Sommerskandale: Bikini-Gate im Schweizer Bundeshaus

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Eine Nackte! Und das auf dem Flughafen! Während in Edinburgh mit Rücksicht auf Flugpassagiere ein Picasso-Akt verhüllt wurde, treibt die Prüderie im Berner Bundeshaus ganz andere Blüten. Ein Blick auf zwei Skandale des Sommers 2012.

Sommerskandale: Die bizarre Welt des Bikinis Fotos
Corbis

Während sich die Deutschen über den schlechten Sommer beklagen, haben die Schweizer ganz andere Probleme: Ihnen ist zu heiß. Und so hat dort jenes Kleidungsstück, das nur unwesentlich größer ist als die Schweiz auf einer Europakarte, einen regelrechten Sommerskandal ausgelöst. Der Bikini.

Wie die "Neue Zürcher Zeitung" ("NZZ") meldet, sah sich die Berner Bundeskanzlei gezwungen, die örtlichen Politikberichterstatter in die Schranken zu verweisen, weil sie ihre Badekleidung an der falschen Stelle zum Trocknen aufgehängt hatten - an den Fenstern des Schweizer Bundesmedienzentrums. Dieses Verhalten habe nun die Bundeskanzlei veranlasst, via Aushang mitzuteilen, "dass die Fenster des Medienzentrums kein Wäscheständer" seien. Schließlich sei der Anblick von Bikinis und Badehosen an den Fenstern bei offiziellen ausländischen Besuchen "nicht optimal".

Wenn sich die Schweizer da nicht irren - hat man in anderen, fast ebenso puritanisch geprägten Gegenden wie der Schweiz doch mitunter das Problem, dass Frauen eben keinen Bikini tragen.

Irritierte Passagiere

Am Flughafen von Edinburgh kam es, wie die BBC meldet, zu dem zugegebenermaßen empörenden Vorfall, dass eine vollkommen Nackte die Passagiere irritierte. Die dortige Verwaltung schritt ebenso schnell zur Tat wie ihre Berner Kollegen. Sie ließ die Dame verhüllen.

Nur Kunsthistoriker und andere Haarspalter dürften einwenden, dass es sich bei der Nackten um Marie-Thérèse Walter handele, eine Geliebte Picassos, die dieser im Jahr 1932 porträtiert hatte, unter dem Titel "Nackte Frau in rotem Sessel". Auf einem Poster warb das Bild nun für eine Ausstellung in der Scottish National Gallery of Modern Art.

Wie wäre es also mit folgedem Vorschlag zur Güte: Die Schweizer Bundeshausverwaltung erlaubt den dort akkreditierten Journalisten das Nacktbaden. Wir Deutschen hingegen hören auf, über das Wetter zu klagen. Unsere Badekleidung schicken wir nach Schottland. In der dortigen Picasso-Ausstellung gibt es schließlich noch einiges mehr zu verhüllen.

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