.

SP IEGEL ONLINE: Wie bitte?

Salam: Die Leute haben erfahren müssen, dass sie nicht zu ihrem Recht kommen. Sie haben viele Probleme: Sie sind arm, wohnen in Wellblechhütten und in Slums. Manche haben nicht einmal Betten, in denen sie schlafen können, die schlafen direkt auf dem Boden. Und wenn nachts die Flut kommt, dann werden sie vom Wasser geweckt. Solange es auf dem Boden ist, können sie ein paar Tage nicht schlafen.

SPIEGEL ONLINE: Wieso protestiert niemand und klagt Hilfe ein?

Salam: Die Menschen kommen nicht zu ihrem Recht, selbst wenn sie protestieren. Die Regierung hilft nicht, sie sagt, die Flut sei nicht ständig da, nur ein paar Tage. Die Politiker haben offenbar noch nicht begriffen, wie schlimm die Situation eigentlich ist.

SPIEGEL ONLINE: Das Wasser dürfte sehr verdreckt sein.

Salam: Es ist sehr dreckig, es stammt ja aus verschiedenen Gegenden, ist oft salzig. Die Leute bekommen Hautausschläge davon. Meine Familie und ich, wir sind beim letzten Mal auch krank geworden. Wir hatten schlimmen Durchfall. Die ganze Tagesroutine verändert sich. Man muss ja seine Sachen beschützen und ständig alles wieder saubermachen. Die Lage ist wirklich sehr kompliziert.

SPIEGEL ONLINE: Warum ziehen Sie nicht weg?

Salam: Ich bin in Chittagong geboren und aufgewachsen. Ich kenne diesen Ort sehr gut. Wir haben sehr große Angst vor der Zukunft. Ich denke, wir werden irgendwann das Haus verlassen und weggehen müssen. Aber wir wissen gar nicht wohin, das Wasser dringt ja immer weiter in die Städte vor. Hier werden viele Büros und Läden überflutet. Außerdem kommen immer mehr Leute in die Städte, weil sie wegen des salzigen Wassers auf dem Land nicht mehr anbauen können.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Angst, dass Gebäude einstürzen?

Salam: Das Wasser beschädigt die Häuser. Aber noch ist deswegen kein Gebäude eingestürzt. Das muss wahrscheinlich erst geschehen, damit die Leute den Ernst der Lage wirklich begreifen.

SPIEGEL ONLINE: Wie und wovon leben Sie in Bangladesch?

Salam: Ich bin freier Fotograf und kann sogar davon leben, obwohl die Aufträge in letzter Zeit zurückgegangen sind. Die Magazine und Zeitungen sind nicht mehr bereit, so viel Geld für Fotografen zu zahlen wie früher. Mittlerweile kann jeder seine Fotos im Netz hochladen. Jenseits dessen wünschte ich nur, ich könnte unser Haus besser schützen oder ein neues bauen. Aber das kostet viel Zeit und Geld. Diese Fluten machen mich einfach wahnsinnig.

Das Interview führte Kristin Haug für das Fotoportal seen.by

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insgesamt 2 Beiträge
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1. es gibt 156 mio Bangladeshi
onlinematter 24.10.2014
lt. Wikipedia. Von denen werden sich absehbar die Hälfte auf die Reise begeben. Dagegen sind die Völkerwanderu gen bei uns eine Kleinigkeit. Denkt man dann an das, was Julius Cäsar seinerzeit mit den 500.000 Helvetiern veranstaltete, weil die notgedrungen wie Heuschrecken alles auf ihrem Weg "plünderten", kann man sich gut vorstellen, was da auf uns zukommt. Zumal die Bangladeshi nicht die einzigen sind, die betroffen sind. 1/3 der Menschheit lebt an Küsten.
2. Was für ein
pig.al.gore 24.10.2014
dummer Artikel. Mit dem Monsun leben die Menschen schon seit Jahrhunderten. Es entsteht sogar jedes Jahr im Delta mehr Landfläche. Das ist mal wieder die übliche Spiegel-Propagander. Sicher gibt es Klimawandel, aber den hat es schon vor der Industriealisierung gegen und den wird es auch nach der Menschheit geben. Man kann und darf den MainStream-Medien einfach nichts mehr glauben.
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