Berichterstattung über Wetterexperten "Bild" muss Kachelmann erneut Schmerzensgeld zahlen

Seit Jahren läuft der Rechtsstreit zwischen "Bild" und Jörg Kachelmann - jetzt hat der Bundesgerichtshof eine Beschwerde des Unternehmens zurückgewiesen: Eine weitere Entschädigung von rund 235.000 Euro wird fällig.

Jörg Kachelmann
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Der Medienkonzern Axel Springer muss dem Wettermoderator Jörg Kachelmann erneut ein hohes Schmerzensgeld zahlen. Nach Informationen des NDR-Medienmagazins "Zapp" wies der Bundesgerichtshof eine Beschwerde des Unternehmens zurück; der Beschluss liegt der Redaktion nach eigenen Angaben vor.

Axel Springer hatte beanstandet, dass eine Revision gegen ein Urteil des Oberlandesgerichts Köln aus dem Jahr 2016 nicht zugelassen war. Durch die Zurückweisung wird das Urteil nun rechtskräftig und eine Entschädigung in Höhe von rund 235.000 Euro fällig, inklusive Schadensersatz und Zinsen seit August 2010.

Kachelmann hatte "Bild", "Bild am Sonntag" und "Bild.de" vorgeworfen, auf schwerwiegende Weise gegen seine Persönlichkeitsrechte verstoßen zu haben. 2010 wurde er von einer Ex-Geliebten wegen Vergewaltigung angeklagt - und letztendlich freigesprochen. Die Springermedien hätten - so der Vorwurf Kachelmanns -, vor, während und nach dem Prozess eine Kampagne gegen ihn gefahren, wobei er sich der Schmähkritik ausgesetzt sah und Details aus seinem Intimleben an die Öffentlichkeit getragen wurden.

Die Kölner Richter hatten Mitte Juli 2016 entschieden, dass "Bild" sowohl in der gedruckten Ausgabe als auch online mehrmals die Grenzen des Erlaubten überschritten und Jörg Kachelmanns Persönlichkeitsrechte schwer verletzt habe. Sie sprachen ihm ein hohes Schmerzensgeld zu und schlossen eine Revision aus. Springer legte daraufhin eine Nichtzulassungsbeschwerde beim BGH ein. Diese wurde bereits im April diesen Jahres für die Berichterstattung u.a. in der Print-Ausgabe von "Bild" abgelehnt.

Damals musste das Medienhaus an Kachelmann rund 295.000 Euro inklusive Zinsen zahlen. Nun erging auch der Beschluss hinsichtlich der Berichterstattung bei bild.de. Insgesamt beläuft sich die Schmerzensgeldsumme für den Wettermoderator also auf 530.000 Euro.

"Es ging uns nicht um einen Schmerzensgeldrekord, sondern um Genugtuung für unzählige Lügen, Vorverurteilungen und Verletzungen der Intim- und Privatsphäre unseres Mandanten", sagte Kachelmanns Anwalt Ralf Höcker gegenüber "Zapp".

Die Axel Springer SE, zu der "Bild" und "bild.de" gehören, teilte auf Anfrage von "Zapp" mit, dass man die Entscheidung des BGH mit Bedauern zur Kenntnis genommen habe. Man prüfe die Möglichkeit einer Verfassungsbeschwerde. Eine aufschiebende Wirkung für die Schmerzensgeldzahlung hätte eine solche Verfassungsbeschwerde allerdings nicht.

Anmerkung der Redaktion: Jörg Kachelmann arbeitet regelmäßig für den SPIEGEL Verlag.

eth

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