Hamburg/New York - Vom renommiertesten Fernsehsender der Welt zum renommiertesten Zeitungshaus: Der scheidende Generaldirektor der BBC, Mark Thompson, führt künftig die Geschäfte der "New York Times". Wie die New York Times Company mitteilte, werde der 55-Jährige auch Mitglied des obersten Firmengremiums, des Verwaltungsrats.
"Mark ist ein begnadeter Manager", erklärte der Verleger und Verwaltungsratsvorsitzende Arthur Sulzberger, der das Unternehmen schon gut ein halbes Jahr kommissarisch lenkt. Thompson habe geholfen, die vertraute Marke BBC auf digitale Produkte auszuweiten. "Das macht ihn zu einem idealen Kandidaten, um die 'Times' in diesen Zeiten zu führen, in denen wir unser Augenmerk darauf richten, unser Geschäft durch digitale und globale Expansion auszubauen." Ende Juni hatte die "Times" eine Website in China gestartet.
Die bisherige Firmenchefin Janet Robinson war bereits Ende vergangenen Jahres gegangen. Die 61-jährige war fast drei Jahrzehnte bei der "Times" gewesen, seit 2004 hatte sie an der Spitze des börsennotierten Unternehmen gestanden. Unter Robinsons Führung hatte die Zeitung in den vergangenen Jahren konsequent das Internet-Angebot ausgebaut und eine Online-Bezahlschranke ein geführt. Zugleich hinterließen auch die Krise der amerikanischen Zeitungsbranche und die Finanzmarkt-Turbulenzen ihre Spuren.
Robinson-Nachfolger Thompson werde seinen neuen Posten vermutlich im November antreten, hieß es. Der 55-Jährige hatte vor einigen Monaten erklärt, dass er nach dem Thronjubiläum und den Olympischen Spielen bei der BBC aufhören wolle. In seine achtjährige Amtszeit bei der Rundfunkanstalt fielen aber nicht nur die digitale Neuaufstellung und zahlreiche Großereignisse. Thompson setzte auch harte Kosteneinsparungen durch.
Ein Fingerzeig auch für die "New York Times": Sie muss sich ebenfalls den Umwälzungen der digitalen Welt stellen. Die Werbeeinnahmen sind zurückgegangen, dafür stieg die Zahl der Online-Abos zur Jahresmitte auf 532.000. Zehn Artikel pro Monat lassen sich im Netz frei lesen, ab dann fällt die Bezahlschranke. Die Branche schaut gespannt zu, wie das Einnahme-Experiment ausgehen wird.
Ein anderes Projekt des Verlages hat sich bereits als erfolglos erwiesen: Wegen einer massiven Abschreibung auf das Informationsportal About.com fiel im zweiten Quartal ein Verlust von 88 Millionen Dollar an. Die Tochter soll nun verkauft werden.
cbu/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
| alles zum Thema New York Times | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH