Bayreuther Festspiele Wolfgang Wagner ist tot

Der langjährige Leiter der Bayreuther Festspiele Wolfgang Wagner ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 90 Jahren. Mehr als 40 Jahre hatte er die Geschicke auf dem Grünen Hügel bestimmt.

Wolfgang Wagner, Tochter Katharina bei den Festspielen 2008
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Wolfgang Wagner, Tochter Katharina bei den Festspielen 2008


Bayreuth - Der langjährige Leiter der Bayreuther Festspiele Wolfgang Wagner ist tot. Er starb in Bayreuth, wie die Festspiele in der Nacht auf Montag auf ihrer Internetseite mitteilten. "Die Bayreuther Festspiele trauern um ihren langjährigen Festspielleiter." Sein ganzes Leben habe Wagner dem Erbe seines berühmten Großvaters gewidmet. Wagner sei friedlich eingeschlafen, sagte der Sprecher der Festspiele.

Der Enkel von Richard Wagner leitete seit 1951 zusammen mit seinem Bruder Wieland die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder begründeten Bayreuther Festspiele. Als er 1966 nach dem überraschenden Tod seines künstlerisch hochgeschätzten Bruders Wieland die Alleinherrschaft in Bayreuth übernahm, konnte Wolfgang Wagner zwar als Regisseur keine Maßstäbe setzen, wusste aber sehr wohl, wie zukunftsweisende Inszenierungen auszusehen hatten.

Und wer sie schaffen konnte: Patrice Chéreaus später als "Jahrhundertwerk" apostrophierter "Ring des Nibelungen" (1976) fiel ebenso unter seine Ägide wie denkwürdige Inszenierungen von Götz Friedrich ("Tannhäuser", 1972), Heiner Müller ("Tristan und Isolde", 1993) und vor allem der auch heute noch (auf DVD) eindrucksvolle "Ring" von Harry Kupfer (1988) mit seiner epochalen Laserlicht-Technologie.

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Bayreuth: Wagners Erben

Selbst wenn Brachial-Experimente wie Christoph Schlingensiefs in ihrer Bilderfülle leicht beliebige "Parsifal"-Inszenierung im Jahre 2004 kein Publikumserfolg wurden, so bewies Wolfgang Wagner mit der Wahl seiner Regisseure in den seinen letzten Jahren in Bayreuth erstaunlichen Wagemut.

Auf dem Grünen Hügel hielt er mehr als 40 Jahre die Fäden fest in der Hand. Geplagt von Altersstarrsinn, besoffen von der eigenen Macht - so sah die Öffentlichkeit zuletzt den Festspielleiter Wolfgang Wagner. Der alte Mann wollte bis 2008 nicht abdanken, die Regie nicht abgeben. Er trat erst 2008 nach längeren Auseinandersetzungen über seine Nachfolge zurück. Seither haben seine Töchter Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner aus zwei verschiedenen Ehen die Leitung der Festspiele übernommen.

Dem SPIEGEL sagte Wagner einst in einem Interview: "Ich stehe weiter mit beiden Beinen auf dem Boden. Aber es gibt eben auch Medien, die sich aus Prinzip gegen mich stellen, da kann ich machen, was ich will: Einmal bin ich der Reaktionär, dann der Revolutionär. Was die so schreiben, juckt mich nicht mehr, frei nach dem ironischen Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich''s weiter ungeniert."

jul/dpa/Reuters



insgesamt 2 Beiträge
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Ylex 22.03.2010
1. Friede...
seiner Asche.
sam clemens, 22.03.2010
2. Einer ...
... der beiden Threads ist sicher überflüssig. Das Thema ist zwar schon vielfach bearbeitet worden - aber Stoff für einen großen Text ist nach wie vor vorhanden. Hoffentlich bekommen wir das bald zu lesen.
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