Betrugskrimi um kostbare Geigen Der tiefe Fall des Stradivari-Dealers

In seiner Branche war er der Star: Dietmar Machold handelte im großen Stil mit wertvollen Violinen. Er verdiente Millionen und kaufte sich ein Schloss. Doch dann überreizte der Stradivari-Händler, ging Pleite, er steht unter Betrugsverdacht. Die Geschichte eines Absturzes.

Carsten Holm/ DER SPIEGEL

Von Carsten Holm


Es sollte der wichtigste Arbeitstag im Leben Dietmar Macholds werden. Ein ganzes Jahr schon hatte er mit dem italienischen Milliardär S. verhandelt. Der öffentlichkeitsscheue Immobilien-Tycoon will eine Privat-Uni samt Orchester gründen und bat Machold, für 40 Millionen Euro eine Sammlung historischer Streichinstrumente zusammenzustellen. Am Dienstag, den 15. März, erreichte Machold im Haus von Verwandten in den Walliser Alpen ein Anruf aus Italien: Er möge am nächsten Tag nach Zürich kommen, um die letzten Modalitäten des Deals zu regeln.

Monatelang hatte Machold, 61, auf diesen Augenblick gewartet. Zur Jahreswende war seine überschuldete Wiener Firma in Konkurs gegangen, weil die Banken nicht mehr an das Geschäft mit dem Italiener geglaubt hatten. Plötzlich, an diesem Tag, schien die Wende zum Greifen nah: 10, 14 oder gar 16 Millionen Euro Erlös für ihn schienen möglich, und noch einmal so viel aus Folgegeschäften. Machold sah eine letzte Chance, den Zusammenbruch seines Firmenimperiums abwenden zu können - auch wenn der Gewinn an seine vielen Gläubiger verteilt worden wäre.

Zu dem Treffen in Zürich kam es jedoch nicht. Machold war verhindert.

Am Morgen des 16. März um sieben Uhr in der Frühe klingelten Beamte der Walliser Kantonspolizei in Zermatt bei seinen Verwandten. Schwer war es nicht, ihn zu finden: Österreichische Ermittler hatten im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens ihre Kollegen in der Schweiz gebeten, Macholds Handy abzuhören. Die Strafverfolger waren vor dem Zugriff am Fuß des Matterhorns detailliert über seine Reisepläne informiert.

Die Kantonspolizisten präsentierten dem gebürtigen Bremer einen Haftbefehl der Wiener Staatsanwaltschaft vom 1. März. Von Veruntreuung war darin die Rede, von gewerbsmäßigem Betrug und weiteren Delikten, die ihm zur Last gelegt werden. Widerstandslos ließ sich Machold, der eigentlich auf Schloss Eichbüchl vor den Toren Wiens wohnt, abführen und im Kantonsgefängnis von Sitten in Auslieferungshaft nehmen. Der Tag der Hoffnung wurde zum schlimmsten Tag im Leben des Geigenhändlers Machold.

Aus dem Millionengeschäft, dessen erste Tranche das Codewort "Collezione Lombarda uno" trägt, wird wohl nichts mehr. Machold muss, wenn er verurteilt wird, mit einer mehrjährigen Freiheitsstrafe rechnen. Für Insider kam der tiefe Fall des Deutschen nicht einmal überraschend. Zwar hatte er das Familienunternehmen "Machold Rare Violins" in der fünften Generation im kleinen, hart umkämpften Markt für alte Streichinstrumente an die Weltspitze geführt. Doch Machold, sagt ein Branchenkenner, "spielte mit so hohem Risiko wie kein anderer".

Zum "Weltbürger" geweiht

Der Geigenhändler räumte im November vorigen Jahres in einem Gespräch mit SPIEGEL ONLINE selbst die Schwäche seines Geschäftsmodells ein. Seine Mitbewerber würden historische Geigen in Kommission nehmen und den Besitzer erst nach dem Verkauf auszahlen. Sie bräuchten kaum Kredite von Banken.

Machold geht einen anderen Weg: Er nimmt wertvolle Geigen beim Verkauf noch wertvollerer in Zahlung. Kaufe jemand eine Stradivari für vier Millionen Euro und gebe er dafür eine Guarneri für drei Millionen in Zahlung, "muss ich natürlich drei Millionen weiterfinanzieren, bis ich die Guarneri los bin".

Lange Zeit funktionierte diese Strategie. Der gelernte Jurist Machold profitierte davon, dass sich der Wert der 300 Jahre alten Geigen aus den Werkstätten Antonio Stradivaris und Giuseppe Guarneri del Gesùs im italienischen Cremona binnen weniger Jahrzehnte vervielfachte.

Ob Anne-Sophie Mutter, Janine Jansen oder Leonidas Kavakos: Viele der weltbesten Violinisten legen sich am liebsten Geigen aus Cremona ans Kinn. Kapitalkräftige Kunden schätzen sie als Wertanlage. Der Preis für die Ikonen der Geigenbaukunst kletterte seit 1960, so schätzt die Stradivari Society in Chicago, "auf das Zweihundertfache".

Mittendrin jonglierte Machold mit Millionen: Seine erste Stradivari hatte er 1985 über die nordkoreanische Botschaft in Ostberlin für 285.000 Dollar an das Regime in Pjöngjang verkauft. Heute zahlen Käufer mal eben drei, fünf oder mehr Millionen Euro für die besterhaltenen Instrumente.

In Österreich wurde Machold ein hochgeachteter Mann. Er beschaffte der Österreichischen Nationalbank mehr als ein Dutzend wertvolle Instrumente. Zum Dank adelte ihn das Wiener Kultusministerium mit dem Titel eines Ehrenprofessors. Dann kam der Absturz.



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Thomas33613, 15.04.2011
1. Bildunterschrift
---Zitat--- Gattin Barbara, 34, ist Lehrerin. Die Gymnasiallehrerin verdient 1800 Euro netto - und sagt, sie brauche kein Schloss zum Leben. ---Zitatende--- Der von mir immer wieder gern zitierte Alltagsfilosof Atze Schröder würde jetzt sagen: "Ja, nee - is klar" Da ist wohl nicht bald nur das Schloß weg ... ;-)
Thomas Klaus 15.04.2011
2. Recherche
Sehr geehrter Herr Holm, Seriöse Recherche scheint nicht zu Ihren größten Tugenden zu gehören! Auffällig ist, daß Sie Ihre Informationen bezüglich Sator gegen Machold ausschließlich von einer Internetseite eines gewissen Harry Joachim beziehen. Mit einem Hauch von Recherchearbeit (beispielsweise hier: http://www.moneyhouse.ch/p/Dietmar+Harry+Joachim-Machold ), hätte es Ihnen gelingen sollen herauszufinden, daß der vollständige Name von Herrn Machold "Dietmar Harry Joachim Machold" lautet. Die sich aus diesem "Zufall" ableitende Schlußfolgerung ist wohl mehr als denklogisch. Meinen seriösen(!)Informationen zufolge, wurde das ins Netz stellen der dort befindlichen Falschinformationen gerichtlich schon vor Jahren verboten! Wahr ist: das Verfahren vor dem Handelsgericht Sator gegen Machold ist noch nicht abgeschlossen, da Herr Machold nur wenige Tage vor der letzten Verhandlung im November ganz plötzlich in Konkurs ging! Auch diesem "Zufall" hätte man, aber eben nur mittels Recherche, in Ihrem Artikel Rechnung tragen können. Bezüglich möglicher Beweise findet sich auf der Seite http://www.fritz-reuter.com/theheist/de/de-safekeeping-4violins.pdf ein interessanter Hinweis, dem Sie offenbar auch keinerlei Beachtung schenken wollten. Dieser Hinweis hat vielleicht dazu geführt, daß Frau Sator sich im Gläubigerausschuß des Konkursverfahrens befindet (siehe Link unten zur Ediktedatei) Faszinierend, daß Ihre Berichterstattung gänzlich darauf ausgerichtet ist, einen bereits in Untersuchungshaft befindlichen Betrüger (es gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung) als Opfer darzustellen und aus seiner offenbar längst überfälligen Verhaftung eine nahezu romantische Tragödie zu machen! Gerne bin ich Ihnen ein wenig bei Ihrer Recherche behilflich: http://mktalvi.blogspot.com/2011/03/dubious-deals.html http://edikte.justiz.gv.at/edikte/id/idedi8.nsf/suchedi?SearchView&subf=e&SearchOrder=4&Schuldner=machold&BMAZ=NUL&ftquery=&query=%28[Schuldner]%3D%28machold%29%29#1302872573992 http://www.nj.com/news/index.ssf/2011/04/violin_broker_probed_in_new_je.html und vieles mehr kann man im Netz ganz einfach finden!
cucco 15.04.2011
3. Machold ohne Moralbremse
Zitat von sysopIn seiner Branche war er der Star: Dietmar Machold handelte im großen Stil mit wertvollen Violinen. Er verdiente Millionen und kaufte sich ein Schloss. Doch dann überreizte der Stradivari-Händler, ging Pleite, er steht unter Betrugsverdacht. Die Geschichte eines Absturzes. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,755895,00.html
Kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass Herr Machold sich schon vor rund 40 Jahren als ganz Wichtiger aufspielte und bei Bremen viele Raüme mit unzähligen Instrumenten als sein Studio hatte. Wir waren Interesse halber bei Herrn Machold um eine Meinung und eventuell ein Angebot für unsere zertifizierte Napolitanische Geige aus dem 18.Jahrh. zu bekommen. Die Echtheit der Geige hat Machold nicht angezweifelt. Die Wertschätzung lag bei 60% von dem, was die Geige in den 50ern meinem Onkel gekostet hatte. Danach wurden wir angefragt, ob wir die Geige verkaufen möchten, da Herr Machold jetzt eine Käufer für das Instrument hätte. Später haben wir erfahren, dass eine unserer Geige entsprechende Geige von Machold angeboten wurde zu etwa dem 10 fachen Preis des von Machold eingestuften Wertes. Machold hätte vielleicht auch einen guten Investmentsbanker abgegeben, doch seine Kenntnisse der Streichinstrumente zusammen mit seinem (fast?) betrügerischen Geschäftsgebaren liessen ihn schnell reich werden, da in diesem Feld viele Kunden keine Ahnung von Finanzen haben und nach allen Regeln der Unmoral übers Ohr gehauen werden.
shine31 15.04.2011
4. Re: Da ist wohl nicht bald nur das Schloß weg
Zitat von Thomas33613Der von mir immer wieder gern zitierte Alltagsfilosof Atze Schröder würde jetzt sagen: "Ja, nee - is klar" Da ist wohl nicht bald nur das Schloß weg ... ;-)
Machold ist 61, Freundin -jetzt Ehefrau- ist 34 :) Na, die "Kleine" ist wohl erst kurz vor dem Schloss zu ihm gestossen ;) Wenn man ein schönes Leben auf einem Schloss führen kann (jedes Mädchen will doch mal Prinzessin werden), schaut man gerne über ca. 30 Jahre Altersunterschied hinweg...
cucco 15.04.2011
5. Kein Nebeneffekt
Zitat von shine31Machold ist 61, Freundin -jetzt Ehefrau- ist 34 :) Na, die "Kleine" ist wohl erst kurz vor dem Schloss zu ihm gestossen ;) Wenn man ein schönes Leben auf einem Schloss führen kann (jedes Mädchen will doch mal Prinzessin werden), schaut man gerne über ca. 30 Jahre Altersunterschied hinweg...
Man kann Machold nicht anlasten, dass er eine junge Frau hat. Beziehungsgeschichten sind für Dritte nie einsehbar, sind aber oft Grund für Spekulationen. Schlimm ist, dass die junge Frau anscheinend keinen moralischen Einfluss auf ihren Mann ausgeübt hat. Man sagt doch, dass oft hinter einem erfolgreichen Mann eine Frau steckt. Ausnahmen bestätigen die Regel.
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