Beutekunst Ukraine gibt Dresdner Kupferstiche zurück

Ein kleiner Fortschritt in der Diskussion um die Rückgabe der so genannten "Beutekunst". Der ukrainische Präsident Leonid Kutschma hat der Bundesregierung zwei Bände mit Grafiken aus dem Dresdner Kupferstich-Kabinett zurückgegeben. Bundeskanzler Schröder sprach von einer "großen Geste".


Berlin/Dresden - Die wertvollen Stiche aus dem 17. Jahrhundert stammen zum Teil von dem französischen Künstler Nicolas Bertin (1668-1736). Sie wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs verschleppt. Der Chef des Dresdner Kupferstich-Kabinetts, Wolfgang Holler, zeigte sich am Freitag sehr erfreut. "Das zeigt, dass der Wille besteht, die Rückführungen weiter gehen zu lassen", sagte er. Bereits 1996 hatte der ukrainische Botschafter dem Museum drei wertvolle Kunstbände zurückgegeben.

Leonid Kutschma überreichte Bundeskanzler Gerhard Schröder die beiden Kunstbände nach den deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen im Kanzleramt. Schröder sprach von einer "großen und bedeutenden Geste", die Kutschma Dresden erweise. Er wolle die "außerordentlich wertvollen" Kupferstiche sofort der Dresdner Sammlung zurückgeben.

"Diese Nachricht ist einfach toll", sagte Holler. Die Verluste des Kabinetts nach dem Zweiten Weltkrieg seien nicht gering gewesen. "Wir vermissen rund 50.000 Werke, darunter Grafiken, Zeichnungen und so genannte Klebebände", sagte er. Diese Bände, die vor allem im 18. Jahrhundert eine besondere Form des Sammelns von Kunst bildeten, enthielten viele originale Zeichnungen von Meistern wie Rubens, Dürer oder Cranach, sagte er. "Von diesen Bänden vermissen wir etwa 560", so Holler. Sie gelten als historischer Kern der Dresdner Sammlung und werden vor allem in Moskau oder Sankt Petersburg vermutet.

Das 1720 gegründete Kupferstich-Kabinett ist eine der ältesten und reichsten grafischen Sammlungen der Welt. Der universal angelegte Bestand von über 450.000 Werken umfasst alle Gebiete des künstlerischen Bilddrucks und der Zeichnung. Schwerpunkte der Sammlung bilden unter anderem die altdeutsche und niederländische Grafik und Zeichnung des 15. bis 17. Jahrhunderts sowie die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts.



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