Carrie Fishers psychische Erkrankung "Gehe hinaus und zeige mir, was du kannst"

Die Schauspielerin Carrie Fisher litt an einer manisch-depressiven Störung. Doch es gelang ihr, öffentlich darüber zu sprechen. Mit Büchern und Kolumnen machte sie anderen psychisch erkrankten Menschen Mut.

REUTERS

"Ich bin psychisch krank. So viel kann ich sagen. Ich schäme mich nicht dafür. Ich habe das überlebt, ich überlebe es weiter", sagte Carrie Fisher in einem Interview mit dem "People"-Magazin im Jahr 2013. Die als Prinzessin Leia bekannt gewordene Schauspielerin litt an einer bipolaren Störung, mit der sie bemerkenswert offen umging. Sie informierte die Öffentlichkeit, als sei sie auf einer Mission, schreibt das Magazin "Slate" in einer Würdigung.

Fisher hatte bereits 1987 in ihrem semiautobiografischen Buch "Postcards from the Edge" von ihrer Drogensucht und ihrem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter berichtet. 2008 machte sie erstmals ihre psychische Erkrankung und Medikamentenabhängigkeit in ihrem humoristischen Buch "Wishful Drinking" öffentlich, das auch als Theaterstück inszeniert wurde.

Eine bipolare Störung ist eine Erkrankung, die zu den manisch-depressiven Krankheiten zählt. Betroffene leiden an übersteigerten Stimmungsschwankungen: In manischen Phasen schüttet der Körper euphorisch machende Botenstoffe aus, Betroffene fühlen sich wie unter Drogen, voller Tatendrang. Die Kehrseite sind lange Phasen der Depression, geprägt von Ängsten, Schuldgefühlen, Antriebslosigkeit.

Carrie Fisher arbeitete zeitlebens daran, sich mit ihrer Erkrankung zu arrangieren. Als Opfer betrachtete sie sich jedoch nicht, berichtete sehr offen über ihren Zustand und dürfte damit auch vielen anderen Betroffenen Mut gemacht haben. "Ich habe ein chemisches Ungleichgewicht, das mich in seiner extremen Ausprägung in die Klinik bringen kann", sagte sie im Jahr 2013 dem "People"-Magazin.

Das Wichtigste sei zu akzeptieren, dass man Hilfe brauche. Fisher unterzog sich auch einer Elektroschocktherapie, die bei besonders schweren Depressionen eingesetzt wird, und versuchte, dieser als zwar sehr wirksamen, aber als grausam stigmatisierten Therapieform zu mehr Akzeptanz zu verhelfen.

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Von der ersten Episode bis zu einer angemessenen Behandlung vergehen bei der Krankheit im Durchschnitt fünf bis zehn Jahre. Vor allem euphorische Phasen sind häufig nicht so stark ausgeprägt, dass sie auffallen. Viele der Betroffenen gehen erst in schwermütigen Zeiten zum Arzt. Zwischen den Episoden liegen oft Jahre, mit der Zeit verkürzen sich aber die Abstände zwischen den Krankheitsschüben, das Auf und Ab setzt vielen zu.

Für die Krankheit kann es auch eine genetische Disposition geben. Carrie Fisher sprach öffentlich über ihre Familiengeschichte und vermutete, dass ihr Vater ebenfalls an einer bipolaren Störung erkrankt war, die nie diagnostiziert wurde. Fisher erlebte eine wilde Kindheit, der Vater verließ die Familie früh, auch die Mutter, Hollywoodschauspielerin Debbie Reynolds, war oft abwesend. Als Teenager begann Fisher LSD zu nehmen, teilweise gemeinsam mit ihrem Vater. Später litt sie an Alkohol- und Kokainsucht.

Fishers bipolare Störung wurde im Alter von 24 Jahren festgestellt, doch sie habe noch mehrere Jahre gebraucht, bis sie die Diagnose habe akzeptieren und sich in Behandlung begeben konnte, sagte die Schauspielerin. Für den britischen "Guardian" schrieb Carrie Fisher bis zu ihrem Tod die Ratgeberkolumne "Advice from the dark side", dort beantwortete sie Leserfragen.

"Ich habe ebenfalls eine bipolare Störung und bewundere, wie offen Sie über Ihre psychische Gesundheit sprechen. Durch Sie fühlen sich Menschen wie ich weniger allein", schrieb eine Leserin im November.

"Wir haben eine herausfordernde Krankheit, und es gibt keinen anderen Weg, als uns dieser Herausforderung zu stellen", schrieb Fisher in ihrer letzten Kolumne. "Versuche, es als eine Möglichkeit zu sehen, heldenhaft zu sein, ein Überlebender. Ein Vorbild für solche, die ebenfalls unsere Störung haben. Deshalb ist es wichtig, eine - egal wie kleine - Gemeinschaft mit anderen zu bilden, um unsere Erfahrungen auszutauschen und uns Mut zu geben ... Als deine bipolare Schwester werde ich zuschauen. Nun gehe hinaus und zeige mir, was du kannst."

cpa



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
dahier 28.12.2016
1. Korrektur
Es müsste heißen: Die manisch-depressive Störung gehört zu den bipolaren affektiven psychischen Erkrankungen.
Dark Agenda 28.12.2016
2. Gehe hinaus?
Sobald das irgendwo bekannt wird, will einen keine Krankenversicherung oder Arbeitgeber mehr haben. Ob man noch Bankkredite oder so etwas bekommt ist eine andere Sache geschweige denn Adoptionen und andere Vorhaben bei denen man überprüft wird. Leider müssen Betroffene ein tapferes Gesicht machen und weiter im Anonymen leben.
Standeck 28.12.2016
3. Korrektur 2
Die Bipolare Störung gehört zu den Affektiven Störungen. Manisch Depressive Krankheit und Biplorae Störung sind dasselbe, nur mit anderem Namen. Ersterer ist älter.
Bueckstueck 28.12.2016
4.
Zitat von Dark AgendaSobald das irgendwo bekannt wird, will einen keine Krankenversicherung oder Arbeitgeber mehr haben. Ob man noch Bankkredite oder so etwas bekommt ist eine andere Sache geschweige denn Adoptionen und andere Vorhaben bei denen man überprüft wird. Leider müssen Betroffene ein tapferes Gesicht machen und weiter im Anonymen leben.
Oder einfach im richtigen Land leben. Zumindest das mit der Krankenversicherung ist bei weitem nicht überall ein Thema und ob ein Arbeitgeber so reagiert hängt alleine von den persönlichen Vorurteilen der entschiedenden Person ab.
armi-nator 28.12.2016
5. Kein Wunder...
...wenn man solche Eltern hat, die in dem für das Kind lebensnotwendigen Rückhalt versagen. Nicht die Depressiven sind krank -- die *Gesellschaft* ist krank, und ihre emotional am wenigsten geschützten Mitglieder bilden nur die *Symptome* dieser Krankheit -- die Ventile, bei denen der Druck und der Dreck der Gesellschaft dann herausströmen will.
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