Hamburg/Frankfurt - Es gehört zu Raffaels berühmtesten Werken, jetzt kommt es nach Frankfurt am Main: Das Städel Museum hat das Porträt "Bildnis des Papstes Julius II." gekauft. Mit der Neuanschaffung werde eine Tradition weitergeführt, da das Museum bereits über zahlreiche Zeichnungen des Meisters verfüge, sagte die Pressesprecherin des Städel, Dorothea Apovnik. Das "Bildnis" sei aber das erste Gemälde Raffaels im Besitz des Museums. Es solle künftig ein zentrales Werk in der Sammlung "Alte Meister" sein. Dort wird das Bild vom 15. Dezember an zu sehen sein.
Das Porträt ist zwischen Juni 1511 und März 1512 in Rom entstanden und zeigt den bärtigen Papst lebensgroß in Dreiviertelfigur auf einem Lehnstuhl sitzend. Das Bildnis ist in mehreren Fassungen überliefert; die bekannteste befindet sich in der National Gallery in London, eine weitere in den Uffizien in Florenz. Die Neuanschaffung des Städel weist im Gegensatz zu den anderen Versionen aber eine Reihe von Veränderungen auf, die durch eine Infrarotreflektografie sichtbar werden. So wurde im Lauf des Malprozesses beispielsweise die Haltung der rechten Hand verändert.
"Wir schätzen uns außerordentlich glücklich, ein so hochkarätiges Werk der Hochrenaissance für unsere Altmeistersammlung gesichert zu haben", teilte Städel-Direktor Max Hollein am Dienstag mit. "Für ein Haus, an dem die Raffael-Forschung bereits eine fast 200-jährige Tradition hat, ist dieser Neuzugang von ganz besonderer Bedeutung." Der Einzug eines Werkes, das in so aufregender Weise Einblick in den Schaffensprozess Raffaels und seiner Werkstatt gewährt, sei für das Museum "ein besonderer Glücksfall", ergänzte Jochen Sander, Sammlungsleiter der Abteilung "Alte Meister".
Das Gemälde ging 2007 in die Privatsammlung Ellermann, von der das Städel das Bild 2010 "dank des Entgegenkommens des Verkäufers um einen deutlich unter dem Marktwert liegenden Preis für ein solches Gemälde" erwerben konnte, wie das Museum mitteilte. Genaue Angaben über die Anschaffungskosten wollte das Frankfurter Traditionshaus nicht machen.
Passend zum Neuzugang des Städel soll sich von November 2012 bis Februar 2013 die Ausstellung unter dem Titel "Raffael und das Bildnis Julius II. - Bildpropaganda eines Renaissance-Papstes" ganz dem Thema des Papstbildnisses widmen. Dazu sollen auch die beiden anderen Fassungen aus London und Florenz gezeigt werden, um dem Betrachter einen direkten Vergleich zwischen den drei Versionen zu ermöglichen.
vks
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