"Big Brother" Ein Dorf ohne Hilton

Wie möbelt man ein Fernseh-Kaff auf, dass sich quotenmäßig in eine Sackgasse verwandelt? Man macht ein Luxushotel auf. Noch besser: Man inhaftiert die berühmteste Luxushotelerbin der Welt. Doch Paris Hilton kostet - für die Produzenten des "Big Brother"-Dorfs zu viel.


Glamourgirl Hilton: Kein Bedarf am Dorf
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Glamourgirl Hilton: Kein Bedarf am Dorf

Wer Paris Hilton sagt, muss Zahlen nennen: 200.000 Dollar Gage für einen Clubbesuch, 500.000 Euro für einen Werbespot im Auftrag von GoYellow, den Gelben Seiten im Internet, 114 Millionen Gesamtumsatz in den letzten fünf Jahren, ach ja, und nicht zu vergessen: rund 25 Millionen Dollar Erbe. Die zurzeit gefragteste Blondine der Welt gehört nicht zu jenen Leichtlohngruppen, die sich kulturell von Gameshows und ansonsten von Burgern ernähren müssen - jenen Burgern übrigens, die Hilton in Amerika für die Fastfood-Kette Carl's Jr. so lasziv bewarb, dass der Eltern-Fernsehrat in Los Angeles von Softpornos sprach und zum Boykott aufrief.

Im "Dorf" hingegen, dem aktuellem "Big Brother"-Inhaftierungsareal, sprechen die Zahlen eine andere Sprache: Weniger als fünf Prozent Martktanteil bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, Zuschauerschwankungen zwischen 500.000 und 1,5 Millionen, zeitweise Werbeauslastung der "Big Brother"-Shows bei nur zehn Prozent.

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Party-Göre: Mit Paris Hilton um die Welt

Ein Gastauftritt des blonden It-Girls wird sich also rechnen, müssen sich die Zuständigen bei Endemol, der "Big Brother"-Produktionsfirma gedacht haben. Auch wenn sich RTL2 und Endemol auf eine Fortsetzung der Reality-Soap auf unbestimmte Zeit geeinigt haben, PR im Hilton-Stil kann nicht schaden. Im Gegenteil: Die Party-Göre ist das derzeit gefragteste Medienprodukt der Welt.

Außerdem hat Hilton Erfahrung mit rustikalen Millieus: In der amerikanischen Doku-Soap "Simple Life" lernte sie das Landleben kennen und mistete perfekt geschminkt Kuhställe aus. Im "Dorf" hätte sie vielleicht dem dortigen Automechaniker zur Hand gehen können, womit man wieder bei der Burger-Werbung wäre, in der die unlängst als "fleischgewordener Klingelton" ("Tagesspiegel") Titulierte einen Bentley mit dem Podex poliert.

Wohnbereich im "Dorf": Soll hier eine Millionenerbin wohnen?
AP

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Eine Abreibung bekam schließlich auch Endemol: Fünf Millionen Dollar wolle sie für eine Teilnahme am "Big Brother"-Dorf haben, zitiert die dpa heute einen Sprecher des Unternehmens. Die Produktiopnsfirma wollte für die 24-Jährige jedoch nur eine Million berappen - für Hilton, die angeblich bereits mit neun Jahren ihre erste Kreditkarte erhielt, nicht akzeptabel. So bleibt Deutschlands Fernseh-Dorf ein Star-freies Provinznest. Ohne Hotel - und ohne Erbin.

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