Barbies zum Umhängen Schmück mich, Puppe!

Körperteile zu Schmuckstücken? Nein, das ist keine neue Outfit-Idee von Lady Gaga, sondern das Erfolgsrezept der Designerin Margaux Lange. Die New Yorkerin fertigt edle und auch etwas eklige Accessoires aus dem Stoff, aus dem Mädchenträume sind: Barbie-Puppen.

David Balogh

Die meisten Mädchen trennen sich spätestens mit zwölf Jahren von ihren Barbie-Puppen. Zeit, erwachsen zu werden. Sie packen ihre Puppen in eine Kiste und verstauen sie bei den anderen Kindheitserinnerungen auf dem Dachboden oder im Keller. Nicht so Margaux Lange: Bei der 31 Jahre alten New Yorker Künstlerin sind die Barbies alles andere als Kinderkram, sondern der Rohstoff für Designerstücke, die sie international bekannt gemacht haben.

Armbänder aus Barbie-Beinen, Kettenanhänger aus Plastik-Augen oder Puppen-Hände als Ohrschmuck: Um ihre Unikate produzieren zu können, sammelt Margaux Lange in ihrer Werkstatt in Beacon gespendete, geschenkte oder auf dem Flohmarkt erworbene Exemplare der Plastik-Ikone und ihres männlichen Begleiters Ken. Dass die Puppen gebraucht sind, ist für die Künstlerin ein wichtiges Auswahl-Kriterium: "Ich mag die Vorstellung, dass die Puppen zweckentfremdet werden, nachdem sie weggeworfen wurden und dass sie etwas zur Kunst beisteuern, statt auf der Müllhalde zu landen."

Wenn die Puppen im Atelier ankommen, entkleidet und reinigt die Künstlerin sie zunächst und sortiert sie dann in Plastikboxen. Schließlich gibt es verschiedene Modelle - Barbie-Augen sind ja nicht gleich Barbie-Augen. Danach beginnt der grausame Teil der Arbeit: das Sägen und das Schneiden. Um aus den Körperteilen Schmuckstücke zu machen, zerstückelt Lange die Puppen, um die Bestandteile dann mit Kunstharzen und Sterling-Silber weiterzuverarbeiten. Heraus kommen Ohrringe, Ketten, Armbänder, Broschen und Ringe, sie kosten durchschnittlich rund 140 Euro pro Stück.

Eine Neigung zu den rosigen Figürchen hat die New Yorker Künstlerin schon seit langem: Schon in ihrer Schulzeit hat sie Barbies in Kunstprojekte eingebaut. Die Idee für den Schmuck kam nach dem Kunststudium. "Barbie-Puppen waren in meiner Kindheit extrem wichtig für die Entwicklung meiner Kreativität und Phantasie", sagt sie. "Und daran hat sich bis heute nichts geändert."

Ein Armreif aus Armen, eine Kette aus Mündern: Die Stücke von Margaux Lange sind gediegen gearbeitet und zugleich ein wenig abstoßend. "Creepy and cool" halt, wie sie in ihrem Blog "Midge's Mind" schreibt. Manchmal kommt es sogar vor, dass sich Menschen über die Grausamkeiten beschweren, die sie den blonden Püppchen in ihrer Werkstatt angedeihen lässt.

Für die Künstlerin ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie mit dem richtigen Material arbeitet: mit dem Stoff eben, aus dem Ikonen sind. "Egal ob man sie liebt oder hasst - es gibt kaum jemanden, dem die Plastik-Prinzessin gleichgültig ist."

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insgesamt 2 Beiträge
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Monark, 28.10.2010
1. ?
Die Schmuckstücke sehen echt beknackt aus, wenn ich das mal so sagen darf.
FirstFallenAngel 29.10.2010
2. ~
Ich war von den Bildern eher positiv überrascht; hatte mir die Schmuckstücke nach dem Text skurriler vorgestellt. Die Kette mit den küssenden Barbie/Ken-Gesichtern und dem 'Yes' hat es mir wirklich angetan. Die Arm-Ohrringe hingegen fand ich zu groß; die werden auch ein zu großes Gewicht haben als dass sie angenehm zu tragen wären.
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