Betriebsausflug Bundestag nimmt Abschied von Lenin

Die Kulturstaatsministerin bittet ins Kino und die Parlamentarier kommen und weinen. Der Deutsche Bundestages machte sich am Mittwochabend auf zum gemeinsamen Betriebsausflug, um "Good Bye, Lenin" zu sehen.


Filmszene aus "Good Bye, Lenin": Geschichtsstunde für den Bundestag
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Filmszene aus "Good Bye, Lenin": Geschichtsstunde für den Bundestag

Berlin – 180 Parlamentarier folgten der Einladung von Kulturstaatsministerin Christina Weiss zur "Good Bye, Lenin"-Vorführung. Ohne Sitzordnung kam der Bundestag im alten DDR-Filmpalast "International" – passenderweise in der Karl-Marx-Allee gelegen - zusammen.

Ein "sauguter Film" bekundete Familienministerin Renate Schmidt (SPD). Wolfgang Schäuble hat sogar geweint. Denn traurig sei Wolfgang Beckers Film, aber man gehe ja schließlich ins Kino, um zu weinen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU Fraktion. CSU-Kriegsgegner Peter Gauweiler nutzte den Kinobesuch als willkommene Alltagsflucht, wo er sich doch den ganzen Tag "über den verdammten Irak-Krieg" ärgern musste.

Regisseur Wolfgang Becker und seine Hauptdarsteller Daniel Brühl und Katrin Saß jedenfalls fühlten sich geehrt ob des prominenten Lobs. "Hui, da scheinen wir ja einen wichtigen Film gemacht zu haben", sagte Brühl nach der politischen Premiere des Streifens.

Allein der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Werner Schulz (Grüne) nörgelte, dass der Film ein "völlig absurdes Bild" der DDR zeichne. Wenn die Lehre aus dem Film sei, die DDR sei ein heiterer Operettenstaat gewesen, der an sich selbst und Coca-Cola zugrunde gegangen sei, dann sei er ein schlechter Beitrag zum Geschichtsverständnis.

Insgesamt haben seit ihrem Start bei der Berlinale im Februar 4,3 Millionen Deutsche den bittersüßen DDR-Abgesang gesehen. Dass er auch Anklang bei ihren Repräsentanten fand, dürfte vor allem der Kulturstaatsministerin entgegenkommen: Weiss hatte im Bundestag just an jenem Nachmittag einen Entwurf für ein neues Filmförderungsgesetz vorgelegt.



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