"Bonanza"-Star Pernell Roberts alias "Adam Cartwright" ist tot

Die Serie "Bonanza" machte ihn weltberühmt - und richtig wütend: Pernell Roberts fand seine Rolle als Adam Cartwright kindisch und unplausibel. Seinen Part in der Bekämpfung von Vorurteilen und Rassismus nahm der Schauspieler dafür umso ernster.

"Bonanza"-Star Roberts: Das Gesicht des milden Westens
DEFD

"Bonanza"-Star Roberts: Das Gesicht des milden Westens


New York - Auf dem Bildschirm war Pernell Roberts alias Adam Cartwright der älteste der drei Cartwright-Brüder, jenen legendären Cowboys, die gemeinsam mit Vater Ben (Lorne Greene) ab 1959 den Wilden Westen noch einmal fürs breite Fernsehpublikum eroberten. Ihr Stammsitz, die Ponderosa-Ranch, war 14 (!) Staffeln lang eine moralische Anstalt mit den Mitteln der Vieh- und Pferdezucht; hier herrschte ein Patriarchat, das vom antiautoritären Zeitgeist der Sechziger verschont geblieben war.

Roberts wurde 1928 im Südstaat Georgia geboren. Schon als Halbwüchsiger sang er leidenschaftlich gern und trat als Teenager in Unterhaltungsshows für amerikanische Soldaten auf. Später zog er selbst die Uniform an und ging für zwei Jahre zur Eliteeinheit der Marines.

Nach Gelegenheitsjobs, unter anderem als Grabsteinmacher, lockte ihn das Theater. Zuerst waren es kleinere Bühnen, dann die am Broadway, schließlich spielte der junge Südstaatler sogar Shakespeare. Für seine Rolle in "Macbeth" wurde Roberts ausgezeichnet.

Cowboy von der Rolle

Der Sprung von der Bühne vor die Kamera bedeutete auch einen Mangel an kreativer Bewegungsfreiheit; vor allem für das Western-Genre wurde der Darsteller verpflichtet. Ob in "Nordwest-Passage", "Tombstone Territory" oder "Auf eigene Faust" - Lederstiefel, Cowboy-Hut und Revolver sollten künftig zu Roberts Ausstattung gehören. Kein Wunder, dass die Produzenten der neuen Western-Serie "Bonanza" nach einem wie Roberts gierten wie ein Goldgräber nach glänzenden Nuggets.

Als Cartwright-Spross hatte Pernell eine Mittlerfunktion, dramaturgisch gesehen stand er oft zwischen Familienoberhaupt Ben Cartwright und seinen jüngeren Brüdern, dem opulenten "Hoss" und dem Filou "Little Joe". Das Vierergespann war weltweit erfolgreich und schrieb Fernsehgeschichte. Und weil Roberts sogar seiner Leidenschaft frönen und in ein paar Folgen singen durfte, schien alles einigermaßen in Ordnung.

Aber eben nur einigermaßen. Der Theaterschauspieler mokierte sich von Anfang an über seine Rolle. Zu eindimensional sei die ganze Geschichte, authentisch schon gar nicht. Er sollte der Sohn eines Mannes sein, der gerade 13 Jahre älter ist als er selbst? Roberts wollte das Toupet nicht mehr tragen, das ihm die Produzenten deshalb verpasst hatten.

Und überhaupt: Drei erwachsene Männer, Mitte 30, machen alles, was der Vater will und fragen ihn wegen jeder Kleinigkeit um Erlaubnis wie Schulbuben? Als sein Vertrag nach sechs Jahren auslief - die Serie war auf dem Höhepunkt und weltweit erfolgreich -, stieg "Adam" aus. Und kam zur Entrüstung des Fernsehpublikums auch nicht zurück, obwohl ihm die Drehbuchschreiber diese Option offen gelassen hatten.

Gegen Schwarzweiß-Denken

Roberts brüskierte das Amerika des Jahres 1965 gleich noch einmal: Als Zehntausende Schwarze im Süden der USA für ihre Rechte marschierten, war der weiße Fernsehstar mittendrin. Den Sender NBC forderte er öffentlich auf, mehr Rollen von Afroamerikanern spielen zu lassen. In einer Zeit, als auf manchen öffentlichen Parkbänken noch "Nur für Weiße" stand, marschierte der Südstaatler an der Seite von Martin Luther King.

Seine Karriere allerdings dümpelte dahin. Viele Rollen, wenig Glamour. Das änderte sich erst 1979 mit "Trapper John, M.D.". Ohne Lederweste, Toupet und Revolver, dafür mit Vollbart, Halbglatze und Arztkittel, spielte Roberts einen Arzt mit Lazaretterfahrung aus dem Koreakrieg. Die, zumindest für Serienverhältnisse, profilierte Rolle muss Roberts gelegen haben. Schließlich wusste er, wovon sein Fernseh-Alter-Ego sprach: Als Marine-Soldat war er selbst in Korea gewesen.

Mit Pernell Roberts stirbt einer letzten Stars aus den Anfängen jener Kunstform, die Kritiker als genuin amerikanisch bezeichnet haben: der fiktionalen Fernsehserie. Der Schauspieler starb am Sonntag in seinem Haus in Malibu. Er wurde 81 Jahre alt.

dan/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.