Bestatter-Fernsehen Der Tod geht auf Sendung

Reportagen über Trauerrituale, Dokumentationen über Friedhöfe: Der Bundesverband deutscher Bestatter plant einen Trauerkanal. Das morbide TV-Programm soll einen sensiblen Zugang zum Thema Sterben ermöglichen.


Düsseldorf - Nach dem Bluff der holländischen Nierenspender-Show klingt diese Meldung zunächst wie eine neue Geschmacksverirrung: In Deutschland wollen die Bestatter mit einem Trauerprogramm auf Sendung gehen.

Grabsteine (in Queens, New York): Big Brother auf dem Friedhof?
AP

Grabsteine (in Queens, New York): Big Brother auf dem Friedhof?

Doch es ist kein schlechter Witz. Noch in diesem Jahr will der Bundesverband deutscher Bestatter (BDB) in Kooperation mit dem Sender EosTV damit beginnen, über Satellit und im Internet ein gesondertes Sparten-Programm auszustrahlen - mit Themen, die für ältere Menschen relevant sind. Das Fernsehen erscheint dem Verband deshalb als geeigneter Ort, um den Tod zu thematisieren, "weil wir gesagt haben, wir müssen auf die neuen Medien reagieren", erklärte die Geschäftsführerin des Kuratorium Deutsche Bestattungskultur GmbH / e.V., Kerstin Gernig, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Geplant sind beispielsweise Dokumentationen über Friedhöfe und Reportagen über Trauerrituale. Wird also das "Big Brother"-Format jetzt bald in der Gruft veranstaltet - mit potentiellen Todeskandidaten? Das will der Bund der Bestatter auf jeden Fall verhindern. Ein Beirat soll die ethische Gestaltung der Sendungen überwachen, das Programm werde nur seriöse und respektvolle Formate akzeptieren, sagte Frau Gernig.

Fraglich klingt zunächst auch die Idee, dass der Bestattungskanal sich unter anderem mit filmischen Nachrufen auf Verstorbene finanzieren will. Das Fernsehen fungiere dabei als zeitgemäßes Kondolenzbuch, Zielgruppe sei die wachsende Zahl älterer Menschen, erläuterte die Sprecherin.

So wird das Thema Tod im Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung zwar durchaus marktwirtschaftlich ausgewertet - die Bestattungsbranche sei heute längst ein Dienstleister und übernehme häufig wichtige gesellschaftliche Aufgaben, wie die psychologische Betreuung von Hinterbliebenen, sagte Gernig. Vornehmlich gehe es dem Bund der Bestatter dabei jedoch darum, Menschen, die das Bestattungsinstitut schreckt, eine anonyme Informationsmöglichkeit zu bieten.

Deshalb werde eine strategische Partnerschaft des Senders mit den Trauerportalen im Internet angestrebt. Das Online-Angebot gibt eine wichtige Orientierungshilfe für den Trauerfall: "Das Markenzeichen "Bestatter - Vom Handwerk geprüft" ist ein gesetzlich geschütztes Zeichen, das vom Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Bestatter e. V. als Lizenz verliehen wird, sofern das Bestattungsunternehmen die persönlichen, sachlichen und betrieblichen Voraussetzungen erfüllt, die die Markenzeichensatzung fordert" - so lautet die Erklärung des Gütezeichens im Auftritt des Bundesverbandes. Der Tod im Fernsehen soll offenbar aufklären und einen Beitrag zur Enttabuisierung des Sterbens leisten.

bos/dpa



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