Beutekunst in Österreich Datenbank für geraubte Objekte

Während in Deutschland die Debatte um die Rückgabe eines Kirchner-Gemäldes eben erst abgeebbt ist, machen österreichische Museen ihren Bestand an Kunstwerken unbekannter Herkunft transparent. Sie publizieren die Objekte in einer Datenbank für Beutekunst.


Wien – Um Ansprüche an Beutekunst aus der NS-Zeit zu klären, haben österreichische Museen und Sammlungen Objekte ungeklärter Herkunft im Internet publiziert. Die Datenbank enthält mehrere tausend Kunst- und Kulturgüter und gibt Auskunft über deren Herkunft, Größe und Beschaffenheit. Die Werke sind nach Kategorien wie "Gemälde", "Skulpturen" oder "Handschriften" geordnet. Falls bereits ein Kunstrückgabeverfahren läuft, können sich die Nutzer der Plattform über dessen Stand informieren. Es sind auch Werke verzeichnet, bei denen noch nicht geklärt ist, ob sie tatsächlich als Beutekunst eingestuft werden können. Die Datenbank soll Opfern des NS-Kunstraubes dabei helfen, gestohlene Objekte zu suchen.

Der Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus hat die Datenbank gemeinsam mit den Museen bestückt - die Wiener Rückstellungskommission sowie die Provenienzforschungskommission des Bundes und das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur sorgen dafür, dass die Informationen regelmäßig aktualisiert werden.

Laut des 1998 verabschiedeten Kunstrückgabegesetzes werden Kunstgegenstände, die keinem Eigentümer oder dessen Nachfolger zugeordnet werden können, dem österreichischen Nationalfonds übergeben, der sie zugunsten von Opfern des Nationalsozialismus verwenden muss. Der Fonds war 1995 vom Nationalrat eingerichtet worden, um "die besondere Verantwortung gegenüber Opfern des Nationalsozialismus zum Ausdruck zu bringen".

Doch bevor es zu einer Versteigerung eines Werkes kommt, sollen alle Möglichkeiten, den rechtmäßigen Eigentümer ausfindig zu machen, ausgeschöpft werden. Jemand, der ein Gemälde entdeckt und glaubt, dessen Besitzer zu sein, kann sich direkt mit dem jeweiligen Museum oder der Provenienzforschungskommission des Bundes in Verbindung setzen.

In Deutschland übernimmt diese Aufgabe die Koordinierungsstelle für Raub- und Beutekunst in Magdeburg - sie hat über 80.000 Objekte aus 300 Einrichtungen im In- und Ausland registriert. Erst im August dieses Jahres hatte eine Entscheidung des Berliner Kultursenators Thomas Flierl (Linkspartei) für Aufregung gesorgt: Er hatte das Bild "Berliner Straßenszene" von Ernst Ludwig Kirchner aus dem Berliner Brücke-Museum an die Erbin des einstigen jüdischen Besitzers zurückgegeben. Experten bemängelten, dass die Eigentumsrechte nicht hinreichend geklärt seien. Die österreichische und die deutsche Datenbank sollen dafür sorgen, dass es zu solchen Unklarheiten in Zukunft nicht mehr kommt.

amg/ap



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