Terrorist und Haschrebell Bommi Baumann ist tot

Er gehörte zu den bekanntesten Köpfen der Berliner Studentenbewegung - und zu den zugedröhntesten. Michael "Bommi" Baumann ist tot.

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Bevor er in den Untergrund ging, gehörte er zu den Mitgliedern der legendären "Kommune I" - Michael "Bommi" Baumann, Mitgründer der Guerilla-Organisation "Bewegung 2. Juni", ist tot.

Baumann wurde 1947 in Berlin geboren und absolvierte eine Lehre als Betonbauer. Zunächst engagierte er sich in der Studentenbewegung. Baumann, der im Rückblick angab, "alles in allem ein Vierteljahrhundert" lang harte Drogen konsumiert zu haben, gründete zudem den "Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen". Die Parole: "High sein, frei sein, Terror muss dabei sein."

Später ging Baumann in den Untergrund: Zunächst gründete er die anarchistische Gruppe "Tupamaros West-Berlin", die später in die "Bewegung 2. Juni" überging. Der Name sollte an den am 2. Juni 1967 bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien von einem Polizisten getöteten Studenten Benno Ohnesorg erinnern. Durch einen Anschlag der Gruppe auf den Britischen Yachtclub in Berlin-Gatow starb ein Bootsbauer; Baumann hatte an dem Sprengkörper mitgebaut.

Kurz danach löste sich Baumann von der Organisation, die später auch Morde an Politikern und Entführungen durchführen sollte. Baumann lebte daraufhin jahrelang auf der Flucht, unter anderem in Syrien, Iran, Afghanistan und Indien. 1981 wurde er in London verhaftet und danach in Berlin zu fünf Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt.

Baumanns Autobiografie "Wie alles anfing" wurde 1975 unmittelbar nach Erscheinen wegen "Aufrufs zur Gewalt" beschlagnahmt. Darin schrieb er etwa: "Andere sollen verstehen, warum Leute den Weg des bewaffneten Kampfes gehen." Und: "Solange du angepasst bist, kriegst du ja nie einen Widerspruch mit, hast du nur eine instinktive Abneigung, sagen wir mal gegen eine Belastung, gegen Stress, gegen den Leistungsdruck. "Das Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt und als Theaterstück inszeniert.

Ein "Spiegel"-Bericht enthüllte 1998, dass Baumann nach einer Festnahme im DDR-Transit von der Stasi erpresst wurde und einen Bericht über Mitglieder des terroristischen Untergrunds in der Bundesrepublik verfasst hatte. Später entschuldigte sich Baumann dafür.

Nach seiner Freilassung arbeitete Baumann in der Drogentherapie - und riet zu Abstinenz. 2009 veröffentlichte er sein Buch "Rausch und Terror. Ein politischer Erlebnisbericht": "Wir haben die Realität ausgeblendet, nicht unähnlich Soldaten vor einer Schlacht"; erinnerte er sich damals im Interview mit SPIEGEL ONLINE an seine frühen Tage in Berlin, als er unter Rauschgifteinfluss auch Polizisten angriff. Und sagte: "Von denen, die damals in West-Berlin anfingen, Opiate zu nehmen, das waren gute hundert Leute, leben heute vielleicht noch zehn. Meine Kumpels könnten einen eigenen kleinen Friedhof füllen."

Durch den langjährigen Rauschgiftkonsum war Baumann gesundheitlich angeschlagen und musste immer wieder medizinisch behandelt werden. Er wurde 68 Jahre alt.

eth/dpa



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