Begriff der Black-Lives-Matter-Bewegung "Woke" ins "Oxford English Dictionary" aufgenommen

Das Wort "woke" ist nun offiziell Teil des "Oxford English Dictionary". Es ist vor allem unter Anhängern der Black-Lives-Matter-Bewegung sehr beliebt - hat seinen Ursprung aber noch viel früher.

Solidaritätskundgebung nach dem Tod von Trayvon Martin in Florida, 2012
REUTERS

Solidaritätskundgebung nach dem Tod von Trayvon Martin in Florida, 2012


Das "Oxford English Dictionary" (OED) ist das umfangreichste Wörterbuch der englischen Sprache, sein Ziel ist es, den gesamten englischen Wortschatz darzustellen - mit allen Veränderungen und Neuerungen, die Sprache so mit sich bringt. Nun hat das OED wieder eine Reihe moderner Wörter und Redewendungen aufgenommen, darunter auch den politischen Begriff "woke", der sich in den USA in letzter Zeit großer Beliebtheit erfreute.

In der Black-Lives-Matter-Bewegung (BLM) wurde der Begriff synonym mit politischem Bewusstsein oder Wachsamkeit verwendet, Anhänger der Bewegung nutzten auf Twitter häufig den Hashtag "staywoke", wenn es in den Tweets um die Unterdrückung und Benachteiligung schwarzer Menschen ging.

Das ODE definiert "woke" nun wie folgt: "woke, adjective: Originally: well-informed, up-to-date. Now chiefly: alert to racial or social discrimination and injustice; frequently in stay woke." (In etwa: "Ursprünglich: gut informiert, auf dem neuesten Stand. Jetzt hauptsächlich: Wachsam gegenüber rassistischer oder gesellschaftlicher Diskriminierung und Ungerechtigkeit; häufig gebraucht "wachsam bleiben")

Die politische Konnotation des Begriffes geht allerdings in eine Zeit weit vor BLM zurück. Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts benutzten Schwarze den Begriff, um ein Bewusstsein für soziale Unterdrückung zu signalisieren. Die früheste Verwendung findet man in einen Artikel aus dem Jahre 1962, in dem ein Wortverzeichnis afroamerikanischer Slangausdrücke aufgelistet wurde. Der Artikel stammte von dem schwarzen Autor William Melvin Kelley. Das Thema: Weiße Beatniks, die sich schwarzen Slang aneignen.

Seitdem tauchte der Begriff in verschiedenen Kunstformen immer wieder auf. Noch 2008 sang Erykah Badu in ihrem Lied "Master Teacher" die Zeile "I stay woke". Mit dem Mord an Trayvon Martin im Jahr 2012 und dem Aufkommen der Black-Lives-Matter-Bewegung rückte der Begriff wieder ins öffentliche Bewusstsein. 2016 veröffentlichte der mit der Bewegung assoziierte Sender "Black Entertainment Television" eine Dokumentation mit dem Titel "Stay Woke". Inzwischen findet man den Hashtag "staywoke" allerdings auch auf ironische Weise verwendet, als Witz oder im Zusammenhang mit absurden Verschwörungstheorien.

Neben "woke" hat das OED auch folgende neue Begriffe aufgenommen:

"Post-truth": Umstände, unter denen objektive Fakten weniger wichtig für die Bildung einer politischen Meinung oder Debatte sind als Emotionen und persönliche Überzeugungen. Vergleichbar mit: "Postfaktisch"

"Son of a bachelor": wird verwendet als Begriff der Abneigung und Verachtung

"Swimmer": Spermium

"Thing": eine etablierte Sache oder ein etabliertes Phänomen. Oft in fragender Form, Zweifel implizierend, ob eine Sache wirklich ein so großes Ding ist: "Is that really a thing?"

gia



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.