Architektur bis Webkunst So cool ist das Bauhaus

Das Bauhaus feiert hundertjähriges Jubiläum - und Sie haben wenig Ahnung, worum es bei der erfolgreichsten Kunstschule ging? Hier ist Ihr Einstieg zu Design-Ikonen, Architekten und Ideen der Moderne.

Wilfried Hoesl

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In Weimar, Dessau und Berlin wird von nun an gefeiert - und zwar das ganze Jahr über. Denn vor hundert Jahren wurde das Bauhaus gegründet, die erfolgreichste Kunstschule der Moderne, Begegnungsstätte von großen Talenten und exzentrischen Künstlern. Obwohl die Schule nur 14 Jahre bestand und lediglich 1250 Schüler und Schülerinnen dort lernten, ist ihr Name zum Mythos und Schlagwort geworden, und die Namen der Bauhaus-Schüler sind die ganz großen ihres Fachs.

Zunächst 1919 in Weimar gegründet, zog das Bauhaus 1925 nach Dessau, zuletzt wurde es 1932 für ein Semester nach Berlin verlegt, wo es von den Nationalsozialisten zur Auflösung gezwungen wurde. Dieser Zeitraum reichte, um zur einflussreichsten Bildungsstätte des Jahrhunderts für Kunst, Design und Architektur zu werden.

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Bauhaus-Ikonen: Kugel, Kegel, Kubus

Das Programm der Feierlichkeiten ist in diesem Jahr so umfangreich, dass es Bauhaus-Fans in ernsten Freizeitstress bringen kann. Da wäre etwa das Eröffnungsfestival an der Berliner Akademie der Künste, das sich von Mittwoch an der darstellenden Bauhaus-Kunst widmet. Landesweit zeigen Ausstellungen die verschiedensten Aspekte rund um die Kunstschule. Im April und September eröffnen drei neue Bauhaus-Museen in Weimar, Dessau und Berlin. Jedes Bundesland bietet Bauhaus-Rundreisen zu architektonischen Schlüsselwerken an.

Sie wissen nichts? Lesen Sie dies

Doch auch wenn Sie bisher noch kaum Berührungspunkte mit dem Bauhaus-Universum hatten - es war nie einfacher als in diesem Jahr, alle Wissenslücken zu schließen. Denn natürlich beschäftigen sich auch etliche neue Bücher mit dem Bauhaus. Wir stellen vier Neuerscheinungen vor, die sich auch für diejenigen eignen, die sich bislang wenig mit der Moderne beschäftigt haben.

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Gesine Bahr, Halina Kirschner:
Das ist das Bauhaus!
50 Fragen, 50 Antworten

E.A. Seemann; 192 Seiten; 19,95 Euro.

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Empfehlenswerte Einstiegslektüre ist etwa "Das ist das Bauhaus! 50 Fragen, 50 Antworten" - weil es in knappen Kapiteln einfache Fragen der Designgeschichte abhandelt: Was wollte das Bauhaus eigentlich? Warum immer Rot, Gelb und Blau? War "Bauhaus" auch ein Lebensgefühl? Warum brauchte eine Gestaltungshochschule eine Bühne? Warum waren Stahl und Glas so beliebte Materialien? Wer sich schnell einen Überblick verschaffen will, was die Bauhausideen so groß werden ließ, aber keine längeren Texte lesen möchte, wird hier auf knapp 200 Seiten von der ehemaligen Bauhaus-Mitarbeiterin Gesine Bahr textlich pointiert bedient. Allerdings verzichtet "Das ist das Bauhaus" auf Fotos von Kunst, Architektur und Design. Stattdessen illustrierte die Künstlerin Halina Kirschner - natürlich in den Bauhaus-Farben Rot, Gelb und Blau.

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Josef Straßer:
50 Bauhaus-Ikonen, die man kennen sollte

Prestel Verlag; 160 Seiten; 19,95 Euro.

Wie diese Theorie in der Praxis dann aussah, stellt ein neuer Bildband aus dem Prestel-Verlag vor: "50 Bauhaus-Ikonen" zeigt Werke der Moderne, die man kennen sollte, vom Tee-Extraktkännchen von Marianne Brandt über Wagenfeld-Tischleuchte, Breuer-Stuhl, Keler-Wiege bis zum Wandbehang von Anni Albers. Jedes Objekt wird auf zwei bis vier Seiten besprochen. Auch grafische Werke wie Plakate, Katalog-Cover und Malerei von Wassily Kandinsky, Paul Klee und Oskar Schlemmer sind mit dabei. An Gebäuden werden allerdings nur die Bauhaus-Hochschule und die Meisterhäuser von Direktor Walter Gropius sowie das Musterhaus "Haus am Horn" besprochen.

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Nadine Barth:
Jean Molitor: bau1haus - die moderne in der welt

Sprache: Englisch

Hatje Cantz Verlag; 160 Seiten; 40 Euro.

Wer sich für Bauhaus-Architektur weltweit interessiert, dem sei der Bildband "bau1haus - die Moderne in der Welt" empfohlen. Ziel des Berliner Fotografen Jean Molitor ist ein weltweites Archiv moderner Architektur. Knapp zehn Jahre reist er bereits durch die Welt und fotografiert moderne Bauwerke von Bremen bis Burundi, vornehmlich solche, die vom Bauhaus deutlich beeinflusst sind. Für seine Bauhaus-Begeisterung nimmt er in Kauf, auch mal festgenommen zu werden, sagte Fotograf Molitor im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

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Patrick Rössler, Elizabeth Otto:
Frauen am Bauhaus
Wegweisende Künstlerinnen der Moderne

Übersetzt von Birgit van der Avoort.

Knesebeck; 192 Seiten; 35 Euro.

Und weil die Geschichte des Bauhauses noch immer vor allem entlang der Namen ihrer berühmten männlichen Vertreter erzählt wird - etwa Walter Gropius, Ludwig Mies Van der Rohe , Paul Klee, Johannes Itten - sollten Bauhaus-Interessierte unbedingt noch einen Blick in das Buch "Frauen am Bauhaus. Wegweisende Künstlerinnen der Moderne" (erscheint im März) werfen. Es erzählt den künstlerischen Werdegang der 45 wichtigsten Bauhaus-Vertreterinnen. Darunter sind natürlich bekannte Größen wie die Weberin Anni Albers, Schriftstellerin Ise Gropius oder Designerin Marianne Brandt. Aber dass in den 14 Jahren seines Bestehens 462 Frauen das Bauhaus an seinen drei Standorten besuchten und immerhin ein Drittel der Schülerschaft ausmachten, wird selten erwähnt. Das Buch zeigt aber auch auf, wo das Bauhaus in Sachen Integration der Geschlechter fehlschlug - etwa in der Einrichtung einer spezieller "Frauenklasse", die sich dann bald auf Handarbeit konzentrierte.

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
Orthoklas 16.01.2019
1. Bahaus: überbewertet?
Bahaus = pure Langeweile. Habs mir u. a. mal in Dessau angeschaut: abstoßend, regelrecht ausladend. Ich hab diesen Hype nie verstanden.
marthakraft3 17.01.2019
2. Bauhaus Frauen
Warum bis März warten, um mehr über die Bauhaus-Frauen zu erfahren? Es gibt bereits das Buch "Bauhaus-Frauen" bei Ulrike Müller, das über die Geschichte des Bauhauses und sehr ausführlich über die Frauen - erwähnenswert insbesondere die Situation zwischen Walter Gropius und Lucia Moholy - berichtet. Schade, dass man davon nichts in den Artikel findet.
willijung 17.01.2019
3.
Danke für die Tipps. Ein Hinweis zum Bild 5/21: So viel ich weiß, stammt das Design des dort gezeigten (und heute noch immer hergestellten) Stahlrohrstuhls von Marcel Breuer und nicht von Mart Stam. Mart Stam wurde nach einem Rechtsstreit das künstlerische Urheberrecht zugesprochen. So wird das in einschlägigen Quellen und vom Hersteller deklariert. Stam stellte einen (Oder mehrere? Das weiß ich nicht) hinterbeinlosen Stuhl 1927 in der Weißenhof-Siedlung Stuttgart vor, die auf seine Experimente von 1925 mit Gasleitungsrohren zurückgingen. Der gezeigte Breuer-Stuhl datiert von 1929/30.
nonomette 17.01.2019
4. Die Freischwinger S32 und S64...
...wurden 1928/29 von Marcel Breuer entworfen und ab 1930 von Thonet gebaut.
leberhart 17.01.2019
5. naja
Vielleicht bin ich einfach ein Kunst-Kretin, aber bei den Fotos war jetzt nichts dabei, was ich für schön oder ästhetisch halte.
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