Banksy-Kunstwerk in Bristol Mit der Brechstange gegen die "Mobile Lovers"

Es war der jüngste offizielle Banksy, der in der englischen Stadt Bristol zu sehen war. Doch dann rückten die Inhaber eines nahe gelegenen Jugendclubs dem Kunstwerk "Mobile Lovers" zu Leibe. Mit einer Brechstange - und einem guten Riecher fürs Geschäft.


Bristol - Nur wenige Stunden in Freiheit waren dem jüngsten Banksy-Werke vergönnt. Dort, wo zuvor noch ein eng umschlungenes, in seine Handys vertieftes Paar zu sehen war, pinnte kurze Zeit später bloß noch ein Zettel: "Das neue Banksy-Werk ist in unserem Club, um es vor Vandalismus oder sonstigem Schaden zu schützen", stand da mit schwarzem Filzstift geschrieben. Und als Nachtrag: "Ihr könnt jederzeit gerne zu uns kommen, um euch das Werk anzusehen. Wir werden aber nach einer kleinen Spende fragen. Danke."

Wie unter anderem die BBC berichtet, stammt der Zettel von dem nahe gelegenen Jugendclub Broad Plain Boys Club. Demnach sind Mitarbeiter mit Brechstangen angerückt, um das Kunstwerk "Mobile Lovers" zu entfernen. Es war auf eine schwarze Holzplatte gesprüht. "Wir haben rund um die Uhr geöffnet, Tag und Nacht, so dass die Leute es gegen eine kleine Spende jederzeit sehen können", zitiert die BBC Gordon Powell, einen Mitarbeiter des Clubs.

Seiner Ansicht nach hat Banksy das Kunstwerk mit Absicht so nah an dem Jugendclub hinterlassen. "Der Club ist fast 120 Jahre alt, und wir brauchen 120.000 Pfund, um ihn zu erhalten." Die Spenden sollen da helfen.

Von den Geldnöten des Jugendclubs und dem anstehenden Jubiläum berichtet auch der britische "Telegraph". Demnach hat der Besitzer des Clubs, der 58-jährige Dennis Stinchcombe, das Kunstwerk zuerst entdeckt. "Ich habe es gesehen und war mir sofort ziemlich sicher, dass es ein Banksy ist. Aber erst als das Bild dann auch auf seiner Website erschien, wurde es hier in der Gegend verrückt." In der Vergangenheit sind Banksys Werke immer wieder beschmiert oder zerstört worden. Das wollte Stinchcombe mit der Aktion eigenen Angaben zufolge vermeiden. "Das wäre eine Schande."

Erst vor wenigen Tagen hatte Banksy in Cheltenham für Aufsehen gesorgt: Dort war an einer Hauswand ein Bild aufgetaucht, das verdächtig an den Stil des Street-Art-Künstlers erinnerte. Es zeigt mehrere Spione, die mit Abhörtechnik auf eine Telefonzelle zugehen. In Cheltenham hat der britische Geheimdienst GCHQ seine Zentrale.

aar

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insgesamt 2 Beiträge
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berney 16.04.2014
1. wow
Es gibt doch nichts erbärmlicheres, als die Arbeit fremder Leute ungefragt zu Geld zu machen. Und das auch noch unter dem Vorwand des Schutzes vor Vandalismus. Wie lächerlich. würde Banksy soetwas wollen, würde er seine Bilder direkt in der Galerie versteigern.
MScMD 17.04.2014
2. Passend
Ich bin ja immer für kreative Ideen, um soziale Projekte zu unterstützen, aber dass ausgerechnet zum 120. Geburtstag 120.000 Pfund gesammelt werden sollen, hinterlässt bei mir das Gefühl der Abzocke!
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