Bigamie-Vorwürfe: Neue Ermittlungen gegen Ai Weiwei 

Bigamie, Pornografie und unerlaubter Geldwechsel. Die chinesischen Behörden haben dem regimekritischen Künstler Ai Weiwei abermals Reisebeschränkungen auferlegt - und begründen dies mit neuen Ermittlungen gegen ihn. Ai wehrt sich: Die Vorwürfe seien eine Farce.

Chinesischer Regimekritiker Ai Weiwei: "Sie wollen mich einfach nur vernichten" Fotos
REUTERS

Hamburg/Peking - Der Künstler Ai Weiwei darf China trotz des Ablaufs einer einjährigen Aufenthaltsbeschränkung nicht verlassen. Die Behörden begründen die Reisebeschränkung mit neuen Ermittlungen gegen ihn.

"Sie hatten gesagt, dass sie mir meinen Reisepass zurückgeben, aber das haben sie nicht gemacht", sagte Ai Weiwei der Deutschen Presse-Agentur. Am Donnerstag war seine Auflage, Peking nicht verlassen zu dürfen, offiziell aufgehoben worden. "Sie haben mir meine Freiheit partiell zurückgegeben, aber sie erlauben mir nicht, ins Ausland zu reisen - und das ohne jede rechtliche Basis."

Als er nach dem Grund der Reisebeschränkung gefragt habe, hätten ihm die Beamten geantwortet, dass noch in weiteren Verfahren gegen ihn ermittelt werde, erklärte der 55-Jährige. Ihm würden Bigamie, Pornografie und unerlaubter Geldwechsel vorgeworfen. "Das ist lächerlich", sagte Ai Weiwei. "Das ist so lachhaft, dass es mir der Beamte noch nicht einmal mit einem ernsten Gesicht sagen konnte."

Er bezeichnet die Vorwürfe als Drohung auf niedrigem Niveau. "Das ist eine Farce, die darauf abzielt, mich von meinen freien Meinungsäußerungen abzuhalten." Es sei unklar, ob tatsächlich gegen ihn ermittelt werde. Die Beamten hätten ihm keine Akten zeigen können.

Die fortdauernden Reisebeschränkungen unterbinden zunächst seine Pläne, im Herbst in die USA und nach Deutschland zu reisen. In Berlin wollte Ai Weiwei an der Universität der Künste eine mögliche Dozententätigkeit besprechen. "Diese Pläne sind davon alle betroffen", bestätigte Ai Weiwei.

Im April 2011 hatten Sicherheitskräfte den Künstler zunächst ohne Anklage 81 Tage lang an einem unbekannten Ort festgehalten. Seine Firma Fake wurde anschließend wegen Steuerhinterziehung zu einer Zahlung von 15,22 Millionen Yuan (1,9 Millionen Euro) verurteilt. Über die Klage seiner Firma gegen die Steuerbehörde wegen unrechtmäßiger Ermittlungen wurde am Mittwoch in Peking verhandelt; ein Urteil wird nicht vor dem 30. Juni erwartet. Sicherheitskräfte hatten Ai Weiwei am Mittwoch daran gehindert, vor Gericht zu erscheinen.

sha/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Peinlich
snickerman 21.06.2012
Fällt den Behörden wirklich nur noch so ein Müll ein, um den Künstler und Dissidenten Ai in seiner Freiheit zu beschneiden? Armselig und lächerlich. Was kommt als Nächstes an Vorwürfen? Kleine Katzen ertränkt? Omma den Krückstock weggetreten? Unerlaubt nach Öl gebohrt? Au Mann, wenn Lächerlichkeit töten würde, es fielen diesmal nicht nur Reissäcke in China um, insbesondere in Peking...
2. Der Herr
krampfader 21.06.2012
ist ein unbelehrbarer Querulant, dem jede diplomatische Contenance abgeht. Wahrscheinlich sonnt er sich in seiner Verfolgung- bitte langweilen Sie die Leser nicht mehr mit Ai Weiwei & Ihren Krokodilstränen.
3. Querulant vielleicht...
EvilTechno 22.06.2012
Sollte nicht ein ordentliches Gericht darüber entscheiden? Also nach einer rechtstaatlichen Verhandlung, ganz altmodisch mit Beweisen und Zeugs? Oder ist das neuerdings ein Job für die Exekutive?
4. das hat doch System...
l.w 22.06.2012
Mißbrauch, Mehrehe, Veruntreuung, auf die Straße spucken - ob nun Assange oder Ai - sind die wirklich so schlimm?! Oder mag man da was wittern?
5. Wenn ich wieder sowas lese...
suane 22.06.2012
Zitat von krampfaderist ein unbelehrbarer Querulant, dem jede diplomatische Contenance abgeht. Wahrscheinlich sonnt er sich in seiner Verfolgung- bitte langweilen Sie die Leser nicht mehr mit Ai Weiwei & Ihren Krokodilstränen.
dann bin ich einfach nur dankbar, dass Menschen wie Sie nach dem Fall der Mauer in Deutschland nicht mehr viel zu melden haben. Überdenken Sie Ihren Kommentar lieber nochmal. Sonst könnte man meinen sie würden für die Unterdrückung von Menschenrechten sein, für deren Einhaltung Ai Weiwei und viele andere kämpfen.
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