Berliner Museumsinsel Alte Nationalgalerie neu eröffnet

Die Alte Nationalgalerie ist als erster sanierter Bau der weltberühmten Berliner Museumsinsel in alter Pracht wiedereröffnet worden. Nach dreijähriger Verschönerungskur vereint das 1876 eingeweihte Museum wieder eine der bedeutendsten europäischen Sammlungen der Kunst des 19. Jahrhunderts.


Berlin - Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) bekräftigte bei dem Festakt die Verantwortung des Bundes für den zwei Milliarden Mark teuren Wiederaufbau der Museumsinsel, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Die Bundesrepublik Deutschland werde sich weiterhin für diesen zentralen Ort der Kunst und der Kultur in der Mitte Berlins, aber auch Deutschlands und Europas engagieren. Die für 140 Millionen Mark restaurierte Nationalgalerie ist das erste Haus, das im Zuge der auf zehn Jahren angelegten Sanierung der Museumsinsel der Öffentlichkeit übergeben wurde.

Die Alte Nationalgalerie wurde am Sonntag feierlich wiedereröffnet
DPA

Die Alte Nationalgalerie wurde am Sonntag feierlich wiedereröffnet

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte, die Hauptstadt sei nicht mehr in der Lage, die unverhältnismäßig große Bürde bei der Baufinanzierung mit zu tragen. Berlin sei eine arme Stadt mit einer reichen Geschichte. Hier müsse der Bund nun seine Verantwortung wahrnehmen.

Auf weniger als einem Quadratkilometer sei auf der Spreeinsel zwischen 1830 und 1930 eine "Tempelstadt der Künste" entstanden, die mit ihren fünf Museen 6000 Jahre Menschheitsgeschichte präsentiert, sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann.

In der Alten Nationalgalerie, nach Plänen des Schinkel-Schülers Friedrich August Stüler bereits 1865 gebaut, sind nach der Renovierung durch das Stuttgarter Architekturbüro HG Merz nun mehr als 500 Gemälde und Skulpturen deutscher, französischer und anderer europäischer Künstler ausgestellt.

Viele Werke waren nach dem Krieg auf mehrere Berliner Museen in Ost und West verteilt worden und sind nach einem halben Jahrhundert wieder zusammen zu sehen. Mit der Renovierung des im Stil eines griechischen Tempels entworfenen Hauses wurde zugleich das dritte Obergeschoss als zusätzliche Ausstellungsfläche ausgebaut.

Zu den Prachtstücken unter den 440 Gemälden und 80 Skulpturen zählen die in der römischen Mäzenen-Villa Casa Bartholdy entstandenen Nazarener-Wandbilder, Adolph Menzels "Flötenkonzert", Caspar David Friedrichs "Mondaufgang am Meer", Arnold Böcklins "Toteninsel" und Max Liebermanns sozialkritisches Bild "Flachsscheuer".

Zur Sammlung gehören aber auch die vom früheren Museumsdirektor Hugo von Tschudi gegen den Widerstand des Kaisers seit 1897 erworbenen Bilder französischer Impressionisten, darunter Edouard Manets berühmtes Gemälde "Wintergarten" sowie Werke von Cezanne, Monet und Rodin.

Nirgendwo sei deutsche Geschichte so sehr auch Museumsgeschichte wie in der Nationalgalerie, sagte der Generaldirektor der Staatlichen Museen in Berlin, Peter-Klaus Schuster. Die Einheit der deutschen Nation, zunächst nur durch gemeinsame Sprache und Kunst beschworen, habe in der Berliner Nationalgalerie erstmals Gestalt angenommen. Nach dem Mauerfall sei das Museum dann zu einer "Werkstatt der Einheit" geworden.

Die Nationalgalerie Haus ist ab Dienstag für das Publikum zugänglich und kann über den ganzen Monat Dezember kostenlos besucht werden.



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