"Berliner Zeitung": Redaktion wehrt sich gegen Fusionspläne

Aufbegehren gegen den "journalistischen Einheitsbrei": Die Redaktion der "Berliner Zeitung" wehrt sich mit einem offenen Brief an DuMont Schauberg gegen die Pläne des Verlags, Kernressorts für das Hauptstadtblatt und die "Frankfurter Rundschau" künftig zusammenzulegen.

Berlin - Die geplante Fusion verschiedener Ressorts von "Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau" ("FR") sorgt bei dem Hauptstadtblatt für Entsetzen und Unverständnis. Die Redaktion der "Berliner Zeitung" reagierte am Montag mit einem Offenen Brief an das Kölner Verlagshaus M. DuMont Schauberg (MDS) auf die Pläne. Das Vertrauen in Zusagen des neuen Eigentümers sei erschüttert, hieß es in dem Schreiben.

Bei der Übernahme des Berliner Verlags im Frühjahr habe MDS zugesagt, die "Berliner Zeitung" zu entwickeln und die Redaktion an diesem Prozess zu beteiligen: "Unser Vertrauen in diese Zusage ist erschüttert", schrieben die Redakteure. Die Pläne führten zu "journalistischem Einheitsbrei", seien "willkürlich" und bedrohten die "Unverwechselbarkeit" und die "Seele" der Blätter.

Am Freitag war bekannt geworden, dass aus Frankfurt am Main künftig die Wissenschaft und aus Berlin die Medienthemen für beide Blätter geliefert werden sollen. Zudem ist geplant, die Wirtschaft schwerpunktmäßig von der "FR" behandeln zu lassen. In Berlin ist ein Politikpool angedacht, der die Bereiche Bundespolitik und Wirtschaftspolitik für mehrere DuMont-Zeitungen abdecken soll.

"Eine Umsetzung der Pläne würde die Redaktion im Kern treffen, die Substanz der führenden Hauptstadtzeitung gefährden und die Marke 'Berliner Zeitung' mit ihrer engen Leser-Blatt-Bindung beschädigen", schrieb die Redaktion im ihrem am Montag auf einer Versammlung erarbeiteten Brief. Die Pläne widersprächen zudem dem von MDS anerkannten Redaktionsstatut. "Dieses legt fest, dass die 'Berliner Zeitung' eine 'Autorenzeitung mit Vollredaktion' ist, die eigene überregionale und regionale Ressorts umfasst."

Aus Redaktionskreisen wird nun eine Reaktion des Kölner Verlags erwartet. Die Stellungnahme der Redaktion sei sehr deutlich ausgefallen. Die Redakteure hätten auf die Ankündigungen entsetzt reagiert. Aus der Frankfurter Redaktion waren am Montag noch keine Proteste zu hören. Anders als ihre Berliner Kollegen haben die "FR-"Mitarbeiter keinen Redaktionsausschuss.

Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte die geplanten Strukturen. Die Zusammenlegung von Ressorts gefährde die Medienvielfalt und redaktionelle Arbeitsplätze, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. Einheitliche Berichte und Artikel in verschiedenen Tageszeitungen ließen sowohl regionale Besonderheiten als auch unterschiedliche Leserzielgruppen unbeachtet.

Über eine engere Verzahnung der MDS-Blätter nach dem Kauf des Berliner Verlags wird schon seit Ende des vergangenen Jahres diskutiert. Zwischenzeitlich war spekuliert worden, "Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau" könnten von einem Chefredakteur geführt werden, ehe Uwe Vorkötter von der "FR" nach Berlin zurückkehrte.

In einem Interview mit der "Financial Times Deutschland" hatte Verleger Konstantin Neven DuMont im Juli angekündigt, dass bei den Blättern des Verlags "alles auf den Prüfstand" komme. Dabei schloss er auch einen Stellenabbau nicht aus: "Wir gehen schon davon aus, dass da Anpassungen kommen werden."

MDS hatte den Berliner Verlag im März für rund 150 Millionen Euro von der Mecom-Gruppe um den britischen Investor David Montgomery übernommen. Die Redaktion der "Berliner Zeitung" schrieb nun in ihrem Brief an die Kölner, sie habe sich "nicht drei Jahre den Zumutungen David Montgomerys und seines Statthalters Josef Depenbrock widersetzt, um nun ähnliche Pläne erneut vorgesetzt zu bekommen".

Torsten Landsberg, ddp

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