"Bild"-Kritik im TV Stars werben für "Bildblog"

Kaum jemand kritisiert die "Bild"-Zeitung so ausdauernd wie das "Bildblog". Jetzt bekommt das Internet-Angebot prominente Unterstützung: Von morgen an spielen die TV-Stars Anke Engelke und Christoph Maria Herbst in einem Fernseh-Werbespot des Blogs.


Hamburg - Im Internet sind sie längst eine feste Größe, nun erobern die Journalisten und "Bildblog"-Macher Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis auch noch den Bildschirm - und zwar mit prominenter Unterstützung: Die Fernsehcomedians Anke Engelke und Christoph Maria Herbst spielen in einem Fernseh-Werbespot der kritischen "Bild"-Zeitungs-Beobachter mit. Das meldet der "Stern" in seiner aktuellen Ausgabe.

In dem Werbefilm spielen Engelke und Herbst ein Liebespaar, das sich gegenseitig mit Komplimenten und anderen Liebesbezeugungen überschüttet. Am oberen Bildrand aber zählt eine digitale Anzeige die Lügen der beiden. Am Ende des Spots steht der Satz: "Jede Lüge braucht einen Mutigen, der sie zählt" - eine Parodie auf den Werbeslogan der "Bild", "Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht". Ausgestrahlt wird der Spot von diesem Donnerstag an zunächst auf MTV, Viva und Comedy Central.

"Bildblog" selbst musste für die Herstellung des Spots keinen Pfennig bezahlen: Finanziert hat den Werbefilm die Produktionsfirma Brainpool ("Stromberg", "Ladykracher"). Auch die Schauspieler waren umsonst dabei. Engelke und Herbst verzichteten ebenso wie Regisseur Tobi Baumann ("Der Wixxer") auf eine Gage. Ihre Sympathie für das "Bildblog" begründete Engelke im "Stern" so: "Die fotografieren einen wenigstens nicht beim Müllrausbringen." Niggemeier freut sich über die Unterstützung: "Wir mussten niemanden überreden", sagte der Journalist zu SPIEGEL ONLINE, lediglich die Werbezeit müsste "Bildblog" den Sendern bezahlen.

"Wir wollen mit dem Spot eine breite Öffentlichkeit auf 'Bildblog' aufmerksam machen", begründet Niggemeier die Aktion. Ihm sei wichtig, dass in dem Spot in Zusammenhang mit der "Bild" klar das Wort "Lüge" ausgesprochen werde. Angst vor juristischen Konsequenzen hat er nicht: "Wir haben inzwischen genügend Belege für bewusste Verdrehungen seitens der 'Bild', wir haben das alles dokumentiert."

Außerdem möge er den Sketch-Charakter des Werbefilms: "Der Spot ist nicht verbissen, sondern geht unterhaltsam an die Sache ran - so wie wir bei 'Bildblog' das auch tun."

Man sei derzeit noch in Verhandlung, den Spot auch im Kino und auf weiteren Sendern zu zeigen. "Es wäre ein Traum, die Werbekampagne zur Primetime bei RTL auszustrahlen", sagte Niggemeier. "Allerdings", so der Journalist, "könnten wir von dem Geld, das wir dafür bezahlen müssten, den Spot bei RTL ein einziges Mal zur Primetime zu zeigen, fast ein Jahr lang 'Bildblog' machen."

Beim Springer-Verlag äußerte man sich distanziert über den Anti-"Bild"-Spot: "Wir können uns nicht zu etwas äußern, was man noch gar nicht sehen kann", sagte Verlagssprecher Dirk Meyer-Bosse auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE.

Das "Bildblog" versteht sich als ein unabhängiges, journalistisches Internetangebot, das sich seit Juni 2004 kritisch mit "Bild", "Bild am Sonntag" und Bild.de auseinandersetzt.

hoc



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