Beuys-Urheberrechtsstreit: Fettecken dürfen nicht gezeigt werden

Ein Urteil mit Folgen: Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied am Freitag, dass die Fotos einer Live-Aktion des Künstlers Joseph Beuys nicht ohne die Genehmigung seiner Witwe gezeigt werden dürfen. Fotografen von Kunstaktionen müssen nach dem Richterspruch mit Verboten rechnen.

Museumsdirektorin Bettina Paust im Schloss Moyland: Die Fotos müssen weg Zur Großansicht
DPA

Museumsdirektorin Bettina Paust im Schloss Moyland: Die Fotos müssen weg

Düsseldorf/Hamburg - Wird eine Oper reproduziert, indem Fotos davon gemacht werden? Verletzen die Bilder eines Theaterstücks die Urheberrechte der Beteiligten auf der Bühne? Unterliegen Fotos von Konzerten zukünftig der Zensur der abgebildeten Künstler? Zumindest im Bezug auf Fotos einer Kunstaktion von Joseph Beuys urteilte das Düsseldorfer Oberlandesgericht am Freitag: Ja, die Fotos, die Beuys unter anderem beim Erstellen einer Fettecke zeigen, unterliegen dem Urheberrecht des Künstlers - nicht dem des Fotografen.

Die Live-Performance sei nach Argumentation der Richter durch die Fotoserie vervielfältigt worden. Die Bilder der Aktion gelten demnach als Bearbeitung des Kunstwerks selbst, so dass nicht der Fotograf über die Veröffentlichung entscheiden darf. Durch die Bilder sei das Beuys-Aktionskunstwerk zwar mit den Mitteln der Fotografie umgestaltet worden,hieß es in der Begründung des 20. Zivilsenats. Diese hätten sich jedoch nicht so weit von der Aktionskunst entfernt, dass eine freie Bearbeitung vorliege.

Deshalb darf das Museum Schloss Moyland die Fotoserie auch nicht ohne die Genehmigung der Witwe des Künstlers, Eva Beuys, ausstellen, entschied das Gericht weiter im Berufungsverfahren. Das Landgericht Düsseldorf hatte zuvor ähnlich geurteilt.

Nichts geht mehr ohne Künstlererlaubnis

In der Ausstellung "Joseph Beuys - Unveröffentlichte Fotografien von Manfred Tischer" hatte das Museum die Schwarzweißaufnahmen des 2008 verstorbenen Fotografen ein Jahr nach dessen Tod gezeigt. Darauf ist zu sehen, wie Beuys 1964 während der ZDF-Sendung "Drehscheibe" live aus Margarine-Riegeln eine Fettecke herstellt, mit Schokolade ein Transparent malt und einen Spazierstock mit Fett verlängert. Die Witwe von Beuys hatte darin das Urheberrecht verletzt gesehen und geklagt. Von der Sendung selbst existiert keine Aufzeichnung mehr.

Bettina Paust, die künstlerische Direktorin der Stiftung "Museum Schloss Moyland", zeigte sich am Freitag nach dem erneuten Richterspruch bestürzt. "Das Urteil ist eine grundsätzliche Entscheidung mit weitreichenden Folgen für die Fotografie", sagte sie zu SPIEGEL ONLINE. Bei jedem Foto einer Kunstaktion müssten die Fotografen dem Urteil zufolge den Künstler oder dessen Erben um Erlaubnis für die Veröffentlichung fragen.

Für die Aussteller bedeutet das, dass sie die Fotoserie nicht wieder aufhängen dürfen. "Die ureigenste Aufgabe eines Museums ist es doch, die eigenen Bestände der Öffentlichkeit zugänglich zu machen", sagte Paust. Schon nach dem Urteil in der ersten Instanz vom September habe sie um eine Genehmigung für die Veröffentlichung gebeten - ohne Erfolg. Nun will sie einen neuen Versuch starten, um die Bilder zeigen zu können.

Zudem könnte der Rechtsstreit um die Fetteckenbilder noch den Bundesgerichtshof (BGH) beschäftigen. Der Senat hat am Freitag eine Revision nach Karlsruhe zugelassen. Ob die Stiftung das Mittel nutzen will, sei noch nicht entschieden, sagte Paust am Freitag. "Ich würde dem Stiftungsvorstand aber raten, Revision einzulegen." Sollte sich der BGH den ersten beiden Urteilen anschließen, müssten sich Fotografen von Kunst-Performances in der Zukunft auf weitreichende Einschnitte einstellen.

vks/dpa/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Drehscheibe
ted211 30.12.2011
Zitat von sysopEin Urteil mit Folgen: Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied am Freitag, dass die Fotos einer Live-Aktion des Künstlers Joseph Beuys*nicht ohne die Genehmigung seiner Witwe*gezeigt werden dürfen.*Fotografen von Kunstaktionen müssen*nach dem Richterspruch*Verboten rechnen. Beuys-Urheberrechtsstreit: Fettecken dürfen nicht gezeigt werden - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,806388,00.html)
Vermutlich dürfen doch aber die Fernsehaufnahmen der "Drehscheibe" gezeigt werden, weil das Fernsehen ja sicher das Recht auf Wiedergabe hat.
2. Lesen hilft!
snickerman 30.12.2011
Zitat von ted211Vermutlich dürfen doch aber die Fernsehaufnahmen der "Drehscheibe" gezeigt werden, weil das Fernsehen ja sicher das Recht auf Wiedergabe hat.
Im Artikel steht doch, dass es keine Aufzeichnung dieser Sendung mehr gibt. Ist auch fast 50 Jahre her, eventuelle Bänder wurden längst gelöscht, heute dürfte das ja alles elektronisch gehn. Ich finde das Urteil unsinnig, aber auf die Kunst/Kunstherstellung von Joseph Beuys kann ich auch andererseits gut verzichten. Ein Hoch der Putzfrau.
3. Kunst...
wildthin9 30.12.2011
kommt meinem Verständnis nach von Können. Von Beuys mir bekannten "Kunstwerken" entspricht dem nichts. Ist für mich die Kategorie "Das Lamm schreit HUUURZ"...
4.
Stäffelesrutscher 30.12.2011
Zitat von sysopEin Urteil mit Folgen: Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied am Freitag, dass die Fotos einer Live-Aktion des Künstlers Joseph Beuys*nicht ohne die Genehmigung seiner Witwe*gezeigt werden dürfen.*Fotografen von Kunstaktionen müssen*nach dem Richterspruch*Verboten rechnen. Beuys-Urheberrechtsstreit: Fettecken dürfen nicht gezeigt werden - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,806388,00.html)
Dann bitte konsequent sein: keine öffentlichen Ausstellungen mehr, keine Berichterstattung in irgendwelchen Medien, keine öffentlichen Zuschüsse für irgendetwas, keine Absetzbarkeit der Materialkosten von der Steuer (ist nicht schlimm, bleibt bei Beuys ja im zweistelligen DM-Bereich), Tilgung jeglicher Erwähnung in Lexika und Ähnlichem. Dann möge er in Frieden ruhen und seine Witwe sich zufrieden zurücklehnen.
5.
P.Delalande 30.12.2011
Zitat von wildthin9kommt meinem Verständnis nach von Können. Von Beuys mir bekannten "Kunstwerken" entspricht dem nichts. Ist für mich die Kategorie "Das Lamm schreit HUUURZ"...
Also wirklich, wie können Sie dessen Kunst so verkennen: Joseph Beuys - Sonne statt Reagan 1982 - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=DQ1_ALxGbGk)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Joseph Beuys
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 31 Kommentare