Streit bei Springer: "Bild"-Chefredaktion distanziert sich von Anti-Islam-Kommentar

Der Islam sei ein Integrationshindernis - diese Meinung hat Nicolaus Fest, Vizechefredakteur der "Bild am Sonntag", in einem Kommentar vertreten. Sein Chef Kai Diekmann geht öffentlich auf Distanz.

Kommentar am Montag in der "Bild"-Zeitung: Streit in der Chefredaktion Zur Großansicht

Kommentar am Montag in der "Bild"-Zeitung: Streit in der Chefredaktion

Berlin - Der Kommentar von "Bild am Sonntag"-Vizechefredakteur Nicolaus Fest zum Thema Islam ist gerade einmal 106 Wörter lang - 106 Wörter, die für Aufregung sorgen und nun dazu geführt haben, dass seine Chefin Marion Horn und der Chefredakteur der "Bild"-Zeitung Kai Diekmann auf Distanz gegangen sind.

"Islam als Integrationshindernis" lautet die Überschrift von Fests Meinungsartikel. Darin heißt es:

"Nur der Islam stört mich immer mehr (…)

Mich stören Zwangsheiraten, 'Friedensrichter', 'Ehrenmorde'. Und antisemitische Pogrome stören mich mehr, als halbwegs zivilisierte Worte hergeben.

Nun frage ich mich: Ist Religion ein Integrationshindernis? Mein Eindruck: nicht immer. Aber beim Islam wohl ja. Das sollte man bei Asyl und Zuwanderung ausdrücklich berücksichtigen!"

Die Reaktionen kamen prompt. User auf Twitter und Facebook warfen Fest Rassismus und Hetze vor. Der Grünen-Politiker Volker Beck forderte eine Entschuldigung, Ruprecht Polenz von der CDU nannte den Kommentar "rassistisch und hetzerisch".

Selbst im eigenen Haus musste Fest herbe Kritik einstecken. Dabei hatte er die Reaktionen via Twitter zunächst noch süffisant kommentiert: "Herrlicher Shitstorm! Offensichtlich finden viele Homophobie, Antisemitismus & Ehrenmorde völlig ok."

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Das sah Kai Diekmann, Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, der auch Gesamtherausgeber der "Bild"-Gruppe ist, anders. Diekmann twitterte am Sonntagabend einen Link zu einem Kommentar von sich, der nun am Montag in der "Bild"-Zeitung" erschienen ist. Diekmann schreibt darin:

"Bei BILD und Axel Springer ist (…) kein Raum für pauschalisierende, herabwürdigende Äußerungen gegenüber dem Islam und den Menschen, die an Allah glauben."

"Wer eine Religion pauschal ablehnt, der stellt sich gegen Millionen und Milliarden Menschen, die in überwältigender Mehrheit friedlich leben."

"Genau solche Auseinandersetzung entlang religiöser Grenzen wollen wir NICHT. Wir wollen sie nicht führen, nicht befördern und nicht herbeischreiben. Denn sie enden immer verheerend - das hat die Geschichte oft genug gezeigt!"

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Damit stellt sich Diekmann, der sich in seinem Text explizit auf Verlagsgründer Axel Springer und den Vorstandsvorsitzenden des Axel-Springer-Konzerns Mathias Döpfner bezieht, gegen den eigenen Journalisten. Auf Twitter verkündete Diekmann, dass er zudem seinen "Freund Özcan Mutlu" gebeten habe, Fests Text ebenfalls zu kommentieren. Hier ein Auszug aus dem Meinungsartikel des Grünen-Bundestagsabgeordnete, der ebenfalls an diesem Montag in der "Bild"-Zeitung erschienen ist:

"Als überzeugter Demokrat in einem liberalen Land bin ich stolz auf unser Grundgesetz und das Recht auf freie Meinungsäußerung. Der Kommentar ist jedoch für mich Rassismus pur. Die Hasstiraden des Autors schüren ohne Not Vorurteile, Ängste und Menschenfeindlichkeit."

Auf Distanz zu ihrem Stellvertreter ging am Sonntagabend auch "Bild am Sonntag"-Chefredakteurin Marion Horn via Twitter: "Bild am Sonntag hat Gefühle verletzt. Ganz deutlich: Wir sind nicht islamfeindlich! Ich entschuldige mich für den entstandenen Eindruck."

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Sie wies zudem ihren Vize zurecht. Der schrieb am Abend noch auf dem Kurznachrichtendienst: "Morgen in BILD: Diekmann zu #IntegHindernisIslam. Aber gibt es Grenze zw. Islam / Islamismus? Antisem.Demonstranten waren Mütter & Normalos."

Horn antwortete: "Natürlich gibt es diese Grenze!!!"

Ihr Kollege Diekmann verabschiedete sich wenig später am Sonntagabend auf Twitter mit einem Hinweis auf ein Zitat von Winston Churchill ("mein Sinnspruch des Abends"), wonach ein Chef nicht alle Fehler selbst macht: "Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selbst. Er gibt auch anderen eine Chance."

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heb

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