Bayreuth Barenboim nennt Umgang mit Festspielchefin menschenunwürdig

Bis Ende August ist Eva Wagner-Pasquier offiziell noch als Chefin der Bayreuther Festspiele im Amt. Nun gibt es Wirbel um ein angebliches Hausverbot für die 70-Jährige. Unterstützung bekommt sie von Stardirigent Daniel Barenboim.

Festspielleiterin Eva Wagner-Pasquier: Im Zentrum der Kontroverse
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Festspielleiterin Eva Wagner-Pasquier: Im Zentrum der Kontroverse


Der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim, 72, hat ein angebliches Hausverbot der Bayreuther Wagner-Festspiele für die scheidende Festivalchefin Eva Wagner-Pasquier, 70, scharf kritisiert. "Mit Erstaunen und Befremden" habe er gelesen, dass Wagner-Pasquier der Zugang zu ihrem Arbeitsplatz während der Zeit der Proben auf dem Grünen Hügel verwehrt werde. Ein Hausverbot für Wagner-Pasquier wurde von der Festivalspitze offiziell zunächst nicht bestätigt.

"Gibt es in einem freien demokratischen Land für ein solches Verfahren eine rechtliche Grundlage?", schrieb der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper in einer persönlichen Erklärung. "Ich dachte, man kann den Menschen ihre Bewegungsfreiheit nicht nehmen - außer sie wären Kriminelle. Dieser Umgang ist menschenunwürdig", erklärte Barenboim, der von 1981 bis 1999 bei den Bayreuther Festspielen dirigierte.

Hintergrund des Hickhacks ist, dass der aktuelle Dirigent Christian Thielemann das Hausverbot für Wagner-Pasquier zur Bedingung für seine Arbeit gemacht haben soll. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, Thielemanns angeblichen Wunsch hätten alle vier Gesellschafter mitgetragen. Von zweien - der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth und dem Freistaat Bayern - hieß es der Zeitung zufolge, die Causa Wagner-Pasquiers habe nichts mit irgendwelchen Forderungen Thielemanns zu tun.

Wagner-Pasquiers Anwalt Peter Raue teilte nun allerdings mit, er habe ein Schreiben erhalten, wonach Wagner-Pasquier in Vertragsfragen und beim Casting kein Mitspracherecht mehr haben solle. Zudem solle die 70-Jährige vom 1. Juni bis zum 20. Juli nicht auf dem Grünen Hügel anwesend sein. Es gebe seinen Recherchen zufolge allerdings keinen derartigen Beschluss der Gesellschafterversammlung.

Georg von Waldenfels, Chef der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung. Er sagte dazu nur: "Keiner wird am Hügel stehen und zu Frau Wagner-Pasquier sagen, sie habe hier nichts zu suchen." Weitere Angaben machte er nicht.

Die Festspiele beginnen am 25. Juli mit "Tristan und Isolde" in einer Inszenierung von Festspielchefin Katharina Wagner. Wenn ihre Halbschwester Wagner-Pasquier im September ausscheidet, wird die 37-Jährige alleinige Hügelchefin sein.

ulz/dpa



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