Berühmter Shakespeare-Regisseur Michael Bogdanov ist tot

Alle Rosenkriegsdramen am Stück: Mit waghalsigen Shakespeare-Inszenierungen wurde Michael Bogdanov weltberühmt. Nun ist der ehemalige Intendant des Hamburger Schauspielhauses im Alter von 78 Jahren gestorben.

Michael Bogdanov
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Michael Bogdanov


Der frühere Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, Michael Bogdanov, ist tot. Der britische Regisseur starb am Ostersonntag im Alter von 78 Jahren. Das bestätigte der Intendant des Altonaer Theaters in Hamburg, Axel Schneider. Zuvor hatte der Sender NDR 90,3 darüber berichtet.

Bogdanov wurde 1938 in Neath, Wales, als Sohn eines russischen Sprachwissenschaftlers und einer Waliserin geboren. Er studierte in Dublin, Paris und München und engagierte sich schon während des Studiums im Laientheater. Nach Engagements als Produzent beim Fernsehen wurde er 1978 Hausregisseur beim Young Vic in London, zwei Jahre später wechselte er bereits als Co-Direktor zum National Theatre, wo er sich mit modernen Shakespeare-Inszenierungen weit über Großbritannien hinaus einen Namen machte.

1986 gründete Bogdanov zusammen mit dem Schauspieler Michael Pennington "The English Shakespeare Company" und inszenierte für dieses Tourneetheater alle sieben Rosenkriegsdramen, die in 23 Stunden hintereinander aufgeführt wurden (u. a. im Sommer 1988 am Berliner Schiller-Theater). 1990 erhielt Bogdanov dafür den Olivier Award für die beste Regie.

Glücklose Zadek-Nachfolge

Zur Spielzeit 1989/1990 trat er als Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg die Nachfolge von Peter Zadek an und führte es bis Dezember 1991. Während seiner glücklosen Intendanz hatte er insbesondere mit einem stark gekürzten Etat zu kämpfen. Hinzu kam, dass Bogdanovs eigene Inszenierungen trotz Publikumserfolgen bei der Theaterkritik nur geteilten Beifall fanden. In Erinnerung blieb dennoch seine gefeierte Version von Goethes "Reinecke Fuchs", die er 2000 schließlich nochmals im Wiener Burgtheater zeigte.

Nach seiner Zeit am Schauspielhaus arbeitete Bogdanov wieder mit Erfolg als freier Regisseur vor allem in London und an verschiedenen deutschen Bühnen, immer wieder auch in Hamburg, wo er unter anderem mit der plattdeutschen Version des "Sommernachtstraums" das neue Ohnsorg-Theater eröffnete. Als Opern-Regisseur profilierte er sich mit der Welturaufführung von Stockhausens "Montag" aus dem "Licht"-Zyklus in der Mailänder Scala; auch Musicals wie "Amazing Grace" brachten ihm viel Beifall ein.

Zuletzt wurde Wales immer mehr Bezugspunkt für Bogdanov: Von 2003 bis 2009 leitete er die Wales Theatre Company und inszenierte mehrfach auf Walisisch. Auch seinen Wohnort hatte er auf eine Farm in Wales verlegt. Bogdanov verstarb am Ostersonntag in Griechenland an Herzversagen. Nach Angaben der BBC soll ein Familienbegräbnis in Wales stattfinden, gefolgt von einer Trauerfeier in London.

hpi/dpa

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