Mietvertrag gekündigt: Konflikt zwischen Hochhuth und Berliner Ensemble verschärft sich

Rolf Hochhuth vor dem BE (hier 2009): "Vertragsgemäße Pflicht" Zur Großansicht
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Rolf Hochhuth vor dem BE (hier 2009): "Vertragsgemäße Pflicht"

Das Berliner Ensemble ist international bekannt - in die Schlagzeilen aber kam das von Claus Peymann geführte Haus zuletzt hauptsächlich wegen eines bizarren Streits mit dem Dramatiker Rolf Hochhuth. Nun hat der den Mietvertrag gekündigt.

Hamburg/Berlin - Der Streit zwischen dem Schriftsteller Rolf Hochhuth ("Der Stellvertreter") und dem Berliner Ensemble (BE) geht in eine neue Runde. Nach der Kündigung des Mietvertrags für das Theater am Schiffbauerdamm durch Hochhuth wies das von Claus Peymann geführte Ensemble die Vorwürfe des Dramatikers zurück. Hochhuth habe keinen Anspruch darauf, dass das Ensemble seine Stücke aufführe, erklärte BE-Rechtsanwalt Peter Raue am Montag.

Hochhuth, dem über die nach seiner Mutter benannte Ilse-Holzapfel-Stiftung der Theaterbau gehört, hatte den Vertrag mit dem Land Berlin gekündigt. Der Autor und Peymann hatten sich in der Vergangenheit immer wieder wegen der vertraglich festgeschriebenen Nutzung des Theaters gestritten. Ein Sprecher der Kulturverwaltung sagte, das Land wolle die Kündigung prüfen. Man gehe davon aus, dass sich das Land an den Mietvertrag gehalten habe.

Demnach soll jedes Jahr vom 16. bis zum 18. Oktober an drei Abenden Hochhuths Drama "Der Stellvertreter" am Schiffbauerdamm gespielt werden. Diese "vertragsgemäße Pflicht" sei nie eingehalten worden, heißt es in dem Kündigungsschreiben. Dagegen erklärte BE-Anwalt Raue, Hochhuth habe nie ein Angebot für eine "Stellvertreter"-Inszenierung vorgelegt. Ohne rechtliche Verpflichtung habe Peymann jedoch das Stück am BE herausgebracht. "Eine Wiederaufnahme scheidet mangels Besucherinteresse aus", heißt es in dem Anwaltsschreiben.

Auch die Forderung Hochhuths nach einer Inszenierung seines Stücks "Sommer 14" durch Peymann läuft nach Darstellung des BE ins Leere. "Diese Forderung hat Claus Peymann aus künstlerischen Gründen stets zurückgewiesen." Hochhuth hatte bereits einmal den Mietvertrag gekündigt, war aber damit vor dem Berliner Landgericht gescheitert.

Hochhuths "Stellvertreter" aus dem Jahr 1963 war eines der meistbeachteten Theaterstücke der westdeutschen Nachkriegszeit. Es geht darin um die Deportation der Juden aus Rom und die Rolle von Papst Pius XII.

sha/dpa

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