Schauspielerin und Erbin Barbara Brecht-Schall ist tot

Ihre Urteile waren bei Theatermachern gefürchtet: Als Haupterbin Bertolt Brechts entschied sie streng über alle Aufführungsrechte an den Stücken ihres Vaters. Jetzt ist die Schauspielerin Barbara Brecht-Schall im Alter von 84 Jahren gestorben.

Schauspielerin Brecht-Schall (Juli 2009): Strenge Hüterin über Brechts Werk
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Schauspielerin Brecht-Schall (Juli 2009): Strenge Hüterin über Brechts Werk


Sie wachte über das Werk eines der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Neuzeit: Barbara Brecht-Schall, Tochter und Haupterbin des Dramatikers Bertolt Brecht, ist tot. Die Schauspielerin starb am Montag im Alter von 84 Jahren in Berlin. Das teilte der Suhrkamp-Verlag unter Berufung auf ihre Familie mit.

Brecht-Schall gehörte lange dem Berliner Ensemble an und war die Nachlassverwalterin ihres Vaters. In dieser Funktion wachte sie streng über den Umgang mit den Texten von Bertolt Brecht. Immer wieder gab es Streitigkeiten zwischen ihr und Theaterregisseuren, so manche Aufführung verhinderte sie durch ihr Veto gänzlich.

Zuletzt hatte Brecht-Schall eine moderne Inszenierung von Brechts Stück "Baal" unter der Regie von Frank Castorf am Münchner Residenztheater wegen Eingriffen in den Originaltext verboten. Das Landgericht München untersagte die Aufführung im Februar.

Die Enkelinnen übernehmen

Brecht-Schall kam 1930 als Tochter ihres berühmten Vaters und der Schauspielerin Helene Weigel in Berlin zur Welt. 1961 heiratete sie den Schauspieler Ekkehard Schall, den ihr Vater aus der ostdeutschen Provinz als Darsteller an das Theater am Schiffbauerdamm geholt hatte. Der 2005 gestorbene Schall wurde über die Jahrzehnte zum Brecht-Schauspieler schlechthin.

"Als Wahrerin und Hüterin des Erbes ihres Vaters war Barbara Brecht-Schall eine konsequente und mutige, oft schwierige Verhandlungspartnerin", erklärte Direktor Claus Peymann vom Berliner Ensemble. "Ihre Härte und Unerbittlichkeit, aber auch ihr Herz waren berühmt-berüchtigt", so Peymann: "Barbara Brecht-Schall schützte und verteidigte - eine wahre 'Jeanne d'Arc des Theaters' - das Werk ihres Vaters, eines der bedeutendsten Dramatiker der Moderne."

Das Erbe Bertolt Brechts geht damit auf die nächste Generation über. Brecht-Schall und ihr Mann hatten zwei Töchter: die Kostümbildnerin Jenny Schall sowie die Schauspielerin und Regisseurin Johanna Schall. Letztere hatte im Frühjahr am Volkstheater Rostock die Brecht-Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" von 1930 inszeniert.

mxw/dpa

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