Deutsches Weltkulturerbe Bier, Brot, Beethoven

Was macht das Wesen der deutschen Lebensart aus? Die Unesco sammelt das immaterielle Weltkulturerbe - aus Deutschland liegen nun 83 Vorschläge vor. Offiziell sind sie geheim, aber etwas ist schon durchgesickert.

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Im Biergarten: Unbedingt schützenswertes Kulturgut
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Im Biergarten: Unbedingt schützenswertes Kulturgut


Wer oder was ist typisch deutsch - und zählt damit zu dem, was die hiesige Kultur ausmacht? Und was davon ist es wert, um in die Unesco-Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen zu werden?

Man könnte es sich jetzt sehr einfach machen und jedes Klischee nennen, das in aller Welt mit Deutschland in Verbindung gebracht wird: Bier zum Beispiel. Oder Brot. Das Oktoberfest. Oder Skat. Bei einem gemütlichen Skatabend mit einigen Bieren und Wurstbroten könnte man ohne Weiteres eine Liste mit, sagen wir mal, 83 Elementen zusammenbekommen.

Aber so geht das natürlich nicht. Seit Deutschland 2013 dem Unesco-Abkommen zum Unesco-Weltkulturerbe beigetreten ist, läuft ein höchst offizielles Verfahren zur Ermittlung der deutschen Vorschläge. Zunächst wurden in einem zweiteiligen Verfahren in den Bundesländern Vorschläge gesammelt, die den Kriterien in Art. 2 Abs. 1-2 und Art. 15 des Unesco-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes vom 17. Oktober 2003 (in der offiziellen Übersetzung des Sprachdienstes des Auswärtigen Amts) entsprechen.

Sodann werden die Vorschlagslisten der Länder dem Kulturauschuss der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt. Daraufhin nimmt sich das Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe der Deutschen Unesco-Kommission dieser Liste an und packt seine Auswahl in ein bundesweites Verzeichnis. Und aus diesem Verzeichnis werden dann wiederum Vorschläge zur Nominierung an die Unesco geschickt, auf dass sie es schließlich auf die "Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit" und die "Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes" schaffen.

Diese Vorschläge müssen dann noch mal der KMK und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) zur staatlichen Bestätigung vorgelegt werden. Und dann geht der Brief an die Unesco raus.

Das deutsche Wesen

So weit ist es noch lange nicht, wir befinden uns erst auf Stufe zwei des innerdeutschen Auswahlverfahrens, aber immerhin so viel ist jetzt bekannt: Es gibt eine Liste mit 83 deutschen Vorschlägen. Was steht auf dieser Liste? Das ist zwar nicht richtig geheim, aber eben auch nicht zur Veröffentlichung bestimmt, kann man aus der deutschen Unesco-Pressestelle erfahren.

Dankenswerterweise hat die Nachrichtenagentur dpa aber nicht locker gelassen und herausgefunden, dass neben dem Fasching (beziehungsweise Karneval) auch die Schützenvereine, die Passionsspiele in Oberammergau sowie Ludwig van Beethoven im Rennen sind. Und: Bier. Brot. Skat.

Ohne die restlichen Elemente zu kennen, können wir nun also beruhigt das Ende des Auswahlverfahrens abwarten: Das deutsche Wesen wird sich darin gewiss angemessen wiederfinden. Wenn wir dürfen, würden wir allerdings gerne noch einen Vorschlag nachreichen, vielleicht nicht unbedingt schützenswert, aber dennoch unverzichtbar für die Beschreibung der deutschen Kultur:

die Bürokratie.

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
thelinguist 25.06.2014
1.
Ob man Bier, Brot und Skat als Kulturerbe gelten läßt, ist eine Sache. Aber Bier und Brot sind gewiss nicht immateriell - das ist 'mal klar.
jeanjuan 25.06.2014
2. Historisch einiges vorhanden
Mir fällt dabei zum Beispiel etwas ein: die Anfänge der Säkularisierung sind auf den Investiturstreit zwischen den deutschen Kaisern und dem Papst zurückzuführen. Im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation hat die Trennung von weltlicher und geistlicher Macht im wesentlichen ihren (aus heutiger Sicht bescheidenen) Anfang gefunden. Davor war entweder Religion dem Staat oder der Staat der Religion unterworfen.
raber 25.06.2014
3. Bier stammt aus Iran
Habe in unterschiedlichen Quellen gelesen, dass das Bier aus der Gegend um den jetzigen Iran stammt. Kann es dann immer noch Deutsches Weltkulturerbe sein?
saul7 25.06.2014
4. Wohl
Zitat von sysopDPAWas macht das Wesen der deutschen Lebensart aus? Die Unesco sammelt das immaterielle Weltkulturerbe - aus Deutschland liegen nun 83 Vorschläge vor. Offiziell sind sie geheim, aber etwas ist schon durchgesickert. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/bier-skat-und-brot-koennen-unesco-weltkultuererbe-werden-a-977427.html
nur wenige Länder können sich glücklich schätzen ein Bier nach Deutschem Reinheitsgebot von 1516 zu haben. Da Beethoven mein deutscher Lieblingskomponist ist und ich zuweilen auch die unterschiedlichsten Sorten deutsches Brot konsumiere, ist die Wahl doch ganz akzeptabel ausgefallen.
wincel 25.06.2014
5. optional
Als jemand, der aus beruflichen Gründen in die USA ausgewandert ist und das seit mehreren Jahren, kann ich nur sagen: hört mal auf, auf die deutsche Bürokratie zu schimpfen, ihr habt keine Vorstellung davon, wie schlimm das in anderen Ländern ist (gerade in den USA). Da paart man absolute Inkompetenz (keine richtige Ausbildung oder eben nur ein paar Wochen "Training") mit total fragmentierter Gesetzgebung oder Anweisungen, die ebenfalls größtenteils nicht ausgebildete Leute geschrieben haben. Dazu z.B. an der Westküste absolute Konfliktvermeidung und jedem wird wegen allem auf die Schulter geklopft, man könnte ja beleidigend/verletzen sein - und die deutsche Bürokratie wird ein notwendiges Übel, dass ich liebend gerne wieder hätte. Im Normalfall funktionieren da Sachen nämlich und in vernünftigem Zeitfenster ...
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