Berliner Ensemble Ex-Terrorist Klar sagt Praktikum ab

Ist nix mit schneller Resozialisierung. Christian Klar wird erst einmal nicht Teil der arbeitenden Bevölkerung. Der Ex-Terrorist sagte sein Praktikum als Bühnentechniker am Berliner Ensemble ab - wegen des drohenden Medienrummels.


Berlin/Hamburg - Der aus der Haft entlassene Ex-Terrorist Christian Klar macht nun doch kein Praktikum als Bühnentechniker beim Berliner Ensemble. Das teilte das Theater am Schiffbauerdamm am Freitag mit. "Christian Klar wird die ihm 2004 angebotene Möglichkeit, nach seiner Haftentlassung als unbezahlter Praktikant am Berliner Ensemble zu arbeiten, nicht wahrnehmen."

Ex-Terrorist Klar: Verhinderter Praktikant
AP

Ex-Terrorist Klar: Verhinderter Praktikant

Zur Begründung hieß es, Klar befürchte wegen der "sensationslüsternen Berichterstattung" einiger Medien und der "anhaltenden Belagerung des BE durch Paparazzi" Schaden für das Theater, dessen Intendanten Claus Peymann und sich selbst.

"Das angestrebte Leben in Normalität nach 26-jähriger Haft scheint unter diesen Umständen nicht möglich", hieß es weiter. "Die in Lessings Theaterstück 'Nathan der Weise' postulierte Idee von Vergebung und Verzeihen bleibt offenbar ein Traum."

Das Berliner Boulevardblatt "B.Z." hatte am Freitag auf der Titelseite ein Foto veröffentlicht, das Klar vor dem Theater zeigt. Der 56-Jährige war im Dezember nach rund 26 Jahren Haft aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bruchsal entlassen worden. Tatsächlich hatten seine Pläne, am Berliner Ensemble ein Praktikum zu absolvieren, bereits zuvor für heftige Diskussionen gesorgt, die nach seiner Entlassung noch an Schärfe zunahmen.

"Ich habe den Eindruck, dass da sehr viel Eigeninszenierung im Spiel ist", meinte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) schon im Dezember.

Unmittelbar nach der Haftentlassung hatte sich auch Dirk Meinert, der Betriebsratsvorsitzende des Theaters, sehr dezidiert zu Klar geäußert. In einem Gespräch mit dem Berliner Stadtmagazin "Zitty" sagte er, es gehe nicht darum, dass Klar am Berliner Ensemble "eine politische Plattform erhält", sondern "einen Job in der Bühnentechnik". Und man habe ihm deutlich gesagt, "er soll die Fresse halten".

Senatssprecher Richard Meng begrüßte nun die Absage als "vernünftig", der Berliner CDU- Chef Frank Henkel stichelte: "Wir haben stets gesagt, dass das Berliner Ensemble keine Besserungsanstalt für Terroristen ist."

Klar gilt heute nach Überzeugung von Gutachtern und Bundesanwaltschaft nicht mehr als gefährlich, stand aber in der Kritik, weil er seine Taten nicht öffentlich bereute. Klar saß seit 1985 - und damit länger als jedes andere RAF-Mitglied - wegen neunfachen Mordes im Gefängnis. 1992 kam eine weitere Verurteilung hinzu. Bundespräsident Horst Köhler lehnte 2007 ein Gnadengesuch ab.

tdo/AP/ddp/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.