Besetzte Häuser geschlossen Der Duisburg-Effekt kommt ins Gängeviertel

Seit über einem Jahr halten mehr als 200 Aktivisten das historische Gängeviertel in der Hamburger Innenstadt besetzt - bislang mit Billigung der Behörden. Doch jetzt droht Ärger: Ein Bezirkspolitiker hat zwei Gebäude schließen lassen - mit Verweis auf die Love-Parade-Katastrophe.

"Politischer Angriff, bürokratisch getarnt": Besetztes Gängeviertel in Hamburg
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"Politischer Angriff, bürokratisch getarnt": Besetztes Gängeviertel in Hamburg


Verschlossene Türen im Hamburger Gängeviertel: Am Donnerstag vergangener Woche hat der zuständige Bezirk Mitte verfügt, dass zwei der zwölf Häuser nicht mehr betreten werden dürfen. Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) führt als Grund an, dass die Sicherheit der Besucher dort nicht gewährleistet sei. "In den oberen Stockwerken besteht in einigen Räumen Einbruchsgefahr", erklärte Schreiber im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE und setzt die Maßnahme in Zusammenhang mit der Love-Parade-Katastrophe: "Ich möchte am Ende nicht in der Position von Duisburgs Bürgermeister Sauerland sein."

Die Besetzer halten diese Begründung für vorgeschoben und sprechen von einem "politischen Angriff, der sich bürokratisch tarnt". In einem offenen Brief greift die Initiative Bezirkschef Schreiber scharf an. Die Initiative habe die Häuser winterfest und benutzbar gemacht und mit der Stadtentwicklungsbehörde ein Sanierungskonzept erarbeitet, das kurz vor der Fertigstellung stehe. Jahrzehntelang habe sich die Stadt nicht um die Gebäude gekümmert und Menschen zugemutet, unter unwürdigen Umständen dort zu wohnen. "Und nun soll es plötzlich zu riskant sein, sie auch nur zu betreten? Im Gegenteil: Das Gängeviertel steht weitaus besser da als noch vor einem Jahr. Und zwar dank uns, nicht dank Ihnen."

"Sie machen mit Angst Politik"+

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Ein Jahr Gänge-Besetzung: "Wir hatten ganz schön Herzklopfen."
Die Tragödie von Duisburg habe mit dem Gängeviertel nichts zu tun. "Sie machen mit Angst Politik", heißt es in dem offenen Brief. Die Verfügung des Bezirks bewerten die "Komm in die Gänge"-Aktivisten als Versuch von Schreiber, sich "politisch zu profilieren".

Tatsächlich hatte der SPD-Politiker bereits in der Vergangenheit versucht, am schwarz-grünen Hamburger Senat vorbei mit dem Gängeviertel Politik zu machen. So hatte er zwei Monate nach der Besetzung einen "runden Tisch" einberufen, den der Hamburger Senat dann wieder abgesagt hatte.

Bei den vom Bezirk geschlossenen Häusern handelt es sich um ein Fabrikgebäude aus dem Jahre 1903, in dem einst Gummi-, Metall- und Holzwaren hergestellt wurden, sowie eine ehemalige Druckerei. Beide Gebäude dienen seit der Besetzung als Veranstaltungsorte für Konzerte, Ausstellungen, Diskussionen, Theater- und Filmaufführungen.

Gängeviertel-Sprecherin Christine Ebeling verweist darauf, dass ein zu Rate gezogener Prüfstatiker die Sicherheit der Veranstaltungsräume in den Erdgeschossen bestätigt habe. "Wir sind seit Monaten dabei, Mängel zu beheben und unsere Besucher zu schützen", heißt es in dem offenen Brief an Schreiber. Statt das Projekt zu sabotieren, solle der Bezirk lieber dabei helfen, die Schäden zu beseitigen.

Die beiden nun geschlossenen Gebäude seien "das gemeinschaftliche, kulturelle und politische Herz des Gängeviertels", ohne sie können das Projekt nicht weiter betrieben werden, erklärt die Initiative "Komm in die Gänge" und kündigt an, die Häuser zum "Tag des Denkmals" an diesem Wochenende wieder zu öffnen: "Seien Sie sich sicher: Die Denkmäler im Gängeviertel werden offen sein", schreiben die Besetzer.



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L0k3 10.09.2010
1. ...
Warum immer räumen. Gibt doch mannigfaltige Vorschriften mit denen man Hausbesetzern das Leben schwer machen kann. Raus mir dem elenden Pack schließlich warten schon genug Reiche Säcke die da Leben wollen. Und zwar unter sich. Arme werden dann nur als Bedienstete geduldet. Der Rest hat sich gefälligst in die Neubaughettos zu verpissen. Ich glaube es wird mal wieder Zeit eine Klare Linie zu ziehen und jeden der diese Linie überschreitet einen Kopf kürzer zu machen. Die Reichen nehmen sich hier mittlerweile Sachen raus das geht auf keine Kuhhaut. Verantwortungsvolles Miteinander sieht da anders aus.
critique 10.09.2010
2. ...
Hausbesetzer schieben doch nur irgendein politisches Motiv vor, um mietfrei ein Behausung beziehen zu können. Da wohnt es sich halt besser als unter eine Brücke. So Feuer frei ...
Andreas Heil, 10.09.2010
3. Gängeviertel
Zitat von sysopSeit über einem Jahr halten über 200 Aktivisten das historische Gängeviertel in der Hamburger Innenstadt besetzt - bislang mit Billigung der Behörden. Doch jetzt droht Ärger: Ein Bezirkspolitiker hat zwei Gebäude schließen lassen - mit Verweis auf die Love-Parade-Katastrophe. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,716739,00.html
Danke für den Artikel. Hab' Hanna Kowalski Mitte Juli in Dortmund kennengelernt. Sehr plausibel, dass mit Verwaltungsterror Zermürbung ausprobiert wird. Schließlich hat ja auch der "Regierende" unlängst gewechselt. Auf mich haben die Gänge-Leute - bei aller Subkulturattitüde - einen sehr professionellen Eindruck gemacht. Sie wußten, was sie wollten, wie sie es wollten und haben sich (und durchaus stellvertretend auch für "uns" als Bürger) - wenn auch mit Glück - eine faire Chance erkämpft und nutzen sie. Bei uns im Ruhgebiet sind die "Aktivisten" leider so dämlich, dass sie nicht mal die bestehenden selbstverwalteten Kultureinrichtungen und deren Geschichte kennen und dass die Trolle dann in Essen ein paar Tage nach dem Treffen ausgerechnet das ehemalige DGB-Haus besetzt hatten, hat mich fast sprachlos gemacht.
bicyclerepairmen 10.09.2010
4. ..
Zitat von critiqueHausbesetzer schieben doch nur irgendein politisches Motiv vor, um mietfrei ein Behausung beziehen zu können. Da wohnt es sich halt besser als unter eine Brücke. So Feuer frei ...
Das ist ja nun Quark. Hamburg, was sonst ja immer gern den Traditionalisten raus hängen lässt wenn' passt ( Z.Th. ehrbarer Hamburger Kaufmann, lol ) hat in der Vergangenheit keine Gelegenheit ausgelassen jede noch so charmante Ecke in Hamburg umzubauen oder abzureißen so das diese jetzt aussehen wie eine Yuppiedesignerarchitekten Fixvorlage oder eine Sequence aus der BimBamBum BMW Werbung. (Fischmarkt, Neumühlen, Hafencity, besagte Innenstadt.. etc.) Besonders absurd, nach Jahrelangen Abtauchen macht sich das Demnkmalschutzamt gerade jetzt mal stark für ein altes Kraftwerkgebäude in einem Industriegebiet mit 0 Bevölkerungsdichte. http://www.mopo.de/2010/20100909/hamburg/politik/streit_um_abriss_des_alten_bille_kraftwerks.html Anderswo in der Stadt gibts beim Abriss historischer und vor allen markanter Gebäude allerdings keine Bedenken.
critique 10.09.2010
5. Imageberater
Zitat von bicyclerepairmenDas ist ja nun Quark. Hamburg, was sonst ja immer gern den Traditionalisten raus hängen lässt wenn' passt ( Z.Th. ehrbarer Hamburger Kaufmann, lol ) hat in der Vergangenheit keine Gelegenheit ausgelassen jede noch so charmante Ecke in Hamburg umzubauen oder abzureißen so das diese jetzt aussehen wie eine Yuppiedesignerarchitekten Fixvorlage oder eine Sequence aus der BimBamBum BMW Werbung. (Fischmarkt, Neumühlen, Hafencity, besagte Innenstadt.. etc.) Besonders absurd, nach Jahrelangen Abtauchen macht sich das Demnkmalschutzamt gerade jetzt mal stark für ein altes Kraftwerkgebäude in einem Industriegebiet mit 0 Bevölkerungsdichte. http://www.mopo.de/2010/20100909/hamburg/politik/streit_um_abriss_des_alten_bille_kraftwerks.html Anderswo in der Stadt gibts beim Abriss historischer und vor allen markanter Gebäude allerdings keine Bedenken.
Klar ist meine Aussage Quark. Aber diese Form des Protestes verbunden mit der meist heruntergekommen aussehenden Klientel lässt nur allzu schnell diesen Eindruck entstehen. Leider habe ich auch keine tolle Idee, wie sich so ein Ziel sinnvoll erreichen und die breite Bevölkerung dafür gewinnen läßt.
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