Edel-Whisky aus Deutschland Drei Glas Elbe, bitte

Wer fein saufen will, hält sich an Whisky. Auch deutsche Destillateure versuchen nun, edle Tropfen mit echtem Torfaroma auf den Markt zu bringen. Der Pionier lebt in den hiesigen Highlands - in Franken. Seine Schnäpse heißen Elbe oder Spinnaker. Und sie gelten offiziell als "Superstars".

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Es ist ein trostloser Frühjahrstag, grau in grau, und das färbt ab auf Eggolsheim, eine Kleinstadt nördlich von Nürnberg. Knapp 6400 Einwohner hat sie, und nur ein paar Hundert davon leben im Ortsteil Neuses an der Regnitz: Die Abfahrt von der A73 führt über ein Gewerbegebiet und eine Zubringerstraße hinauf ins Dörfchen. Zum Glück weist das Navi den Weg zur größten Attraktion hier, man kann sie leicht übersehen: Deutschlands älteste Malt-Whisky-Destillerie.

Whisky ist ja nicht unbedingt das deutscheste aller Getränke. Bis in die Achtziger hinein galt er als Branntwein-Alternative, die im Agentenfilm on the rocks auf Eiswürfel gekippt wurde. Meist im Anschluss an die lässig servierte Frage: "Cola?"

Lange her. Heute bietet jeder Supermarkt etliche Sorten: Fusel für sechs Euro, die so schmecken wie das Whisky-Aroma im Bäckerei-Zutatenregal riecht, aber auch edle, bis zu 80 Euro teure Malts. Sie tragen keltische Namen, die nach Hochmoor in den Highlands und Torfrauch im Sturmwind klingen: Lagavulin, Talisker, Auchentoshan, Macallan. Eine wachsende Zahl von Fans zelebriert den Edelschnaps als Kulturessenz in Flaschen: Bei "Tastings" und Whisky-Dinners, in Clubs und auf Destillerie-Rundreisen.

Robert Fleischmanns Whiskys heißen Elbe, Spinnaker oder Seute Deern. Seine Destille ist die Blaue Maus, und all das zusammen ist fast so klärungsbedürftig wie die Frage, wie ein Franke überhaupt zum Whisky kommt. "Ich war bei der Marine", sagt Fleischmann in tiefstem fränkischen Dialekt. Und irgendwie erklärt das beides.

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Kuriosa: Wissenswertes über Whisky
Als Fleischmann danach zurück nach Franken kam, ergab sich die Gelegenheit, die Brennrechte einer Obstbrennerei zu übernehmen. Eigentlich nicht sein Geschäft, aber der Gedanke reizte ihn. Genauso wie die Idee, auf die ihn ausgerechnet ein Zollbeamter brachte: Und so lagerte Fleischmann 1983 den ersten fränkischen Malt-Whiskey in einem funkelnagelneuen Eichenfass ein.

Dreißig Jahre später adelte der britische Whisky-Papst Jim Murray Fleischmanns Austrasier Single Cask Grain mit 95,5 aus 100 Punkten zu einem "Superstar-Whisky", wie es flapsig heißt. In der gleichen Luxusliga spielen derzeit nur die Finch Highland-Whisky-Brennerei aus Schwaben, die Hammerschmiede aus Niedersachen und die Spreewaldbrennerei.

Robert Fleischmann war der Pionier, andere folgten und überholten ihn in mancher Hinsicht. Als größte und kommerziell professionellste Destillerie gilt heute Slyrsvom Schliersee. Auch dort entstehen Whiskys von stetig steigender Qualität.

Dem Gros der geschätzt mehr als hundert deutschen Whisky-Destillen hängt aber noch der Ruf an, eine Art Gersten-Obstler zu produzieren. Aber es tut sich was: Die Brenner experimentieren und lernen dazu, lagern ihre Whiskys nun in gebrauchten Fässern, leihen sich Wein-, Sherry- oder Bourbon-Aromen, um ihre Tropfen weicher und reicher zu machen. Mit Erfolg.

Vom Pionier zum Profi

An diesem Tag herrscht Hektik in der Blauen Maus, Fleischmann muss packen: In Nürnberg steht eine Whisky-Messe an, der Aufbau wartet. Er rennt voran, in einem Express-Rundkurs: Zeigt das Tante-Emma-Lädchen des Dorfs, das auch Verkaufsstelle seines Whiskys ist. Weiter über den Hof in ein altes Stallgebäude, wo der Obstler-Brennkessel steht, in dem er die ersten Whiskys brannte, "zum Teil mit fürchterlichen Resultaten".

Eine typische Landbrennerei, die Fleischmann hier betreibt; Gummistiefel stehen in der Ecke, die Wände sind roh verputzt. Er schimpft über Brennrechte und die EU, und wie schwer es die Brüsseler Bürokraten ihm als Kleinunternehmer machen, vor allem, wenn er etwas Neues probiert.

Das Neue steht nun rechts vom Haus: Ein hoher und heller Bau mit Brennraum und Theke. Im Boden ist ein großes Glasfenster eingelassen, durch das man ins Fasslager hinab sieht. Eine Destillerie, die auf Besucher angelegt ist: Auf Besichtigungen und Verkostungen. Fleischmann sucht sein Heil im Whisky, beruflich jedenfalls. Nur die behördliche Genehmigung, die steht noch aus.

Und? Kann der was?

Sein Sohn Thomas übernimmt später die Führung durch die Blaue Maus, so heißt die Wirtschaft zur Destillerie. An Wochenenden servieren die Fleischmanns hier in nautischem Ambiente - auch der Sohnemann fuhr zur See - Labskaus und Grünkohl mit Pinkel zum Whisky. Fast alles, was sie verkaufen, verkaufen sie direkt. Und alles, was sie produzieren, geht auch weg.

Auf dem Tresen stehen drei Probiergläser. Drei Jahrgänge, drei verschiedene Lagerungen und Qualitäten. Die erste, hellste, schmeckt nach Eiche und Frucht - gut, aber mehr Obstler als Whisky. Die mittlere trägt mehr Aromen, kreist ölig im Glas, hat Nase und einen süß-fruchtig nachschmeckenden Abgang: Weich, ohne Kanten, nicht unangenehm. Die dritte schließlich ist von dunklerer Farbe. Der Geruch hat ein wenig Rauch, im Mund aber entfaltet sich unverkennbar ein torfiges Aroma. Hat schon was: Gebrannt ist der Tropfen aus selbst importierter, torfgetrockneter schottischer Mälze. Es ist halt alles ein großes Experiment.

Am Folgetag hat Fleischmann ein winziges Fläschchen dabei. Die Flüssigkeit darin ist fast so dunkel wie Balsamico-Essenz, ein unglaubliches Aroma. Einen halben Teelöffel nippen: Deutschlands erster Malt-Whisky, Jahrgang 1983.

"Und?", fragt Fleischmann erwartungsvoll und grinst: "Der kann was, oder?"

Ein Traum. Whisky braucht halt Zeit.


Siehe auch: Uisce Beatha: Wissenswertes über das Wasser des Lebens



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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
Spiegelleserin57 31.03.2013
1. Sorry...
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEWer fein saufen will, hält sich an Whisky. Auch deutsche Destillateure versuchen nun, edle Tropfen mit echtem Torfaroma auf den Markt zu bringen. Der Pionier lebt in den hiesigen Highlands - in Franken. Seine Schnäpse heißen Elbe oder Spinnaker. Und sie gelten offiziell als "Superstars". http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/besuch-in-deutschlands-aeltester-whiskydestillerie-a-884768.html
unsere Leberspender werden knapp!
micha-mille 31.03.2013
2.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEWer fein saufen will, hält sich an Whisky. Auch deutsche Destillateure versuchen nun, edle Tropfen mit echtem Torfaroma auf den Markt zu bringen. Der Pionier lebt in den hiesigen Highlands - in Franken. Seine Schnäpse heißen Elbe oder Spinnaker. Und sie gelten offiziell als "Superstars". http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/besuch-in-deutschlands-aeltester-whiskydestillerie-a-884768.html
Ich wünsche den sympathischen Fleischmanns alles gute. Für mich als Whisky Sammler und langjährigen "Kenner" war der Whisky aber bisher keine Alternative zu den schottischen Single Malts. Ich besuchte die Destille in Eggolsheim vor ca. 10 Jahren. Leider war die Qualität damals eher nicht so prickelnd. Vielleicht wäre ein neuer Versuch jetzt lohnenswerter.
Geisterkarle 31.03.2013
3. Naja
Hab Whiskeys der Blauen Maus letztes Jahr auf einer Messe probiert. Muss aber sagen, dass der Whiskey vielleicht durchaus nicht mehr "Obstler" sondern ein Whiskey ist, aber so was "langweilig" war. Der hatte einfach nix, das für ihn spricht. Man kann ihn mal trinken, wenn man sonst nix hat, aber so ziemlich jeder Standard-Trinkwhiskey von einer Schottischen Abfüllung hat irgendwie mehr zu bieten als dieser! Bin da bisher nicht überzeugt von der Maus!
philip2412 31.03.2013
4.
Zitat von Spiegelleserin57unsere Leberspender werden knapp!
Wer Whisky trinkt ist also bei Ihnen automatisch ein Quartalssäufer ? Es lebe das Vorurteil.
skiski-bowski 31.03.2013
5. @Geisterkarle
Mein Lieber, Whiskey ist Spülwasser aus den ehemaligen Kolonien, meinetwegen noch aus Irland. Das hier besprochene Getränk heißt Whisky. Zum Artikel: bisher habe ich noch keinen deutschen Whisky probieren können, der den Namen verdient. Aber man lernt ja immer dazu, es ist in jedem Fall einen Versuch wert. Lagavulin gehört übrigens zu Diageo. Schmeckt man und sieht man. Wer es nötig hat, mit Zuckerkulör zu arbeiten... lassen wir es lieber und bleiben bei denen, die den Namen auch verdienen.
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