Berliner Söhne (III) Ameisenmenschen, schöne Frauen und Sklavenhändler

Wie der Vater, so der Sohn: Regisseur und Journalist Will Tremper hatte einen Hang zu B-Movies und finanzielle Engpässe. Seinem Sohn Tim ergeht es nicht anders.

Von Harriet Dreier


Tim Tremper: "Beim Film kommt man immer weiter"
SPIEGEL ONLINE

Tim Tremper: "Beim Film kommt man immer weiter"

"In Deutschland gehen die Leute wegen der Geschichten ins Kino, nicht wegen der großen Namen", sagt Tim Tremper, Sohn des Filmregisseurs und Journalisten Will Tremper. Sein Vater, der 1998 im Alter von 70 Jahren starb, konnte Geschichten erzählen - wie in seinem Film "Endstation Liebe", in dem sich während einer Nacht auf dem Flughafen Tempelhof die Schicksale verschiedenster Menschen kreuzen.

Als 1960 noch Edgar-Wallace-Filme und Karl-May-Abenteuer über die Leinwand flimmerten, drehte Will Tremper mit "Flucht nach Berlin" den ersten Fluchtfilm und brach damit ein deutsches Tabu. Tremper, der als Polizeireporter beim "Tagesspiegel" arbeitete, Filmkritiker bei der "Welt am Sonntag" war, für "Die Zeit" und auch für Boulevard-Blätter schrieb, blieb immer Journalist - auch in seiner Arbeit als Filmemacher. Die Stoffe für seine Geschichten entnahm er Begegnungen mit Prominenten oder einfach den Schlagzeilen der Regenbogenpresse, wie bei dem Film "Die Halbstarken", für den er das Drehbuch schrieb.

Als Tremper in den späten 50er Jahren zum Kino kam, war es schwer, Geld für Kinoproduktionen aufzutreiben, die Filmindustrie war bankrott. Auch Will Trempers bekanntester Film "Playgirl" mit Eva Renzi und Paul Hubschmid durfte nur wenig Geld kosten. Die Geschichte enthielt alle Zutaten für ein B-Movie: ein hübsches Mädchen, um das sich die Männer scharen, Bösewichte und Helden - der Rest war Spontaneität.

Wie sein Vater dreht auch Tim Tremper B-Movies. In Babelsberg produziert der 33-Jährige, ein Berlin-Fan wie sein Vater, gerade eine Fantasy-Reihe. "Planet B", so der Arbeitstitel des Vierteilers, handelt von Ameisenmenschen, schönen Frauen und Sklavenhändlern. Und es gibt noch eine Parallele: Das Budget, das Tim Tremper zur Verfügung steht, ist begrenzt. Mehr als 750 Mark Tagesgage gibt es für die Schauspieler nicht - auch nicht für Fred Kogels Freundin Yasmina Filali ("Die Rote Meile") oder Götz Otto ("James Bond - The World is not Enough"). Gerade hat Tim Ex-Porno-Star Gina Wild für eine Rolle als Nonne verpflichtet. "Wir machen Filme kostengünstig, aber nicht billig. Die Schauspieler bekommen hier die Chance, jemand anderes darzustellen als sonst - so wie Götz Otto, der sonst immer nur der Bösewicht ist", erzählt der 33-Jährige.

Die Affinität zum Film hat Will seinem Sohn Tim vor dem Fernseher beigebracht. "Er hat mich auf Anschlussfehler hingewiesen, zum Beispiel, wenn die Zigarette der Darsteller nach einem Schnitt plötzlich nur noch halb so lang war. Von Filmhochschulen oder Kursen für Drehbuchschreiben hat er nicht viel gehalten," erzählt Tim. So hat Tremper junior auch nie einen Sinn darin gesehen, eine Ausbildung zu machen. Tim wollte Journalist werden oder zum Film, "denn da kommt man immer irgendwie weiter". Vater Tremper lehnte Vetternwirtschaft ab und verhalf seinem Nachwuchs nur ein einziges Mal zu einem Job beim Film. Aber nicht etwa als Regieassistent, sondern als Kaffeeträger am Set. So kam auch der Sohn zum Film, sprang hier und da bei einem Dreh ein, arbeitete als Lektor, und schreibt bis heute auch selbst Drehbücher.

Will Tremper hängte seine Filmkarriere Ende der sechziger Jahre an den Nagel. Frustriert vom neuen Förderungswesen kehrte er in seinen alten Beruf als Journalist zurück. Unverblümt wetterte der streitbare Schreiber gegen die Filmbranche. Als er Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" verriss, warfen ihm Kritiker sogar "antisemitische Tendenzen" vor. Tim Tremper erzählt: "Für meinen Vater war es damals die richtige Entscheidung, die Regie aufzugeben. Er hätte sich nie hingesetzt und Anträge für Filmförderung ausgefüllt." Journalist will Tremper jedenfalls nicht werden. Der ständige Vergleich mit seinem Vater hat ihn schon bei seinen ersten Schreibversuchen gestört. "Im Gegensatz zu meinem Vater bin ich kein begnadeter Journalist und habe kein zweites Standbein. Ich muss von dem leben, was die Filme bringen."



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