"Bild"-Anzeige in der "taz" Diekmann und Genossen, Teil 271

"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann hat der "taz" einen Ausweg für den Fall vorgeschlagen, dass das Springer-Blatt einmal wieder eine Anzeige in der linken "tageszeitung" schalten wollen sollte:  Die "taz" soll ablehnen und ihre Leser um das ausgefallene Honorar anbetteln.

Diekmann-Wandrelief am "taz"-Gebäude: Herzliche Hassliebe
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Diekmann-Wandrelief am "taz"-Gebäude: Herzliche Hassliebe


Berlin - Es ist die jüngste Episode einer seit Jahren ausgelebten gegenseitigen Hassliebe: Kai Diekmann, Chefredakteur der "Bild", ist einmal wieder als Teilhaber der "taz" (der er tatsächlich ist) aufgetreten - und neckt die Genossen mit einem in aller Ernsthaftigkeit vorgetragenen Vorschlag, der tatsächlich den Köpfen der sich ständig auf der Suche nach Geldquellen befindlichen "taz"-ler entsprungen sein könnte: Immer, wenn die "Bild" in Zukunft eine Anzeige in der "taz" schalten will, soll die Zeitung ablehnen und stattdessen ihre Abonnenten auffordern, den entgangenen Anzeigenerlös auszugleichen.

Vorangegangen war der bei "taz"-Lesern und Redaktion umstrittene Abdruck einer Werbeanzeige für "Bild", deren Motiv ein Brief der Wir-sind-Helden-Sängerin Judith Holofernes an die Werbeagentur Jung von Matt (JvM) ist, in welchem diese sich mit deutlichen Worten davon distanziert, sich an einer Werbekampagne für "Bild" zu beteiligen.

Mit den Worten "Ich glaub, es hackt" begann Holofernes ihr Wutschreiben gegen das Springer-Blatt. Das Statement wurde via Twitter zigfach weitergeleitet und gehörte zu den Top-Themen des Internetdienstes. Es gab Lob für die Aktion in den sozialen Netzwerken, aber auch Kritik.

Just an dem Tag, an welchem im redaktionellen Teil der "taz" ein ganzseitiges Interview mit Holofernes zu ihrer Ablehnung der "Bild" stand, schaltete der Springer-Verlag seinerseits eine ganzseitige Farbanzeige in derselben Ausgabe, in welcher der Ablehnungsbrief Holofernes' zum Werbetext umfunktioniert wird.

Ist die "taz" Holofernes in den Rücken gefallen?

Sowohl in der Leserschaft als auch in der "taz" gibt es seither sehr gegensätzliche Meinungen zu dieser Anzeige: Hat sich die "taz" von Springer kaufen lassen, ist sie Holofernes damit in den Rücken gefallen? Oder war es schlicht die Annahme einer Anzeige, die der Zeitung dringend benötigtes Geld einbringt, und schon deshalb nicht verwerflich, weil sie nicht gegen die hausinternen Ausschlusskriterien für den Abdruck von Anzeigen verstieß: Holofernes' Brief ist weder sexistisch, kriegsverherrlichend noch rassistisch. Zudem habe Holofernes den Text längst selbst veröffentlicht.

Im "taz"-eigenen Hausblog macht Diekmann nun den Vorschlag, das moralische Dilemma damit zu lösen, die "taz"-Abonnenten für abgelehnte "Bild"-Anzeigen zahlen zu lassen - immerhin 12.255 Euro kostet so eine ganzseitige Farbanzeige in der "taz".

Die besondere Beziehung von Diekmann zur linken "tageszeitung" manifestiert sich unter anderem in einem Wandrelief des Künstlers Peter Lenk, das seit anderthalb Jahren eine Außenwand des "taz"-Verlagsgebäudes ziert. Seither lässt es sich der "Bild"-Chef nicht nehmen, immer wieder gegen das linke Blatt zu sticheln.

"Wollen Sie diesen Vorschlag nicht aufnehmen?", fragt Diekmann nun treuherzig. Doch der stellvertretende "taz"-Chefredakteur Reiner Metzger winkt ab: "Das machen wir nicht. Wir drucken Anzeigen und nehmen das Geld dafür." Allerdings könne sich das in Zukunft auch ändern: "Ich weiß ja nicht, was sich unsere Geschäftsführung morgen einfallen lässt."

kuz/dpa

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
dango 02.03.2011
1. Liebe Judith Holofernes,
VIELEN DANK !! :-) Ich hoffe, sämtliche Bundestagsabgeordneten, - die routinemäßig in den Sitzungen des deutschen Bundestags aus der BILD zitieren und suggerieren, als wäre diese das höchste, was der deutsche Journalismus zu bieten hat - oder im Plenum sitzen und deutlich sichtbar die BILD lesen (ok, mittlerweile auch mal nicht mehr ganz so sichtbar auf dem steuerfinanzierten IPad), Ihren absolut zutreffenden Brief gelesen haben und sich mal Gedanken machen ! Herzlichst Nein, nicht der Wagner...
dekantil 02.03.2011
2. Respekt
die Frau hat´s drauf!
Bre-Men, 02.03.2011
3. TazBlöd
Die Bild ist ein Hetzblatt und Taz ein selbiges aus Käse.
links_rechts 02.03.2011
4. Ich verstehe ja Frau H.
wenn Sie es ablehnt für Bild zu werben. Aber ihre Antwort auf die Anfrage trieft vor Hass und Selbstgerechtigkeit. Dabei ist sie doch selbst Teil des Systems. Ohne Medien, egal welcher Art wäre sie mit ihrer Klimpertruppe nie so bekannt geworden. Rein musikalisch fand ich sie teilweise recht gut, aber wenn ich höre, was da für ein Geist dahinter steckt wird mir übel. Ich werde jedenfalls keine Musik mehr von ihr kaufen. Was sie kann, kann ich schon lange.
Hansschwarz 02.03.2011
5. Bild/taz
Axel Springer würde sich im Grabe umdrehen, wenn er all diese Schweinereien seiner früheren BILD erfahren würde. Allein der Schmutz(´schwarzer Farbe) von heute, würde ihn abstoßen. Wundern tut mich nur, dass seine Friede Springer das alles zu läßt? Oder liest sie auch nicht dieses Hezt-Blatt nicht mehr??? Pfui Deibel! Ohne Mehr dazu!
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