Axel-Springer-Verlag Chefredakteurin Tanit Koch verlässt die "Bild"-Zeitung

Sie war die erste Frau an der Spitze der auflagenstärksten Zeitung Deutschlands. Nun verlässt Tanit Koch nach nur zwei Jahren als Chefredakteurin das Blatt. "Bild" führt nun komplett Julian Reichelt.

Tanit Koch
DPA

Tanit Koch


Die Chefredakteurin der "Bild"-Zeitung, Tanit Koch, verlässt das Blatt Ende Februar. Das gab der Axel Springer Verlag, in dem die Zeitung erscheint, am Freitag in Berlin bekannt. Koch hatte erst vor zwei Jahren die Nachfolge des langjährigen "Bild"-Chefredakteurs Kai Diekmann angetreten.

Die 40 Jahre alte Journalistin war die erste Frau an der Spitze des Boulevardblatts. Sie wird "auf eigenen Wunsch aus dem Verlag ausscheiden", so die Springer-Pressemitteilung. "Innerhalb eines Jahrzehnts hat sie es von der Volontärin an die Spitze von Europas größter Tageszeitung geschafft", so Springer-Chef Mathias Döpfner. Sie habe Großartiges für "Bild" geleistet.

Allerdings war bereits im Februar 2017 Julian Reichelt (37), Chef der "Bild"-Onlineausgabe, zum Vorsitzenden der Chefredaktionen aller Titel der Marke "Bild" ernannt worden. Reichelt übernimmt nun zusätzlich die Position des Chefredakteurs "Bild" Print. "Die Verantwortungskonstellation in der Chefredaktion war zwar gut gemeint", so Döpfner, habe aber in der Praxis nicht funktioniert, weil diese Aufstellung nicht zu "Bild" passe: "'Bild' braucht ganz klare Verhältnisse."

In einer Abschiedsmail an die "Bild"-Redaktion nannte Koch Gründe für ihren Abschied: "Wenn zwei Menschen professionell nicht harmonieren, lässt sich das eine Zeitlang durch Kompromisse ausgleichen. 2017 war davon geprägt, bis meine Kompromissbereitschaft an ihre Grenzen gelangte." Ihr sei in diesem Zeitraum auch klar geworden, dass sich "Bild" nicht durch Kompromisse auszeichne, sondern durch Klarheit, betonte Koch.

Der Deutschen Presse-Agentur sagte Koch auf die Frage, ob sie in einem Machtkampf mit Julian Reichelt unterlegen sei: "Es hat in der Konstellation schlicht nicht funktioniert." Ausdrücklich bedankte sich Koch in der Abschiedserklärung bei ihrer Redaktion. Sie verlasse die "Bild"-Zeitung "mit einem Lächeln". Zu möglichen Zukunftsaufgaben äußerte sich Koch vage: "Ich freue mich jetzt auf das nächste Abenteuer."

feb/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dirkozoid 02.02.2018
1. Reichelt passt zu Bild
Frau Koch hat da wohl nur gestört in seiner Welt, in der alles schwarz-weiß ist und er bzw. Bild immer zu den Guten gehört, während alle, die nicht seiner Meinung sind, die Bösen sind.
denkpanzer 02.02.2018
2. Überschrift
Endlich wird der Platz frei für den ahlglatten Reichelt. Es darf weiter gelogen, manipuliert und Politik gemacht werden.
post.scriptum 02.02.2018
3. Irgendwann wird Döpfner ...
... Kai aus der Kiste holen (müssen), wenn der Auflagenabsturz der Bild so weiter geht. Aber vermutlich wird auch er ihn nicht stoppen können. So könnte es durchaus sein, dass es in rd. 15 Jahren gar keine Print-Ausgabe von Bild mehr gibt, allzumal gerade die Boulevard-Zeitungen weltweit durch die noch weiter zunehmende Digitalisierung ins Straucheln geraten sind. Was in den 1970er Jahren nur die Setzer betraf, trifft jetzt die ganze Branche.
hansvonderwelt 02.02.2018
4. Jedes Ende ist ein neuer Anfang !
Frau Koch ist eine "Solitärjournalistin",eine Chance für den SPIEGEL......!
bo73 02.02.2018
5. Zur Wahrheit gehört aber auch...
...dass die Tätigkeitsbilanz von Frau Koch ein Disaster offenbart. BILD hat unter ihrer Führung den Auflagenrückgang nicht nur nicht gestoppt, sondern soll in den letzten beiden Jahren noch weitere 500.000 Leser verloren haben. Das ist so überdurchschnittlich stark, das es durch die Tendenz zum elektronischen Medienkonsum nur bedingt zu erklären ist. Die Auflage soll jetzt nur noch 1 Million betragen - in den 90ern waren es noch 5 Millionen. Die hier gestrickte Geschichte von der „tapferen, hochkompetenten Powerfrau“, die keine Lust mehr hat, sich männliches Querfeuer eines Konkurrenten anzutun, ist m.E. nach vorgeschoben. Es spricht doch einiges dafür, dass eine Kapitänin fluchtartig das sinkende Schiff verlässt, um einem Rauswurf zuvorzukommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.