Berliner Theatertreffen 2013: Zwischen Klassik und Moderne

Brecht, Fallada, Hauptmann: Beim 50. Jubiläum des Theatertreffens regieren die klassischen Autorennamen. Insgesamt zehn Stücke sollen bei dem wichtigsten deutschen Bühnentreffen einen Überblick über das deutschsprachige Theater geben - darunter auch das neue von Elfriede Jelinek.

"Orpheus steigt herab": Ausgewählte Inszenierung von Sebastian Nübling Zur Großansicht
Julian Röder

"Orpheus steigt herab": Ausgewählte Inszenierung von Sebastian Nübling

Hamburg/Berlin - Rassismus und Intoleranz, Reichtum und Konsumwut: Auch zu seinem Jubiläum werden beim Theatertreffen wieder soziale Themen behandelt. Aus insgesamt 420 deutschsprachigen Inszenierungen wählte die Jury zehn aus.

Geehrt darf sich Johan Simons fühlen, der neue Intendant der Münchner Kammerspiele - gleich zwei Stücke aus seinem Haus sind vertreten. In "Orpheus steigt herab" von Tennessee Williams widmet sich Regisseur Sebastian Nübling dem vermeintlichen Idyll einer Kleinstadt in den amerikanischen Südstaaten und beleuchtet Rassismus, Neid und Intoleranz. "In vielen seiner Stücke interessiert sich Tennessee Williams auffällig für soziale Strukturen", so Nübling über das selten gespielte Stück. In seiner dicht an Williams angelehnten Inszenierung geht es Nübling vor allem um die Frage nach dem sozialen Zusammenleben.

Auch "Die Straße. Die Stadt. Der Überfall.", ein Stück, das Elfriede Jelinek dem Intendanten Simons zum Geschenk machte, befasst sich mit einem gesellschaftlichen Thema. Es geht um Mode, Reichtum und Kaufrausch in der Maximilianstraße - der teuersten Einkaufszone Münchens. "Wir haben nur ein Gesetz, und das Gesetz heißt Orgie", heißt es in dem Theaterstück, dass Jelinek zum 100. Geburtstag der Münchner Kammerspiele geschrieben hat.

Ebenfalls eingeladen wurden:

  • "Disabled Theater" von Jérôme Bel, das am 23. August 2012 in Essen seine deutsche Erstaufführung hatte,
  • "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" von Bertolt Brecht aus dem Schauspielhaus Zürich, das am 29. September 2012 Premiere feierte (Regie: Sebastian Baumgarten),
  • "Jeder stirbt für sich allein" nach Hans Fallada, das am 13. Oktober 2012 Premiere im Hamburger Thalia Theater hatte (Regie: Luk Perceval),
  • "Krieg und Frieden" nach Lew Tolstoi aus dem Schauspiel Leipzig, das am 10. Mai 2012 Premiere feierte (Regie: Sebastian Hartmann),
  • "Medea" von Euripides, das zum ersten Mal am 14. April 2012 im Schauspiel Frankfurt gezeigt wurde (Regie: Michael Thalheimer),
  • "Murmel Murmel" nach Dieter Roth, das seine deutsche Erstaufführung am 28. März in der Berliner Volksbühne 2012 feierte (Regie: Herbert Fritsch),
  • "Die Ratten" von Gerhart Hauptmann, das im Schauspiel Köln am 20. Oktober Premiere hatte (Regie: Karin Henkel),
  • "Reise durch die Nacht" von Friederike Mayröcker, ebenfalls aus dem Schauspiel Köln, das am 13. Oktober 2012 uraufgeführt wurde (Regie: Katie Mitchell).

Das Festival soll die Vitalität und Vielgestaltigkeit der deutschsprachigen Bühnenlandschaft widerspiegeln. Wobei bemerkenswert sei, so Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Theatertreffens, dass es bei der Auswahl eine Rückbesinnung auf große Stoffe und Geschichten, auf Klassiker und Klassiker der Moderne gegeben habe. Eröffnet wird die Theaterschau am 3. Mai im Haus der Berliner Festspiele.

jud

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