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Weltkriegs-Heftchen: Bauer-Verlag stellt "Landser" ein

Das Wiesenthal-Center forderte kürzlich ein Verbot des Weltkriegs-Abenteuermagazins "Landser" - wegen Verherrlichung des Nationalsozialismus. Die Bauer Media Group bestritt die Vorwürfe. Doch jetzt wird das zweifelhafte Militaria-Medium beerdigt.

Die Website des "Landser": Im Einklang mit dem Gesetz - aber nicht mehr passend fürs Bauer-Portfolio. Zur Großansicht

Die Website des "Landser": Im Einklang mit dem Gesetz - aber nicht mehr passend fürs Bauer-Portfolio.

"Der Landser" wird eingestellt: Das seit 1957 erscheinende Magazin, das 14-täglich laut Eigenbekundung "Dokumentationen über hochausgezeichnete Soldaten und bedeutende militärische Ereignisse des Zweiten Weltkrieges" veröffentlicht, hat keine Zukunft mehr. Die Bauer Media Group teilte am Freitag mit, die Reihe "nicht fortzuführen".

Der Entscheidung vorausgegangen war ein offener Brief des Simon-Wiesenthal-Centers, der dem Verlag schwere Vorwürfe machte und ein Verbot der Publikation forderte - wegen Verherrlichung des Nationalsozialismus und Verharmlosung des Holocaust. "Der Landser" verharmlose etwa die Waffen-SS, hieß es von Seiten des Wiesenthal-Centers. In einer der vergangenen Ausgaben sei diese als ein Grüppchen gutmütiger Soldaten dargestellt worden, die nur ihren Job tun und von den griechischen Dorfbewohnern nach ihrem Einmarsch dankbar empfangen und zum Wein eingeladen worden waren. "Wir haben sie erobert, und trotzdem sind sie noch ein freundliches Volk", wird dort ein Mitglied der Leibgarde Hitlers zitiert.

Nachhaltiger Imageschaden

Die Bauer Media Group, die die Weltkriegsreihe 1970 vom Erich Pabel Verlag erworben und seitdem weitergeführt hatte, wies die Vorwürfe zurück und beauftragte den Strafrechtler Otmar Kury mit einem Rechtsgutachten. Diese Untersuchung liegt nun vor, wie der Verlag mitteilte: "Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass "Der Landser" im Einklang mit den in Deutschland geltenden strengen Gesetzen steht und darin weder der Nationalsozialismus verherrlicht noch verharmlost wird. Auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hatte die Publikation in der Vergangenheit wiederholt überprüft und seit über 25 Jahren nicht beanstandet", schreibt die Bauer Media Group in einer Pressemitteilung.

In der gleichen Mitteilung gibt der Verlag allerdings auch das Ende der Publikation bekannt. Man habe die Vorwürfe zum Anlass genommen, den "Landser" "hinsichtlich der Portfoliostrategie des Unternehmens zu bewerten" - will heißen: Bauer dämmerte ganz offensichtlich endlich, dass das bei Rechtsradikalen beliebte Weltkriegshelden-Heftchen dem Haus einen nachhaltigen Imageschaden zufügt. Zumal die Auflage des "Landsers", von dem in den Fünfzigern noch eine halbe Million Exemplare verkauft wurden, Schätzungen zufolge nur noch bei wenigen tausend Kopien lag.

twi

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