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BR-Online: Wie Merkels Fleck weg kam

Von Daniel Haas

Der Bayerische Rundfunk hat auf ein Missgeschick reagiert, das sich auf Angela Merkel und einen Schwitzfleck bezieht. Ein Bild der Kanzlerkandidatin, aufgenommen in Bayreuth, war vom Onlinedienst des Senders nachbearbeitet worden. Bei BR-Online zog man nun die Konsequenzen.

Originalbild von DPA: Schatten unter Arm
DPA

Originalbild von DPA: Schatten unter Arm

Hamburg - Wie SPIEGEL ONLINE gestern berichtete, hatte der Bayerische Rundfunk (BR) auf seiner Homepage ein bearbeitetes Foto der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel veröffentlicht. Das Bild zeigte Angela Merkel mit Ehemann Joachim Sauer, sie in lachsfarbener Abendrobe, er im dunklen Anzug, auf dem roten Teppich von Bayreuth. Die Kanzlerkandidatin winkte ins Publikum, ein DPA-Fotograf knipste das Paar - auf dem in Merkels Achselhöhle ein kleiner, dunkler Schweißfleck zu erkennen war. So wurde es von etlichen Medien veröffentlicht - nur beim BR erschien Merkel makellos, ganz ohne Schwitzfleck.

Auf Anfrage wies der Bayerische Rundfunk gestern Vermutungen, das Bild sei manipuliert worden, brüsk zurück. Gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte Hans Helmreich, Leiter des operativen Managements der Multimedia-Abteilung des BR, man habe den Fleck unter Merkels Arm definitiv nicht wegretuschiert. Auf die Frage, ob hier vielleicht ein politischer Saubermann am Werk gewesen sei, der schwitzende Unions-Politiker in transpirationsfreie verwandelt, sagte Helmreich gestern: "So einen Unsinn machen wir nicht."

Manipuliertes Bild von br-online: Merkel unbefleckt

Manipuliertes Bild von br-online: Merkel unbefleckt

Heute sieht die Sache anders aus: Zunächst verschwand das fragliche Bild aus dem entsprechenden Artikel. Dann gestand der BR-Multimedia-Chef Rainer Tief, das Bild sei tatsächlich retuschiert worden. Ein freier Mitarbeiter habe einen Schweißfleck von dem Foto entfernt, sagte Tief zu SPIEGEL ONLINE. Damit habe man gegen hauseigene Prinzipien verstoßen: "Bilder sind Dokumente", betonte Tief heute.

Der Deutsche Journalisten-Verband nahm den Vorfall zum Anlass, noch einmal zu betonen, dass Pressefotos, die technisch bearbeitet werden, gekennzeichnet werden müssen. "Dass ein und dasselbe Foto in zwei verschiedenen Versionen in den deutschen Medien veröffentlicht wurde, schadet der Glaubwürdigkeit der Medien", sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken.

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