Street-Art-Schau Banksy distanziert sich von Ausstellung in Moskau

"Was zur Hölle": Weil eine Moskauer Ausstellung seine Werke zeigt und dafür Eintritt verlangt, ist Street-Art-Künstler Banksy sauer. Es ist nicht das erste Mal.

MAXIM SHIPENKOV/ EPA-EFE/ REX/ SHUTTERSTOCK

Wer seine Kunst für alle zugänglich macht, kann gleichzeitig nie ganz kontrollieren, was mit ihr passiert - das erlebte jetzt auch Banksy: Seine Street-Art wird seit Juni in einer Moskauer Ausstellung gezeigt. Unter den ausgestellten Stücken befinden sich nicht nur Fotografien seiner Graffitis, sondern auch ein Original seiner Version der Mona Lisa sowie 25 andere Werke, die ihm zugeschrieben werden.

Von der Ausstellung wusste der Künstler aber offenbar nichts: Mittwochnacht veröffentlichte er einen iMessage-Dialog auf seinem Instagram-Account, in dem er mit den Worten "Was zur Hölle ist das?" auf ein Foto der Ausstellung reagiert. Er hoffe, dass klar sei, dass das nichts mit ihm zu tun habe. "Ich nehme kein Geld von Menschen, damit sie meine Kunst sehen können. Es sei denn, es gibt ein Riesenrad dazu", schreibt er in Anspielung auf seinen dystopischen Vergnügungspark "Dismaland", den er im Jahr 2015 betrieb.

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Banksy in Moskau: Mona Lisa, Ballonmädchen und Mäuse im Frack

Der Kontakt, der ihm in dem veröffentlichten Chatprotokoll das Foto der Ausstellung schickte, nennt einen Eintrittspreis von 20 britischen Pfund (tatsächlich sind es umgerechnet circa neun Euro). Banksy kommentiert, dass er wünschte, er könne das lustig finden. "Was ist das Gegenteil von LOL?"

Von dem Vorschlag, gegen die Veranstalter der Ausstellung vorzugehen, zeigt sich der Sprayer, der selbst regelmäßig Flächen ohne Genehmigung in verschiedenen Städten nutzt, in dem veröffentlichten Dialog jedoch nicht begeistert: "Ich bin vielleicht nicht die beste Person, um das Aufstellen von Bildern ohne Erlaubnis zu kritisieren." Der anonyme Dialogpartner beharrt dennoch darauf, dass Banksy etwas unternehmen müsse, schließlich folgt der Brite dem Rat, das Gespräch zu veröffentlichen.

Es ist nicht die erste Ausstellung, die von Banksys Werk profitiert: Der Künstler distanzierte sich vor ein paar Jahren von der Auktion der anonymen Gruppe "Stealing Banksy". Diese hatte auf Wunsch einiger Hauseigentümer, an deren Wand ein Banksy-Graffito aufgetaucht war, die entsprechenden Wandstücke versteigert.

Auch die aktuelle Banksy-Ausstellung seines ehemaligen Managers Steve Lazarides in Berlin ist nicht von dem Briten genehmigt. Die Ausstellung zeige "über 60 Originalzeichnungen, Gemälde, Skulpturen sowie bis jetzt unveröffentlichte Fotos", schreibt der Veranstalter in einer Pressemitteilung. Ein Großteil der Kunstwerke stamme aus privaten Sammlungen. Lazarides stieg durch die Kuratierung dieser Wanderausstellung zu einem gefragten Kunsthändler auf.

kko



insgesamt 7 Beiträge
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otto_wynen 16.08.2018
1. Irgendwas stimmt da nicht.
"Ich nehme kein Geld von Menschen, damit sie meine Kunst sehen können..." (Banksy) Irgendwas stimmt da nicht. Ich habe in Amsterdam im Juni für eine Banksy-Ausstellung ca. 10 oder 12 Euro bezahlt. Irgendwer verbreitet da eine Falschmeldung.
Papazaca 16.08.2018
2. Wie man sich dreht oder windet, man landet ...
im Kunstmarkt oder noch schlimmer: in der Politik. Und da ist Putin eine der besten Adressen für Kunstfreiheit, Humor und Kritik. LOL
Papazaca 16.08.2018
3. Einfach mal nachdenken...
Zitat von otto_wynen"Ich nehme kein Geld von Menschen, damit sie meine Kunst sehen können..." (Banksy) Irgendwas stimmt da nicht. Ich habe in Amsterdam im Juni für eine Banksy-Ausstellung ca. 10 oder 12 Euro bezahlt. Irgendwer verbreitet da eine Falschmeldung.
Banksy macht an irgend welchen Orten in der Welt anonym Kunst. Die wird dann verkauft und ausgestellt. Aber nicht von Banksy, sondern von den Leuten, die sich seine Kunst unter den Nagel gerissen haben. Dann wird genug für eine Ausstellung zusammen gestellt und Sie zahlen Ihren Eintritt. Das Ist jetzt aber nicht schwer zu verstehen, oder?
bucketfor99 16.08.2018
4. Amsterdam
Da war ich auch und habe im Moco Museum ebenfalls Eintritt bezahlt. Der Shop verkaufte auch diverse Lithos mit hoher Auflage zu sinnlos überhöhten Preisen. Siehe www.mocomuseum.com/Exhibition/Banksy
Knossos 16.08.2018
5.
Endlich mal einer, der zu bodenständig ist, um sich vom Glitter des Pseudokunstmarktes zum Selbstverständnis vermeintlichen Genies verleiten zu lassen, und sogar auf den Geldregen im ganzen Umfang verzichtet. Und was passiert? Vielleicht kritischer Diskurs darüber, daß in der Kunst so wie im gesellschaftlichen Paradigma, Herrschaften ihre Meinungsführerschaft soweit pervertieren, beliebigen Abfall aus linkischen Händen und tumben Geistes zur "Kunst" und Geldanlage zu stilisieren? Fehlanzeige. Statt dessen persifliert die Macht des Kunsthandels den Rebell und macht ihren irrationalen Reibach mit dessen Werken ohne ihn. Banksy machtlos gegen des Kaisers neue Kleider.
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