Beleidigte TV-Zuschauer Gottschalk und Netzer für Schmäh-Preis nominiert

Was haben Günter Netzer, Thomas Gottschalk, Angela Merkel und der Möchtegernsender 9Live gemein? Sie alle sind für den "Preis der beleidigten Zuschauer" nominiert - eine unrühmliche Auszeichnung für besonders haarsträubende TV-Auftritte.


Köln - Diese Trophäe ist wahrlich keine Ehre: Der "Preis der beleidigten Zuschauer" zeichnet Fehlleistungen im deutschen TV-Dschungel aus. Zwölf Kandidaten sind nun nominiert, die der Kölner Verleger Augustus Hofmann, Ausrichter des Preises, am Montag bekanntgab. Ausgewählt wurden die TV-Pfeifen von einer elfköpfigen Jury aus rund 13.500 Vorschlägen.

Mit dabei und auf der Nominierungsliste an erster Stelle: der ARD-Sportguru Günter Netzer. Er ist für seinen Kommentar nach dem EM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal nominiert. Vor laufender Kamera bescheinigte er der Löw-Elf, mit ihrem beherzten Auftreten verbreite sie "Angst und Schrecken".

Kanzlerin Angela Merkel steht auf der Liste, weil sie in ihrer TV-Neujahrsansprache mit keiner Silbe ihren Mann erwähnt hatte. Sie hätte doch auch "im Namen ihres Mannes" den Bürgern ein frohes, neues Jahr wünschen können, bemängelte die Jury.

Thomas Gottschalk gehört zum Anwärterkreis, weil er in einer Ausgabe seiner ZDF-Show "Wetten, dass..?" nicht nur wie gewohnt uncharmant sondern außerordentlich uncharmant war. Zusammen mit Paris Hilton suchte er eine Kandidatin für eine Aufnahme in einer Fotokabine. Beim Gang durchs Publikum sagte Gottschalk, wer zur werberelevanten Zielgruppe der 14 bis 49 Jahre alten Zuschauer gehöre, solle aufstehen: "Der Rest kann eigentlich gehen."

Der Sender 9live gehört zu den Kandidaten, weil eine Anruferin rein theoretisch am 1. Juni 2008 den Jackpot hätte knacken können. Ihr Geburtstag musste mit dem Datum übereinstimmen, das auf einem Abreißkalender gezeigt wurde. Ihr Pech: Beim Kalenderdatum handelte es sich um den nicht existenten 31. Juni.

Des weiteren sind nominiert: Das ZDF, weil ein gerade begonnenes Interview mit Fußballer Philipp Lahm wegen Werbung unterbrochen wurde. ARD-Moderator Jörg Pilawa, weil er in einem Interview sagte: "Wenn ich heute in eine tägliche Talkshow schaue, sehe ich ins Zahnlose. Da sitzen nur noch die Schlampen und Sozialschmarotzer."

Ebenfalls nominiert: ProSieben Moderatorin Juliane Ziegler, "Zimmer frei"-Außenreporter Manes Meckenstock, ProSieben-Entertainer Elton, ARD-Spaßmacher Oliver Pocher, RTL-Komiker Mario Barth und ZDF-Mitarbeiterin Ute Charissé.

Der Preis wird am 6. Oktober in Erfurt zum 19. Mal verliehen. Die Zuschauer können von Mittwoch, 27. August, bis Freitag, 3. Oktober, im Internet auf der Seite des Veranstalters ihre Stimme abgeben.

chc/ddp/dpa



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